Erstellt am 15. September 2015, 11:09

von APA Red

Konrad will Quartier-Standards überdenken. Der von der Bundesregierung eingesetzte Asylkoordinator Christian Konrad hat sich am Dienstag bei einer Pressekonferenz das erste Mal zu Wort gemeldet. Unter anderem sprach er sich dabei dafür aus, dass die Standards bei der Unterbringung von Flüchtlingen angesichts der aktuellen Notsituation zu überdenken seien.

 |  NOEN, APA

Unter anderem sprach er sich dabei dafür aus, dass die Standards bei der Unterbringung von Flüchtlingen angesichts der aktuellen Notsituation zu überdenken seien. Offiziell beginnt Konrad seine ehrenamtliche Tätigkeit am 1. Oktober.

Konrad zeigt sich zuversichtlich

Konrad zeigte sich zuversichtlich, dass die zu erwartenden 85.000 Flüchtlinge in diesem Jahr untergebracht werden können. Das Gleiche gelte für die Schaffung von bis 35.000 weiteren Quartieren. Auf den Bund entfallen hiervon 15.000, auf die Länder 20.000. Gerade bei der Quartierschaffung hofft der Koordinator auf die ORF-Plattform, die heute vorgestellt wird. Diese soll u.a. angebotene Privatquartiere sammeln.

Erstes Ziel sei die Entlastung des Erstaufnahmezentrums in Traiskirchen: "Wir sind dabei, diesen Krisenherd zu entschärfen." Konrad und sein Mitarbeiter, der frühere ÖVP-Abgeordnete Ferry Maier, forderten auch, die Asylverfahren zu beschleunigen.

Bereits viele Gespräche geführt

Asylkoordinator Christian Konrad hat drei Wochen seit der Ankündigung seiner Bestellung bereits viele Gespräche geführt - eines mit Kardinal Christoph Schönborn steht noch diese Woche am Donnerstag an. Er selbst übe nun keine politische Tätigkeit aus, sondern sieht sich als Teil der Zivilgesellschaft, betonte er bei der Pressekonferenz in einem Flüchtlingsheim in Wien.

Offiziell beginnt seine ehrenamtliche Tätigkeit erst per 1. Oktober, bereits jetzt habe er jedoch zahlreiche Gespräche mit der Bundesregierung, den Landeshauptmännern, Vertretern der Interessensvertretungen oder NGOs geführt. Aufgabe sei es, zu motivieren und Ideen zu entwickeln. Es brauche eine Bereitschaft zu kooperieren, und diese sei "durchaus gegeben", so der frühere Raiffeisen-General. Die Aufgabe sei für ein Jahr vorgesehen, mit ihm arbeitet auch der ehemalige ÖVP-Mandatar und Generalsekretär Ferry Maier als sein "jahrzehntelanges Alter Ego", wie Konrad meinte. Kontakt gibt es laut dem Asylkoordinator auch mit der Katholischen Kirche.

Österreich sei nun eine "Pufferzone"

Als die Einladung zur Pressekonferenz ausgesprochen wurde, seien die Grenzen zu Deutschland noch offen gewesen, dies sei mittlerweile nicht mehr ganz so der Fall: "Wir haben gegenwärtig eine Situation, die besonders herausfordernd ist", Österreich sei nun eine "Pufferzone", stellte Konrad fest. In den vergangenen 24 Stunden seien 20.000 Flüchtlinge nach Österreich gekommen. Auch wisse man nicht, wie viele sich noch in Ungarn aufhalten. "Planen ist wichtig, aber situatives Reagieren ist unverzichtbar", so Konrad. Dies sei auch bei den 20.000 Personen gelungen, die "ohne großen Wirbel" untergebracht worden seien, sprach der Koordinator von einer "Meisterleistung".

Auf die Frage, warum er eine bessere Gesprächsbasis mit den Bundesländern haben soll als etwa die Innenministerin, meinte Konrad: "Ich habe kein politisches Amt und keine politischen Ambitionen." Die meisten kenne er bereits lange: "Ich bin ein älterer Herr, dem man nicht ohne weiteres ins Gesicht die Unwahrheit sagt."

Konrad war als erstes im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen und meinte, dort sei bereits vieles geschehen. Maier führte aus, dass etwa mehr Sanitärcontainer organisiert oder ein mobiles Spital installiert worden sei. "Wir sind dabei, diesen Krisenherd zu entschärfen", so Konrad. Er will die derzeit verwendeten Zelte "gegenstandslos" machen. Bei der Obdachlosigkeit sei dies bereits gelungen, man habe keine Obdachlosen mehr.