Erstellt am 11. Oktober 2015, 11:55

von APA/Red

Häupl erwartet Sieg im "Duell" mit Strache. Medialer Fixpunkt eines Wahlsonntags ist immer auch die Stimmabgabe der Spitzenkandidaten.

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Für seine Verhältnisse gut gelaunt hat Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) selbige bei der Wien-Wahl absolviert. Dass der Urnengang ein "Schicksalstag" für seine SPÖ sei, stritt er ab. Denn das "Duell" mit der FPÖ werde zugunsten der Sozialdemokratie entschieden werden, ist Häupl überzeugt.

Pünktlich um 11.00 Uhr war der Bürgermeister in seinem Wahl-Lokal, einem Amtshaus in Ottakring, erschienen, empfangen vom lokalen SPÖ-Chef Stadtrat Christian Oxonitsch, begleitet unter anderem von Sohn Bernhard, seinerseits Jugend-Koordinator der Wiener SPÖ.

Nach dem üblichen Geplauder mit Beisitzern und Wählern und der Stimmabgabe nahm sich Häupl geduldig Zeit, um Journalisten-Fragen zu beantworten. Für eine Kommunal-Wahl ungewöhnlich, hatten sich selbst Medienvertreter aus dem Ausland in Ottakring eingefunden, um zu eruieren, was die zu erwartenden Zugewinne für die Freiheitlichen für Europa zu bedeuten hätten.

Häupl: "Mit Retro-Politik werden wir nicht reüssieren."

Nichts Gutes, befand Häupl, schlug aber vor, zunächst einmal abzuwarten, wie das Wahlergebnis wirklich aussehen wird. Bei seiner Partei ortet er unabhängig vom Ausgang Reformbedarf, etwa in einer verstärkten Grätzel-Arbeit, wie sie nicht überall gelungen sei. Zudem sieht der Bürgermeister Bedarf an einem Modernisierungsschub: "Mit Retro-Politik werden wir nicht reüssieren."

Allzu große Aufgeregtheit strahlte Häupl bei seiner fünften Wahl nicht aus. Ziemlich glaubwürdig betonte er, "ausgezeichnet" geschlafen zu haben. Er wollte auch nicht von der aufregendsten oder bedeutendsten Wahl sprechen: "Wichtig ist jede Wahl." Keine Lust hatte er, auf Fragen nach möglichen Schmerzgrenzen zu antworten.

Erste Stellungnahmen zum Wahlausgang nach 18 Uhr

Das weitere Tagesprogramm sieht ein Mittagessen mit Journalisten in einem Lokal im fünften Bezirk vor. Womit er sich stärken wird, wusste Häupl angeblich noch nicht: "Das entscheidet der Wirt." Erste Stellungnahmen zum Wahlausgang wird es seitens des Bürgermeisters erst gut eine Stunde nach Wahlschluss, also nicht vor 18 Uhr, geben.

ÖVP-Spitzenkandidat Manfred Juraczka hat am späten Sonntagvormittag im Amtshaus Hernals in der Lienfeldergasse seine Stimme abgegeben. Begleitet wurde er von seiner Ehefrau Ellen. Gut gelaunt begrüßte er die wartenden Journalisten wie auch Wähler und Wahlhelfer. Dann nahm er seinen Stimmzettel und verschwand in der Wahlkabine. Einer Fernsehkamera erlaubte er, diesen Vorgang von hinten mitzufilmen - was Unruhe bei den Wahlhelfern auslöste. Einer raunte leise: "Des dürfens net."

Schließlich warf er gemeinsam mit seiner Frau unter Blitzlichtgewitter die ausgefüllten Stimmzettel in die Urne. Es gehe ihm "wunderbar", versicherte Juraczcka nach dem Vorgang: "Der erste Tag seit langem, wo ich ausschlafen konnte." Er werde jetzt mit seiner Familie essen gehen, sich danach noch etwas zurückziehen und später im Rathaus die Hochrechnungen und Ergebnisse verfolgen.

ÖVP-Chef lässt sich auf keine Prognosen ein

Auf Prognosen zum Wahlausgang und zum genauen Abschneiden seiner Partei wollte sich der ÖVP-Chef zunächst nicht einlassen: "Jetzt Kaffeesud Lesen bringt nichts." Schließlich ließ er sich doch noch hinreißen: "Ich hoffe, dass wir vor den Grünen liegen und ich glaube, dass Michael Häupl vor dem Herrn Strache liegen wird." Auf die Frage, wo genau denn seine Schmerzgrenze liege, um zurückzutreten, antwortete er ausweichend: "Jetzt haben wir noch ein paar Stunden, wo wir uns gedulden sollten. Dann wissen wir das Ergebnis."

Die Grüne Spitzenkandidatin Maria Vassilakou hat am Sonntag in einer Volksschule im 17. Bezirk ihre Stimme für die Wien-Wahl abgegeben. Vor Journalisten gab sie sich "ein bisschen nervös", aber zuversichtlich. "Ich hoffe auf Zuwächse der Grünen", sagte sie. Aufgrund des Ergebnisses in Oberösterreich, aber auch wegen der Stimmung im Straßenwahlkampf "haben wir allen Grund, optimistisch zu sein".

Kurz nach 11 Uhr traf Vassilakou gemeinsam mit Ehemann Bernd beim Wahllokal im noblen Bezirksteil Neuwaldegg ein. In der Wahlzelle nahm sie sich recht lange Zeit, noch länger hielt sie dann für die Fotografen und Kameraleute ihr Kuvert über die Urne. Fragen nach dem von ihr in Aussicht gestellten Rückzug bei einem Wahlverlust wich sie danach aus. Sie strebe mehr als die 95.000 Stimmen bei der letzten Wahl an, betonte sie, die Grünen sollten zulegen und in der nächsten Regierung vertreten sein.

NEOS-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger gut gelaunt

Gut gelaunt ist NEOS-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger am Sonntag kurz nach 11 Uhr im Gymnasium Wasagasse im Alsergrund zur Stimmabgabe erschienen. Angesichts der vielen Kamerateams und Journalisten entfuhr ihr ein "Ui" beim Betreten ihrer ehemaligen Schule. "Es wird ein sehr guter Sonntag", zeigte sie sich zuversichtlich.

"Es ist ein schönes Gefühl, in meiner alten Schule zu sein", sagte sie. Der Wahlkampf habe Spaß gemacht, und sie sei mit einem guten Gefühl aufgewacht. "Ich gehe mit einem sehr guten Gefühl heute in die Wahl. Wir haben gute Arbeit geleistet", meinte sie gegenüber den anwesenden Journalisten. Darauf, ob es einen Plan B für sie selbst gebe, sollten die NEOS den Einzug nicht schaffen, ging sie nicht ein. Den Einzug werde NEOS auf jeden Fall schaffen. "Wir werden auf Landesebene ein deutliches Zeichen für Veränderung setzen, und ich erwarte, dass wir in allen Bezirken einziehen", so Meinl-Reisinger.