Erstellt am 30. September 2015, 14:29

von Anita Kiefer

Fokus auf Berufsorientierung. Die Lehrerausbildung an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich in Baden konzentriert sich künftig verstärkt auf das Thema Berufsorientierung bei der Lehrerausbildung. Entstanden ist dieses Projekt gemeinsam mit Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer. Heute, Mittwoch, wurde der Kooperationsvertrag unterzeichnet. Damit ist Niederösterreich auf diesem Gebiet bundesweiter Vorreiter.

Bei der Unterzeichung des Kooperationsvertrages: Der Rektor der Pädagogischen Hochschule NÖ, Erwin Rauscher, Arbeiterkammer NÖ-Präsident Markus Wieser, Wirtschaftskammer NÖ-Präsidentin Sonja Zwazl und SP-Bildungministerin Gabriele Heinisch-Hosek.  |  NOEN, AKNÖ
Im Lehrplan für die Primarstufenausbildung für angehende Lehrer ist Berufsorientierung bereits verankert. Jetzt startet ein eigener Masterlehrgang Berufsorientierung im Ausmaß von 90 ECTS-Punkten. Außerdem werden entsprechende Lehr- und Lernmaterialien entwickelt, berichtet der Rektor der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich, Erwin Rauscher.

Die Berufsorientierung für Schüler soll vor allem auch sehr praxisnah angelegt werden. Dafür wollen gerade die Sozialpartner Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer sorgen – das Interesse läge daran, die Theorie mit der Praxis zu verbinden, so Arbeiterkammer NÖ-Präsident Markus Wieser. Denn gäbe rund 240 Lehrberufe in Niederösterreich, nur wenige seien aber bekannt.

Außerdem gäbe es in Niederösterreich 14.000 Jugendliche, die nach der Pflichtschule keine weitere Ausbildung anstreben – bundesweit sind es 75.000. Dazu kämen hohe Drop-out-Raten – etwa ein Drittel würden im Bereich AHS/BHS abbrechen, auch 22 Prozent der Lehrlinge würden einen begonnen Lehrberuf nicht beenden, so Wieser.

Wirtschaftskammer NÖ-Präsidentin Sonja Zwazl betonte, dass Niederösterreich bereits beim Begabungskompass Vorreiter war, der dann auch auf weitere Bundesländer ausgedehnt wurde. Sie hoffe, dass das auch bei der Lehrerausbildung im Bereich Berufsorientierung so sei. Ihr und Markus Wieser sei „die Ausbildung, und vor allem die duale Ausbildung sehr wichtig“, so Zwazl.

Grobe Kostenschätzung: 200.000 Euro

"Berufsorientierung ist ein Prozess der Lebensplanung“, betonte der PH Niederösterreich-Rektor Rauscher. Es ginge dabei um Kompetenzerwerb und Persönlichkeitsentwicklung.

Zu den Kosten werden Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer 100.000 Euro im Zeitraum von 2015 bis 2018 beisteuern. Rauscher kann die Gesamtkosten des Projekts noch nicht genau beziffern – es hänge sehr stark nach der Nachfrage ab, so Rauscher – rechnet aber damit, dass die PH in etwa denselben Betrag beisteuern wird.

Wann es Berufsorientierung als eigenes Fach an allen NÖ Schulen geben wird? „Wir bereiten eine große Bildungs-Herbstnovelle vor“, so SP-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek dazu. Dazu verhandle man aktuell noch mit der AHS-Gewerkschaft. Geht alles gut, könnten die Neuerungen bereits im Schuljahr 2016/17 umgesetzt werden.

Aktuell ist die Berufsorientierung im Ausmaß von 32 Semesterwochenstunden in jeder siebten und achten Schulstufe integrativ – also innerhalb von bereits bestehenden Fächern – verpflichtend. AHS handhaben die Berufsorientierung etwas anders als etwa Neue Mittelschulen. Künftig soll es eine Wochenstunde Berufsorientierung als eigenes Pflichtfach in allen Schulen geben.