Erstellt am 31. Mai 2016, 06:44

von Martin Gebhart

Die Lehren aus der Präsidentenwahl. Die Debatte über eine Spaltung der Gesellschaft kann keine der Landesparteien wirklich nachvollziehen.

Alexander Van der Bellen (l.) und Norbert Hofer  |  NOEN, HELMUT FOHRINGER (APA)

Die Wahl des Bundespräsidenten ist geschlagen, der politische Alltag ist zurück. Oder doch nicht? Tatsächlich hat der knappe Sieg von Alexander Van der Bellen (Grüne) gegen den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer sowie das Ausscheiden der beiden Regierungskandidaten in der ersten Runde Spuren hinterlassen. Und eine Debatte, ob nun das Land gespalten sei.

Letzteres wird von allen Landtagsparteien verneint. VP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner: „Es war ganz einfach eine demokratische Entscheidung zwischen zwei Kandidaten. Da ist es klar, dass so ein Wahlkampf polarisiert. Aber jetzt gehen wir wieder zur politischen Tagesordnung über.“ Sein SPÖ-Kollege Robert Laimer hat zwar eine „massive Polarisierung“ verspürt, die es jetzt wieder einzufangen gelte, aber: „Es normalisiert sich immer nach den Wahlgängen.“

„Das Land ist nicht gespalten.
Es war eine 50:50-Entscheidung.
Wir können sehr froh sein, dass wir
in einem demokratischen Land leben.“
Grünen-Landesgeschäftsführer Hikmet Arslan

FPÖ-Landesparteisekretär Christian Hafenecker hält das Gerede über eine Spaltung gar für einen „absoluten Blödsinn“. Hafenecker: „Das wurde nur herbeigeredet und herbeigeschrieben.“ Und Grünen-Landesgeschäftsführer Hikmet Arslan: „Das Land ist nicht gespalten. Es war eine 50:50-Entscheidung. Wir können sehr froh sein, dass wir in einem demokratischen Land leben.“

Was aber deutlich wurde: Ein großer Unterschied zwischen den ländlichen Regionen und den Städten. Auf dem Land war meist Norbert Hofer der Sieger. In den größeren Städten und rund um Wien Alexander Van der Bellen. Bernhard Ebner: „Das zeigt die Stimmungslage.“ Hikmet Arslan sieht eine andere Ursache darin, dass in kleineren Orten die negativen Erzählungen über die Grünen noch immer verankert seien.

Ein Resümee zieht Ebner noch aus dem Scheitern des VP-Kandidaten Andreas Khol: Eine erfolgreiche Wahl brauche eine gute Organisation und die entsprechende Stimmungslage. Fehlt diese Stimmung, könne die Organisation das nicht wettmachen.

 

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