Erstellt am 11. Oktober 2015, 10:17

von APA/Red

Die Benchmarks der Parteien. Wie vor zwei Wochen in Oberösterreich wird wohl auch in Wien heute, Sonntag, politisch die Erde beben.

 |  NOEN, APA (epa)
In diesem Fall entscheiden die Wähler, ob bzw. wie rot das "rote Wien" bleibt - und ob die rot-grüne Regierung die nötige Mehrheit für die Fortsetzung hat.

Die seit 1945 immer stimmenstärkste und Bürgermeister-Partei SPÖ muss mit starken Verlusten rechnen, die FPÖ kann auf ein sattes Plus hoffen - wobei die Meinungsforscher bis zuletzt nicht ausgeschlossen haben, dass die FPÖ erstmals Erste vor der SPÖ wird in Wien. Dass die ÖVP erstmals nur mehr Vierte hinter den Grünen wird, ist laut den Umfragen sehr wahrscheinlich.

Die Rekordmarken der Wien-Wahl:

- Mit weniger als 39,15 Prozent (1996) wäre die SPÖ schwach wie nie zuvor.

- Über 27,94 Prozent (1996) muss die FPÖ kommen, um ihr bestes Wien-Ergebnis seit Parteigründung einzufahren.

- Die Grünen bräuchten mehr als 14,63 Prozent (2005) für ein Rekordergebnis.

- Für die Fortsetzung der Koalition brauchen SPÖ und Grüne gemeinsam mehr als 50 der 100 Mandate; derzeit haben sie noch 60.

- Grünen-Spitzenkandidatin Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou hat eine persönliche Benchmark: Sie hat ihren Rücktritt angekündigt, wenn die Grünen unter die 12,64 Prozent aus 2010 fallen.

- Die ÖVP müsste die 13,99 Prozent der letzten Wahl halten, um nicht noch tiefer ins historische Tief zu rutschen.

- Legt die FPÖ um mehr als 12,82 Prozentpunkte zu, übertrifft sie ihr eigenes Rekordplus aus dem Jahr 1991.

- 10,35 Prozentpunkten waren das bisher größte Minus, 1991 erlitten von der ÖVP.

- Die SPÖ legte ihren bisher größten Absturz - um 8,66 Prozentpunkte - 1996 hin.

- Die FPÖ wird der SPÖ nach der Wahl näher sein als je zuvor. 11,21 Prozentpunkte waren bisher der geringste Vorsprung, derzeit liegt die SPÖ um 18,57 Punkte vor der FPÖ.

.... im Vergleich mit den anderen Landesparteien:

- Heinz-Christian Straches Wiener FPÖ wird parteiintern Erste, wenn sie mehr als die 30,36 Prozent schafft, die Manfred Haimbuchner zwei Wochen zuvor in Oberösterreich holte. Das wäre dann das zweite blaue Resultat über der 30er-Marke außerhalb Kärntens.

- Michael Häupls SPÖ geht als stärkste Landespartei in die Wahl - und könnte als Dritte rauskommen. Mit weniger als 37,13 Prozent fallen die Wiener nicht nur hinter das Burgenland (41,92), sondern auch hinter Kärnten zurück.

- Manfred Juraczkas ÖVP geht als die schwäche Landespartei (13,99 Prozent) in die Wahl - und dürfte die rote Laterne auch behalten. Fällt sie unter 11,64 Prozent (2004 in Kärnten), wäre dies das schlechteste Ergebnis, das die ÖVP jemals bei einer der 140 Landtagswahlen (inkl. Wien) der Zweiten Republik verdauen musste.

.... im Vergleich der Landeshauptmänner:

- Bleibt Michael Häupl noch die ganze fünfjährige Periode im Amt, könnte er längst dienender Landeshauptmann der Zweiten Republik werden. Am 27. Mai 2020 hätte er die 9.319 Tage als Wiener Bürgermeister und damit auch LH absolviert, mit denen der Oberösterreicher Heinrich Gleißner (1945 bis 1971) bis heute vorne liegt. Voraussetzung für Häupls Rekord wäre allerdings, dass sich sein Freund Erwin Pröll (ÖVP) verabschiedet - etwa in Richtung Hofburg. Denn der Niederösterreicher wurde zwei Jahre vor Häupl Landeshauptmann.