Wilhelmsburg

Erstellt am 23. Januar 2018, 02:01

von Daniel Lohninger

Die Kampagnen-Macher der SPÖ. Thomas Wagner und Matthias Steinperl waren die Köpfe hinter den Wahlsiegen von Matthias Stadler und Reinhard Resch. Mit den Schnabl-Plakaten verstören sie aber viele.

Die Köpfe hinter der Kampagne: Thomas Wagner (Mitte) mit Klemens Oezelt und Hermann Rauschmayr.  |  Wagner-Steinperl

Ein paar Kilometer südlich von St. Pölten: Hier in der ehemaligen Villa einer Lederfabrik in Wilhelmsburg entstand jene Kampagne, die das Land in diesem Wahlkampf polarisiert. Jeder hat eine Meinung zu SP-Slogans wie „Tatü, tata, der Franz ist da“ oder „Echte Frauen wählen Franz“, zu Bildern, in denen ein Bub den gelernten Polizisten Franz Schnabl mit der Spielzeugpistole bedroht oder er sich einen Bart ins Gesicht hält.

Thomas Wagner und Matthias Steinperl sind die kreativen Köpfe hinter der SPÖ-Kampagne. Dass ihnen derzeit aus vielen Richtungen – auch aus den Reihen der Genossen – rauer Wind entgegenbläst, stört sie nicht. „Das ist verständlich. Bei so einem neuartigen und unerwarteten Konzept ist es normal, dass sich manche schwer damit tun“, freut sich Wagner. Das Ziel sei aber erreicht: „Jeder spricht über die Kampagne der SPÖ.“

"Die Kampagne ist völlig authentisch"

Die schrille Kampagne ist die Folge der Ausgangsposition. Die anders war als bei den erfolgreichen Wagner-Steinperl-Kampagnen für St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler, den Kremser Bürgermeister Reinhard Resch oder den Plan A des damaligen Bundeskanzlers Christian Kern. „Wir waren diesmal nicht in der Position des Titelverteidigers, sondern in jener des Angreifers“, erklärt Wagner. Zusätzliche Herausforderung war, dass Schnabl völlig unbekannt gewesen sei, die SPÖ erst die Nationalratswahl verloren hatte und beim Wahlkampfbudget klar die zweite Geige spielte.

Mit vier Plakatwellen sei es in nur drei Monaten gelungen, die Aufmerksamkeit auf Schnabl zu ziehen und ihn als Herausforderer von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zu positionieren. Dass die Spaß-Plakate an Schnabls politischer Ernsthaftigkeit zweifeln lassen könnten, glaubt Wagner nicht. Im Gegenteil: „Ich würde gerne den Berater kennenlernen, der Politikern gesagt hat, dass sie sich gerade hinstellen und in die Kamera schauen sollen. Spaß gehört zum Leben dazu, auch in der Politik.“ Von Vorteil sei gewesen, dass Schnabl im Herzen noch ein Jugendlicher sei, so Wagner: „Er war in seiner Jugend ein richtiger Spitzbua. Die Kampagne ist deshalb völlig authentisch.“

Dennoch: So richtig angefreundet haben sich die Niederösterreicher mit ihr nicht. 19 Prozent bewerteten in der repräsentativen Umfrage für die NÖN die Kampagne negativ, nur acht Prozent positiv. Wagner beunruhigt das nicht: „Bei Jungen und Frauen kommt die Kampagne sehr gut an.“ Ob das für einen SPÖ-Wahlerfolg reicht, wissen wir am Sonntag.