Traiskirchen

Erstellt am 17. August 2016, 05:14

von NÖN Redaktion

Franz Schabhüttl: „Der Zug fährt weiter“. Franz Schabhüttl über Jugendliche im Lager und den Umgang mit Schicksalen.

Franz Schabhüttl, Leiter der „Erstaufnahmestelle Ost“ in Traiskirchen.  |  NOEN, Stefan Jedlicka

NÖN: Die größte Personengruppe im Lager sind die unbegleiteten Minderjährigen. Sie machen mehr als die Hälfte der Gesamtbelegung aus. Wie geht man damit um?
Franz Schabhüttl: Der Großteil befindet sich im Prozess der Altersfeststellung – und bis zu zwei Drittel kommen als Erwachsene wieder heraus. Interessanterweise machen sich vor allem Männer meistens jünger, als sie tatsächlich sind.

Warum ist das so?
Das hat sich aus dem Umstand entwickelt, dass Minderjährige nicht in Schubhaft genommen werden können. Aber das Alter wird durch ärztliche Gutachten festgestellt.

Wie geht man persönlich damit um, täglich mit teilweise erschütternden menschlichen Schicksalen konfrontiert zu sein?
Man muss einen Weg finden, sich abzugrenzen. Der Zug fährt weiter – mit dir oder ohne dich. Wenn du die Schicksale, die du hier siehst, an dich heranlässt, gehst du unter, davon hat aber niemand etwas. Das ist ähnlich wie bei einem Arzt und seinen Patienten.