Erstellt am 26. April 2016, 06:44

von Martin Gebhart, Gina Christof und Teresa Sturm

Hofer-Sieg: Selbst FPÖ überrascht. Feierlaune gab es nur bei der FPÖ und den NÖ Grünen. Landes-ÖVP kann zumindest auf bestes Ergebnis für Khol verweisen.

Jubelposen im FPÖ-Landtagsklub: Die Nationalratsabgeordneten Christian Hafenecker, Christian Höbart, Walter Rosenkranz und Landes-Klubobmann Gottfried Waldhäusl.  |  NOEN, Erich Marschik

Die FPÖ und die Grünen verfolgten diesmal in ihren Klubräumlichkeiten im NÖ Landtag die Wahlergebnisse. Wirklich großer Jubel kam dabei nur im Landtagsklub der FPÖ Nierösterreich auf. „Selbst für uns war die Deutlichkeit dieses Wahlerfolges überraschend. Das ist nahezu unfassbar“, freute sich Christian Höbart, Landesparteiobmann-Stellvertreter der FPÖ.

Zuversichtlich gaben sich die Freiheitlichen auch bezüglich der Erwartungen für die Stichwahl: „Wenn man so deutlich an erster Stelle steht, dann kann man sich hier schon berechtigte Hoffnungen machen“, meinte Landesparteiobmann Walter Rosenkranz.

Grüne sind nicht enttäuscht

Freude herrschte letztendlich auch im Landtagsklub der Grünen. „Wir sind nicht enttäuscht über den zweiten Platz, sondern freuen uns, dass wir unser Ziel in die Stichwahl zu kommen, erreicht haben“, sagte Helga Krismer, Klubobfrau der NÖ Grünen. In Hinblick auf die Stichwahl sind die Grünen positiv eingestellt: „Ich rechne mir gute Chancen aus, denn so eine Persönlichkeit wie Van der Bellen braucht Österreich in Zeiten wie diesen an der Spitze.“

Bei der SPÖ Niederösterreich war in der Landesparteizentrale schon vor der ersten Hochrechnung die Stimmung am Tiefpunkt. Überrascht war man über die Deutlichkeit, mit der Norbert Hofer an der Spitze der Bundespräsidentschaftskandidaten ist.

Androsch: Schmerzhafter Verlust

Landesrat Maurice Androsch und Landesgeschäftsführer Robert Laimer zeigten sich aber vor allem enttäuscht, weil der von ihnen „sehr geschätzte“ Rudolf Hundstorfer nicht mehr Wähler in die Wahlkabinen locken konnte. „Natürlich ist das ein schmerzhafter Verlust. Es trifft aber beide großen Parteien“, so Androsch. Schönreden wolle man aber nichts, so Laimer: „Den Wählerwillen muss man respektieren.“

Bei der ÖVP hatte man sich vor der ersten öffentlichen Hochrechnung im Büro von Landeshauptmann Erwin Pröll zusammengefunden. Dieser erklärte dann, als klar war, dass Hofer und Van der Bellen in die Stichwahl kommen, das Wahlergebnis zur schallenden Ohrfeige für die Politik und die Meinungsforschung. Außerdem gab es für die Landespartei wenigstens einen kleinen Grund zur Freude. „In Niederösterreich haben wir zumindest das beste Landesergebnis für Andreas Khol im Vergleich zu allen anderen Bundesländern beigetragen“, so Pröll.

Was VP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner zu einem Seitenhieb in Richtung des steirischen Landesrates Christopher Drexler veranlasste, der NÖ wegen der Rochade von Johanna Mikl-Leitner nach NÖ und Wolfgang Sobotka in das Innenministerium scharf kritisiert hatte, indem er die ÖVP als verlängerte Werkbank für St. Pölten bezeichnete. Ebner: „Knapp 30 Prozent der Stimmen für Andreas Khol sind aus Niederösterreich gekommen.“ Und: „Deswegen empfehle ich jenen, die in St. Pölten eine ‚verlängerte Werkbank‘ sehen, die Wahlergebnisse in den einzelnen Bundesländern genau zu vergleichen.“


Zitate

„Scheinbar reicht es in Österreich, wenn man ,Ausländer raus!‘ schreit, um 30 Prozent der Wähler für sich zu gewinnen.“
Anton Heinzl, SPÖ-Nationalratsabgeordneter

„Das Ergebnis ist mehr als ein blaues Auge. Für mich ist es eigentlich ein Hämatom. Da gibt es auch nichts schön zu reden.“
Robert Laimer, Landesgeschäftsführer SPÖ

„Ich glaube, es war noch nie so schwierig zu regieren wie seit 2008 durch die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise verursacht. Daher sind die Marktschreier im Aufschwung, die aber nichts beweisen müssen.“ 
Robert Laimer

„Mir persönlich tut es für Rudi leid. Für mich ist er trotzdem der Kandidat, der das Amt des Bundespräsidenten ausfüllen hätte können.“ 
Maurice Androsch, Landesrat SPÖ

„Es sind zwei verschiedene politische Entwürfe, die jetzt in der Stichwahl aneinander prallen werden – das wird eine wirkliche Richtungswahl für Österreich werden, die zeigt, wie das zukünftige Aussehen der gesamten Politik sein soll.“ 
Walter Rosenkranz, Landesparteiobmann FPÖ NÖ

„Die Regierungspolitik der letzten Jahre wurde auch in Niederöseterreich abgestraft, der politische Hoffnungsträger FPÖ hat einen unglaublichen Wahlerfolg eingefahren.“ 
Christian Höbart, Landesparteiobmann-Stellvertreter FPÖ NÖ

„Es gibt viele enttäuschte Wähler und jetzt gilt es, deren Unterstützung zu bekommen.“
Helga Krismer, Klubobfrau Grüne NÖ

„Im Kern geht es bei dieser Wahl darum, ob Österreich mutig in neue Zeiten gehen möchte – für uns ist es Van der Bellen, der genau das verkörpert.“
Helga Krismer