Erstellt am 07. April 2017, 20:08

von APA Red

Grüne im Streit mit Jungen Grünen auf Tauchstation. Im Streit mit ihrer Jugendorganisation sind die Grünen am Freitag auf Tauchstation gegangen. Trotz weiterer Attacken durch die Jungen Grünen gab es keine Stellungnahme der Bundespartei.

Flora Petrik hofft auf "geordnete Scheidung"  |  APA (Archiv)

Der Showdown dürfte am Wochenende stattfinden, und zwar spätestens wenn die offenbar wieder genesene Bundessprecherin Eva Glawischnig in der ORF-Sendung "Im Zentrum" auf Junge-Grünen-Chefin Flora Petrik trifft.

Am Freitag appellierten die Jungen Grünen in einer Aussendung an Bundesgeschäftsführer Robert Luschnik, mit Falschinformationen und Verschwörungstheorien Schluss zu machen. "Dass die Bundespartei hinter ihrer Partei- und Führungskrise eine von langer Hand geplante Verschwörung der Jugendorganisation sieht, ist rational nicht mehr nachvollziehbar", hieß es da.

Aufgebauscht werde etwa ein Zitat des früheren Junge-Grünen-Bundessprechers Cengiz Kulac in der "Blattlinie", der Publikation der "Jungen Grünen", wurde betont. In einem Kommentar zur Frage, ob die Grünen die neue Linke sein können, hatte dieser geschrieben, die Grünen müssten "auf den Kopf gestellt werden, egal ob sie das als Partei überleben oder nicht.

Überleben sie diesen Prozess, sind sie stärker als je zuvor. Wird die Partei dabei auseinanderbrechen, wird neues entstehen". Die Jugendorganisation sieht dies aus dem Zusammenhang gerissen, am Freitag veröffentlichte sie das gesamte Heft auf ihrer Website.

Petrik selbst sah im Gespräch mit der APA keinen Bruch zwischen der geschassten Bundesorganisation der Jungen Grünen und den Landes- oder Bezirksorganisationen. "Die stehen geschlossen hinter mir", betonte sie. Erneut äußerte sie die Hoffnung auf eine "geordnete Scheidung" von der Partei.

Für sie selbst könnte das Ende der Zusammenarbeit schwerwiegende finanzielle Konsequenzen haben. Der Grund: Wie jedes Jahr habe die Partei Finanzmittel für die Jugendorganisation (insgesamt gibt es jährlich 160.000 Euro vom Familienministerium) per Kredit vorgestreckt, wofür Petrik persönlich haftet; wieviel es heuer schon war, konnte sie nicht beziffern. "Im schlimmsten Fall könnte die Partei mich in Privatinsolvenz schicken", sagte sie jedenfalls.

Von den Bundesgrünen gab es zu all dem am Freitag keinerlei Kommentar, mit den Jungen Grünen wurde laut Petrik jedenfalls nicht geredet. Zwar tagte der Bundesvorstand, eine Stellungnahme der Parteispitze gab es davor oder danach aber nicht. Ändern dürfte sich das am Wochenende. Sonntagabend sind Glawischnig und Petrik "Im Zentrum" zu Gast, neben Politikwissenschafter Anton Pelinka und PR-Berater Rudi Fußi.

Grünen-Bundessprecherin Glawischnig wird der Kritik aus der eigenen Partei im Zusammenhang mit der Trennung von den Jungen Grünen auf jeden Fall trotzen und ihr Amt weiter ausüben. Im Gespräch mit der "Tiroler Tageszeitung" sagt sie: "Ich denke nicht an Rücktritt - und setze all meine Kraft dafür ein, die Grünen geschlossen in die Nationalratswahl zu führen."