St. Pölten

Erstellt am 25. April 2017, 02:57

von Martin Gebhart

Der letzte Amtstag von Landeshauptmann Pröll. Die NÖN begleitete Erwin Pröll an seinem letzten Tag als Landeshauptmann. Von der letzten Fahrt zum Landhaus bis zur mitternächtlichen Rückkehr nach Radlbrunn.

13.537 Tage hat seine Dienstreise in der NÖ Landesregierung gedauert, wie es Erwin Pröll in seiner Abschiedsrede im NÖ Landtag formulierte. Der letzte lange Tag davon war am Mittwoch, dem 19. April. Die NÖN begleitete den Landeshauptmann dabei exklusiv. Vom Verlassen des Hauses in Radlbrunn am Morgen bis zur Rückkehr kurz nach Mitternacht. Hier die Eindrücke in acht Akten.

1. Akt: Die letzte Fahrt ins Büro.

Der Tag beginnt routinemäßig. Der Fahrer holt seinen langjährigen Chef in Radlbrunn ab, um ihn in das Landhaus in St. Pölten zu bringen. Das beginnende Schneegestöber gestaltet den Weg zum Auto schwierig. Erwin Pröll studiert auf der Fahrt – wie gewohnt – die Tageszeitungen. Er ist locker und gelassen. Keine Spur von Anspannung, auch wenn es sein letzter Tag als Landeshauptmann sein wird.

Das erste Telefonat des Tages führt er – ebenfalls wie gewohnt – mit seinem Pressesprecher Peter Kirchweger. Im Landhaus zieht er sich kurz in sein – bereits völlig ausgeräumtes – Büro im sechsten Stock zurück. Das Schild „Landeshauptmann Erwin Pröll“ ist noch angebracht. Dort trifft er mit seiner kompletten Familie und mit seiner Nachfolgerin Johanna Mikl-Leitner zusammen.

2. Akt: Hl. Messe in der Landhauskapelle. 

Die Hl. Messe vor der Sondersitzung zelebriert Propst Bernhard Backovsky vom Stift Klosterneuburg. Die Landhauskapelle ist bis zum letzten Platz gefüllt, alle Fraktionen sind vertreten. Der Propst bedankt sich bei Pröll für sein Wirken. Das Ostern, das der Fall des Eisernen Vorhangs für Niederösterreich bedeutet habe, sei mit dem Namen von Pröll verbunden, so Backovsky in seiner Predigt.

3. Akt: Die letzte Klubsitzung.

Vor der Sondersitzung des NÖ Landtags ist Erwin Pröll noch einmal im Klub der ÖVP. Klubobmann Klaus Schneeberger spricht von einer historischen Sitzung und dass ihn der Landeshauptmann gebeten habe, „nicht zu emotional zu werden“.

Sein Resümee: „Wir haben uns großteils unter deiner Führung wohl gefühlt, dann und wann auch überrumpelt gefühlt, aber immer gut geführt gefühlt.“ Es folgt ein sehr, sehr langer Applaus. Erwin Pröll ist noch immer sehr gelassen. Er bedankt sich vor allem, dass der Wechsel so gut über die Bühne gegangen ist, und wünscht „Hanni“ alles Gute. Der Klub bezeugt ihm, dass er auch in Zukunft immer ein gern gesehener Gast sein wird.

4. Akt: Die Sondersitzung. 

Der letzte Auftritt von Erwin Pröll im NÖ Landtag wird ein ganz besonderer. Auf der Tribüne haben seine komplette Familie, der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, Innenminister Wolfgang Sobotka und St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler sowie die hohe Geistlichkeit Platz genommen. Pröll grüßt alle und verabschiedet sich dann mit seiner Rede. Mit ruhigem Ton, nur wenig Emotionen. Seine letzte Botschaft: „An diesem Niederösterreich hänge ich mit jedem Herzschlag. So bitte ich euch heute: Gebt alles für Niederösterreich.“

Mehr Emotionen gibt es da schon bei mehreren Abgeordneten und Weggefährten, ab und zu auch Tränen. Erwin Pröll wird von allen Fraktionen mit einem lang anhaltenden Applaus – stehend – verabschiedet. Dann geleitet ihn der 2. Landtagspräsident Gerhard Karner aus dem Sitzungssaal. Und erstmals in seinem Leben nimmt der nunmehrige Landeshauptmann a.D. auf der Tribüne Platz und beobachtet die Wahl und die Rede seiner Nachfolgerin Johanna Mikl-Leitner.

