Erstellt am 24. April 2018, 02:01

von Walter Fahrnberger und Daniel Lohninger

Martin Eichtinger: "Will Netzwerk für NÖ anwenden“. ÖVP-Landesrat Martin Eichtinger (57) über seine vielfältige Karriere, Ex-Chef Alois Mock und warum er sechs Sprachen spricht.

„Mit jeder Sprache kommt eine neue Kultur dazu“, erklärt Landesrat Martin Eichtinger im Gespräch mit den Chefredakteuren Daniel Lohninger (l.) und Walter Fahrnberger (r.). Eichtinger spricht sechs Fremdsprachen.  |  Marschik

NÖN: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie vor wenigen Wochen Landeshauptfrau Mikl-Leitner angerufen hat, um Sie in die Landesregierung zu holen?

Martin Eichtinger: Unglaublich, dass sie bei dieser ehrenvollen Aufgabe an mich denkt und dass sie mir das vorschlägt. Ich war sehr überrascht und habe gleich zu überlegen begonnen, was das für mein Leben bedeuten würde. Nach Rücksprache mit meiner Familie habe ich kurze Zeit später zurückgerufen und gesagt: Ja, ich mach’s sehr gerne.

Sie haben eine vielfältige Berufslaufbahn, waren unter anderem vier Jahre als persönlicher Sekretär von Außenminister Alois Mock, Kabinettschef bei Wirtschaftsminister Bartenstein bei der Industriellenvereinigung und Botschafter in mehreren Ländern: Ist die Funktion als Landesrat nun der Höhepunkt Ihrer beruflichen Karriere?

Eichtinger: Ja, ich glaube schon. Natürlich haben mich viele Leute gefragt: Warum? Schließlich wäre ich jetzt noch in London gewesen und später auf einen anderen Botschafterposten weitergegangen. Meine Überlegung war aber klar: Ich habe jetzt mein ganzes Leben sehr unterschiedliche Erfahrungen gesammelt und Netzwerke rund um den Globus aufgebaut. Ich finde es toll, diese Netzwerke zum Wohle Niederösterreichs anwenden zu können.

Hatten Sie bei den Auslands-Jobs Kontakt zu Niederösterreich?

Eichtinger: Ich bin überaus kulturinteressiert. Das ist die Schiene, die mich über all die Jahre ganz eng mit Niederösterreich verbunden gehalten hat.

Zu Ihren Ressorts zählen neben Wohnen und Arbeitsmarkt auch die Europa-Agenden. Wie wollen Sie Niederösterreich in Europa noch stärker etablieren, wie von der Landeshauptfrau gefordert?

Eichtinger: Niederösterreich soll nicht nur in Europa eine wichtige Rolle spielen, sondern auch international. Gemeinsam mit Landesrätin Petra Bohuslav bereite ich eine Chinareise von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vor, weil das ein außerordentlich wichtiger Zukunftsmarkt für Niederösterreich ist. Wir sehen, dass weiter weg liegende Märkte für uns immer wichtiger werden. Asien, die USA und Großbritannien zählen hier eindeutig dazu. Um diese Märkte für Niederösterreich noch weiter zu öffnen, werden wir eine Strategie für Internationalisierung entwickeln.

Wie kann sich Niederösterreich bei der kommenden EU-Präsidentschaft Österreichs einbringen?

Eichtinger: Wir werden das Europa Forum Wachau noch weiter ausbauen und es wird hochkarätige Veranstaltungen in Niederösterreich geben, wo wir uns gut positionieren werden. Ebenso werde ich demnächst meinen Antrittsbesuch in Brüssel absolvieren und das Land entsprechend im Ausschuss der Regionen vertreten. Diese Allianz der Regionen, die viele Jahre zurückgeht und die schon Erwin Pröll massiv aufgebaut hat, wird in Zukunft essenzielle Dienste leisten. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird immer bedeutender. Und bei der Regionalförderung ist für Niederösterreich viel zu holen.

Einer, der den EU-Gedanken gelebt hat, war Alois Mock. Er wurde stets als „großer Europäer bezeichnet“. Gibt es eine Eigenschaft Ihres ehemaligen Chefs, die Sie weitertragen möchten?

Eichtinger: Ich habe Alois Mock für vieles bewundert. Wenn ich zwei Dinge nennen darf. Seine unglaubliche Prinzipientreue. Das war beim EU-Beitrittsantrag deutlich spürbar: Er war vollkommen davon überzeugt, dass Österreich keine Zukunft hat ohne die Zukunft in Europa. Und das Zweite ist seine absolute Redlichkeit. Er war sehr bescheiden und hat sich vollkommen der Idee verschrieben, dass er seine Arbeit in den Dienst Österreichs und Niederösterreichs stellt. Das hat auch dazu geführt, dass ich seine Biografie geschrieben habe. Darauf bin ich sehr stolz.

Im Wohn-Ressort, das Sie verantworten, ist vor allem rund um Wien eine Herausforderung. Wohnen wird dort immer teurer. Was kann das Land beitragen, um diese Situation zu entschärfen?

Eichtinger: Der geförderte Wohnbau ist in Niederösterreich flächendeckend sehr gut organisiert, nämlich in 514 der 573 Gemeinden. Mit über 6.000 neuen Wohneinheiten pro Jahr liegt Niederösterreich an der Spitze aller Bundesländer. Bei den Mietwohnungen liegen wir beim Quadratmeterpreis deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Es ist ganz entscheidend, dass wir die Wohnbauförderung beibehalten, weil der geförderte Wohnbau 1,8 Milliarden Euro an Investment auslöst und so 30.000 Jobs sichert.

Die Arbeitsmarktlage hat sich in den letzten Monaten stark verbessert. Die Wirtschaft beklagt einen massiven Facharbeitermangel. Wo muss man hier ansetzen?

Eichtinger: Wir müssen weiter an der Attraktivierung des Lehrberufs arbeiten, da aufgrund der boomenden Wirtschaft der Bedarf an zusätzlichen Fachkräften steigt. Wir haben Programme entwickelt, die sehr gut funktionieren. Auf unsere Lehrberufe können wir stolz sein, darum beneidet uns die ganze Welt. Wir bilden damit die Fachkräfte von morgen aus, die andere Länder gerne hätten. Um die Arbeitsmarktlage weiter zu stabilisieren, gibt es die niederösterreichischen Arbeitsmarktförderungsprogramme. Diese sind von den Kürzungen der Bundesregierung nicht betroffen.

Auch aufgrund Ihrer vielen internationalen Tätigkeiten sprechen Sie sechs Sprachen. Wie kam das?

Eichtinger: Als Diplomat habe ich mir geschworen, dass ich nie in einem Land tätig sein werde, wo ich nicht alles daran setze, die Sprache zu erlernen. Es gibt einen Spruch von Goethe: „Wie viele Sprachen du sprichst, sooft mal bist du Mensch.“ Für mich bedeutet das: „Jede Sprache ist ein zusätzliches Leben für mich.“ Und das ist es. Mit jeder Sprache erlernst du nicht nur Wörter und eine Verständigungsmöglichkeit, sondern mit jeder Sprache kommt eine neue Kultur dazu.