Erstellt am 03. Januar 2018, 02:50

von Daniel Lohninger, Anita Kiefer und Nina Pöchhacker

Der Weg in den Landtag 2018. 56 Mandate werden am 28. Jänner vergeben. Die NÖN zeigt wie.

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Direkt- und Grundmandat, Landesliste und Wahlkreis. Über diese Begriffe wird im Vorfeld der anstehenden Landtagswahl am 28. Jänner intensiv diskutiert. Doch was bedeuten sie eigentlich genau? Und wie entscheidet sich, wer tatsächlich ein Mandat bekommt und wer nicht?

Zu verteilen sind bei der Landtagswahl 56 Mandate. Davon waren vor fünf Jahren 25 Direktmandate, die zum Großteil an die ÖVP gingen – nur vier holte die SPÖ. Die verbleibenden 31 Mandate wurden über die Landeslisten besetzt.

Für die Berechnung der Mandate kommen zwei verschiedene mathematische Berechnungsmodelle zum Einsatz: Das Hare’sche System auf Wahlkreisebene (hier werden die Direktmandate ermittelt) und das d’Hondtsche Höchstzahlen-Verfahren auf Landeslisten-Ebene (siehe Infobox). Aufgrund der Einwohnerzahl werden die theoretisch zu vergebenden Grundmandate ermittelt, die für die Berechnung der erreichten Direktmandate herangezogen werden.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung

Anschaulich wird das anhand eines Beispiels: Theoretisch wurden in Mistelbach bei der Landtagswahl 2013 drei Direktmandate vergeben. Tatsächlich schaffte es aber nur die ÖVP, die aufgrund des Hare’schen Berechnungsverfahrens notwendigen Stimmen für immerhin zwei Direktmandate zu erreichen. Die Wahlzahl – also jene Anzahl an Stimmen, die ein Direktmandat bringt – lag im Bezirk Mistelbach 2013 bei 14.209, die ÖVP erhielt 28.479 Stimmen. Machte also zwei Direktmandate für die ÖVP. Die SPÖ erhielt hier 9.478 Stimmen – ihr fehlten somit 4.731 Stimmen auf das erste Direktmandat. Für die bevorstehende Landtagswahl bedeutet das, dass das zweite Direktmandat der ÖVP in Mistelbach gehörig wackelt – war es doch 2013 nur mit 61 Stimmen abgesichert.

Kaum eine Chance auf ein Direktmandat haben Politiker aus Bezirken mit wenigen Einwohnern wie Lilienfeld, Waidhofen/Thaya und Horn, weil hier jeweils nur ein Grundmandat vergeben wird. Sie müssen auf eines der Landeslisten-Mandate hoffen. Hier wird die Wahlzahl nach dem d’Hondtschen Höchstzahlen-Verfahren berechnet. Die Stimmenanzahl jeder Partei wird dann durch die Wahlzahl dividiert und jede Partei erhält so viele Landesmandate, als die Wahlzahl in ihren Stimmen enthalten ist. Ein Beispiel aus 2013: Die FPÖ erhielt 80.122 gültige Stimmen.

Dividiert durch die Wahlzahl (16.192,6) ergab dies 4,9 Mandate. Beim d’Hondtschen Verfahren wird alles hinter dem Komma gestrichen – somit zog die FPÖ mit vier Mandaten über die Landesliste in den Landtag ein. Da 2013 nur die ÖVP und die SPÖ Direktmandate holten, wurden die Abgeordneten von Team Stronach, FPÖ und Grünen ausschließlich über die Landesliste besetzt.