5. Akt: Abschied von den Mitarbeitern.

Bis zum offiziellen Abschiedsempfang am Abend zieht sich Pröll in sein Noch-Büro zurück. Die Tafel „Landeshauptmann Erwin Pröll“ bleibt den ganzen Tag über angebracht, das hat die neue Landeshauptfrau so entschieden. Neben seiner Familie und einigen Freunden ist auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl lange Zeit anwesend.

Beim verbalen Schlagabtausch merkt man, wie gut sich die beiden Politiker trotz unterschiedlicher Couleurs verstanden haben und verstehen. Pröll ersucht Häupl, dass er ihn bei seinem Abschied in Wien – „in etwa zehn Jahren“ – auch einladen solle. Häupl knurrt nur, dass der Abschied schon früher sein werde. Jetzt kommen alle Büromitarbeiter zu ihrem – mittlerweile – Ex-Chef. Es werden viele Fotos mit Erwin Pröll gemacht. Und da fließt erneut so manche Träne.

6. Akt: Der Abschiedsempfang im NÖ Landhaus.

Der heftige Schneefall sorgt zwar für Turbulenzen und das Ausbleiben einiger Gäste, dennoch ist das Haus 1 komplett voll, als der Abendempfang gestartet wird. Die Heeresmusik spielt gemeinsam mit der Polizeikapelle für Johanna Mikl-Leitner und Erwin Pröll. Letzterer greift – wie sooft in seinem Politikerleben – zum Taktstock.

Dann kommt der schwierigste Part: Gemeinsam mit Mikl-Leitner schüttelt Erwin Pröll nochmals unzählige Hände von Gästen, die sich von ihm verabschieden. Darunter Bundeskanzler Christian Kern, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, die Minister Hans Jörg Schelling, Wolfgang Sobotka und Wolfgang Brandstetter, Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl, unzählige Bürgermeister, Wirtschaftstreibende und Künstler. Vier Stunden dauert diese Zeremonie, ehe sich Erwin Pröll in sein Büro zurückziehen kann.

7. Akt: Ausklang im Büro.

Mit seiner Ehefrau Sissi, einigen Freunden und Büromitarbeitern wird im 6. Stock noch einmal auf den Tag angestoßen. Im Fernsehen verpasst gerade der FC Barcelona gegen Juventus Turin den Aufstieg. Zu der Gästeschar im 2. Stock stößt Pröll nicht mehr: „Das ist jetzt das Spielfeld von der Hanni.“

Zu späterer Stunde kommt noch Klubobmann Klaus Schneeberger vorbei, um mit seinem „Chef“ auf den Tag anzustoßen. Er ist zufrieden, wie alles gelaufen ist. Knapp vor Mitternacht wird dann das Büro geräumt, damit es am Tag danach von der neuen Landeshauptfrau übernommen werden kann.

8. Akt: Die letzte Heimfahrt. 

Nach den letzten großen Verabschiedungen bringt der Fahrer Sissi und Erwin Pröll zurück nach Radlbrunn. Die Nacht ist ruhig geworden, das Schneegestöber hat aufgehört. Erwin Pröll ist ein wenig nachdenklich, aber keineswegs emotionell. „Es ist ein Gefühl der Zufriedenheit und Dankbarkeit“, so beschreibt er den Tag.

Nach Mitternacht kommt das Auto bei seinem Haus an. Damit ist auch die letzte Dienstfahrt zu Ende. Was danach kommt, hat der Landeshauptmann a.D. in seiner Rede im Landtag so formuliert: „Auch wenn ich jetzt aussteige, so werde ich nicht am Bahnsteig stehen bleiben, wenn der Zug mit einer anderen Führung weiter fährt. Nein, ich werde in einem der hinteren Waggons Platz nehmen und mitfahren.“