Erstellt am 09. August 2016, 07:04

von Walter Fahrnberger

Frauen als Ortschef: NÖ ist top. 59 der 573 Bürgermeister im Land sind weiblich. Mödlhammer: „Zahl steigt zu langsam.“

Amstettens Bürgermeisterin Ursula Puchebner (SPÖ) macht potenziellen Ortschefinnen Mut.  |  NÖN, Archiv

Die Trafikantin Zenzi Hölzl war 1948 bis 1958 Bürgermeisterin in Gloggnitz und damit die erste Frau in Österreich, die dieses Amt ausübte. Auch fast 70 Jahre später ist Niederösterreich Vorreiter bei der Quote der Bürgermeisterinnen.

In 59 der 573 Gemeinden gibt eine Ortschefin den Ton an. Das sind zwar nur 10,3 Prozent, ist aber bundesweit der Top-Wert. Insgesamt gibt es in den 2.100 Gemeinden Österreichs derzeit nur 146 Bürgermeisterinnen. Das sind knapp sieben Prozent.

Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP): „Haben noch weiten Weg vor uns, um Gleichheit zu erlangen.“   |  NOEN, NLK

„Die Zahl der Bürgermeisterinnen steigt zu langsam“, kritisiert Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer. Dass Niederösterreich bei der Statistik führt, liegt seiner Meinung nach daran, dass hier auch die Ortschefs von den Gemeinderäten gewählt werden: „Die Hürde für eine Kandidatur bei Frauen ist bei Direktwahlen noch höher“, merkt Mödlhammer an.

Die Gründe für den geringen Frauenanteil am Bürgermeistersessel sind vielfältig. Vor allem die Vereinbarkeit von Zivilberuf, politischem Amt und Familie ist schwer. Das zeigt der Umstand, dass der größte Anteil der Bürgermeisterinnen zwischen 50 und 59 Jahren alt ist – nur vier Prozent sind jünger als 40.

„Erst familiäre Pflichten, dann die Politik“

„Die Frauen versuchen, einmal alle familiären Pflichten abzuhaken und im Beruf Fuß zu fassen. Wenn das alles erledigt ist, kann der Fokus auf das politische Wirken gelegt werden“, betont Ursula Puchebner, seit 2011 Bürgermeisterin von Amstetten. Die SPÖ-Politikerin sieht die geringe Frauenquote im Bürgermeisteramt historisch gewachsen: „Diese Männerdomäne wurde erst in den letzten zehn Jahren vermehrt für Frauen interessant.“ Und wenn, dann übt die Hälfte der Frauen ihr Bürgermeisteramt hauptberuflich aus, während bis zu 80 Prozent der Männer den Job nebenberuflich erledigen.

Um die Bürgermeisterinnen-Quote in den kommenden fünf Jahren bundesweit auf zehn Prozent zu heben, wünscht sich Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer ein positiveres Image für das Amt und erfolgreiche Bürgermeisterinnen als Botschafterinnen. „Man muss mutig sein und auch einmal ins kalte Wasser springen. Wir können das genauso gut wie die Männer“, macht Ursula Puchebner den Damen Mut.

Auch Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) stößt ins selbe Horn: „Es ist mir ein persönliches Anliegen, Frauen in Zukunft noch mehr zu motivieren, politische Ämter wahrzunehmen und sich Führungsrollen zuzutrauen. Denn immer noch mangelt es in dieser männerdominierten Welt an weiblichem Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen“, sagt Schwarz, die 2004 bis 2011 selbst Bürgermeisterin von Dürnstein war. Um Frauen künftig den Weg in die Politik und in Führungsebenen zu erleichtern, startet das Land NÖ im Herbst ein eigenes Politik-Mentoringprogramm.