Erstellt am 31. Mai 2016, 05:24

von Martin Gebhart und Anita Kiefer

Kennzeichnung der Lebensmittel. Präsident Schultes will Hinweise, ob Lebensmittel von heimischen Bauern stammen. Projekt in NÖ.

Starteten Offensive für Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln: Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes, Landeshauptmann Erwin Pröll und SeneCura-Chef Anton Kellner (v.l.n.r.).  |  NOEN, NLK/Filzwieser

Die Herkunftskennzeichnung der heimischen Lebensmittel ist Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes ein großes Anliegen, wie er am Sonntag in der ORF-Pressestunde betonte. In seinem Heimatbundesland Niederösterreich zieht VP-Landeshauptmann Erwin Pröll mit. In allen Landesküchen soll diese Kennzeichnung Pflicht werden.

Die Initiative der Landwirtschaftskammer läuft unter „Gut zu wissen“ und soll für mehr Transparenz bei Lebensmitteln in der (System-)Gastronomie sorgen. Die Kennzeichnung erfolgt durch zwei Lupen: Ist die Lupe rot-weiß-rot, stammen Fleisch und Eier im Gericht aus Österreich. Wenn nicht, ist die Lupe durchsichtig.

„Wir wollen eine gesetzlich verpflichtende Kennzeichnung von Fleisch und Eiern in der öffentlichen Verpflegung, in Kantinen, Schulen und Kindergärten“, so Schultes dazu. Und: „Wir leben im internationalen Wettbewerb als Bauern.

"Wir wollen eine gesetzlich verpflichtende
Kennzeichnung von Fleisch und Eiern
in der öffentlichen Verpflegung.“
Präsident Hermann Schultes

Mit an Bord ist bei dieser Initiative das Land, das ab Sommer alle Landesküchen mit dieser Kennzeichnung ausschildern wird, kündigte Landeshauptmann Erwin Pröll an. „Wir setzen bei dieser Aktion ganz bewusst auf Freiwilligkeit und Vorbildwirkung“, so Pröll. Auch, weil die Wirte nicht noch mehr belastet werden sollen.

Mit dabei sind auch noch SeneCura und Gastronomen wie Josef Donhauser, Eigentümer der Gastronomiegruppe DoN. „Eine gesunde und nachhaltig produzierte Ernährung trägt zum Wohlbefinden und zur Lebensqualität unserer Bewohnerinnen und Bewohner bei“, so Anton Kellner, Chef der SeneCura-Altenheime, zu seiner Motivation, in den SeneCura-Heimen die Kennzeichnung einzuführen.

Schultes zu TTIP und den Milchpreisen

Klarerweise wurde Hermann Schultes in der Pressestunde auch zu TTIP, dem geplanten Freihandelsabkommen mit den USA, befragt. Da hatte er immer – trotz Gegenwinds – die Meinung vertreten, dass man sehrwohl am Verhandlungstisch Platz nehmen müsse, dass aber durch das Abkommen die „hohen Standards“ in Europa nicht gelockert werden dürften. Sollte das Abkommen nicht im Interesse der Landwirte sein, dann würden die bäuerlichen Abgeordneten im Parlament sicherlich nicht zustimmen.

Bezüglich der Krise rund um die Milch erklärte Schultes, dass in Europa zu viel produziert werde. Bauern, die nicht Bio- oder Heumilch produzieren, hätten in Österreich aktuell sehr schlechte Preise. Klar ist für ihn, dass auf europäischer Ebene die Milchquoten nicht mehr eingeführt werden. Etwas zuversichtlich stimmt ihn, dass die EU-Kommission angesichts der Milchkrise seiner Forderung nachgekommen sei, dass Molkereien die Mengeproduktion miteinander koordinieren können.

An den Handel appellierte Schultes, mit der „Aktionitis“ und „Verramschung“ von Milchprodukten aufzuhören. Worin ihn NÖ Bauernbunddirektorin Klaudia Tanner in einer Reaktion auf die Pressestunden bestärkte. Tanner: „Jeder Griff ins Regal ist eine politische Aktion und beeinflusst Produktionsbedingungen, Qualitätsstandards und die Handelsstruktur.“