Erstellt am 30. Januar 2018, 02:35

von Thomas Jorda

Kampf um mehr Rechte. Der Wiedereinzug ist gelungen, aber ein Mandat ging verloren. Das Grünen-Trio besteht aus Landessprecherin Helga Krismer (Baden), Georg Ecker (Hollabrunn), Silvia Moser (Zwettl).

Helga Krismer: trotz allem glücklich.  |  APA/Helmut Fohringer

Das Fähnlein der sieben Aufrechten in den Räumen des Grünen Landtagsklubs in St. Pölten. Landessprecherin Helga Krismer hat zarte Röte aufgezogen; ihr ist die Aufregung der vergangenen Stunden anzusehen. Die anderen rechnen und hoffen. Aber auch ohne viertes Mandat wird später noch gefeiert – in der Halle B in Baden bei Wien.

Dort ist Krismer Vizebürgermeisterin, hier hat sie mit 14,39 Prozent die FPÖ geschlagen (12,57 Prozent). Und das, obwohl im urbanen Umfeld die NEOS auch ein durchaus beachtliches Ergebnis erzielt haben (9,80 Prozent).

Aber es geht nicht um Baden, es ist um die Zukunft der Grünen bundesweit gegangen. Hätten Krismer und ihr Team den Einzug in den Landtag verpasst, wäre das ein weiterer Todesstoß in den blutenden Leib der Bundesbewegung geworden. Doch so weit ist es nicht gekommen, deshalb ist Krismer auch über den Einzug in den Landtag glücklich und den Verlust eines der vier Mandate nicht unglücklich. 58.250 Menschen haben die Grünen gewählt, das sind 6,42 Prozent und ein Minus von 1,64 Prozent gegenüber der Landtagswahl 2013.

Helga Krismer zeigt sich auf die Frage nach ihrem Glückpegel realistisch: „Ich bin sehr erleichtert, dass die Wählerinnen und Wähler entschieden haben, dass es ohne die Grünen als Kontrollpartei nicht geht.“

Jede Stimme zählt, ist Zeichen des Vertrauens

Ein kleiner Zuschlag hätte es aber schon sein dürfen …

„Für mich zählt jede Stimme und jede Stimme ist ein großes Vertrauen, ein großer Auftrag.“

Und wie sehr schmerzt es Helga Krismer, mit dem vierten Mandat auch den Klubstatus im Landtag verloren zu haben?

„Die Grünen haben künftig drei Mandate, die NEOS zwei. Es wird also drei Regierungsparteien geben – mit einer absoluten Mehrheit der ÖVP, wie ich es prophezeit habe – und zwei Oppositionsparteien. Die beide keine Anträge stellen dürfen.“

Die absolute Mehrheit der ÖVP hat Krismer also nicht überrascht. „Nein, für mich sicher nicht. Ich war viel im Land unterwegs und habe genau das gespürt und in den Interviews auch gesagt. Aber man hat mir keinen Glauben geschenkt.“

Ähnlich richtig sei sie auch beim Erzfeind der Grünen, bei der FPÖ gelegen. „Ich bin davon ausgegangen, dass der Trend in Niederösterreich anhalten wird, weil die Menschen die Auswirkungen der Maßnahmen der Bundesregierung noch zu wenig spüren. Meine Prognose war eine Verdoppelung der Mandate. Und dazu ist es gekommen.“

Dass sich die Blauen selbst vielleicht mehr erwartet haben, kommentiert Krismer ganz cool: „Das ist mir einerlei.“

Bedeutet das Wahlergebnis im Gesamten, dass sich kaum etwas ändern wird? „Bedauernswerterweise wird es für die Opposition so schwierig sein wie bisher. Denn ohne den Klubstatus nützt weder uns noch den NEOS das viel gerühmte Demokratiepaket der ÖVP. Einzelne Mandatare dürfen keine Anträge stellen – in einer modernen Demokratie sollte das normal sein. Und darum werde ich kämpfen.“

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