Erstellt am 30. März 2016, 05:24

von Martin Gebhart

Maßnahmen gegen zu viele Biber. Kritik an Begutachtungsentwurf von Ökobüro und WWF. Land sieht keine großen Probleme.

Die steigende Zahl an Bibern in NÖ hat schon einige Male für heftige Debatten im NÖ Landtag gesorgt.  |  NOEN, Sokolov/shutterstock

Bereits im Oktober hatte es im NÖ Landtag heftige Debatten gegeben, als die Änderung des Naturschutzgesetzes auf der Tagesordnung stand. Der Hintergrund: Es ging um die ständig wachsende Population der Biber in NÖ. Und um Maßnahmen, die dagegen gesetzt werden können, wenn diese Tiere speziell in der Landwirtschaft zu großen Schaden anrichten. Jetzt endete die Begutachtungsfrist für den Verordnungsentwurf, der in der NÖ Landesregierung beschlossen werden wird.

Im NÖ Landtag hatten ÖVP und SPÖ die Änderung im Naturschutzgesetz ohne Opposition beschlossen. Den Grünen ging das Ganze zu weit, die FPÖ hätte gerne eine noch strengere Verordnung gehabt. Jedenfalls ermöglicht diese Änderung, dass die Landesregierung Ausnahmen vom Verbot des Vernichtens und Tötens besonders geschützter Arten für einzelne Tier- und Pflanzenarten beschließen kann.

Tierschutz-Organisationen befürchten Missbrauch

Gegen diese Verordnung protestierten jetzt der WWF und das Ökobüro. Letzteres vertritt 16 österreichische Umwelt-, Natur- und Tierschutz-Organisationen und gab folgende Stellungnahme ab: „Die vorliegende Verordnung stellt einen starken Eingriff in das Schutzgut der Tierart Biber dar. Die Bedingungen, unter denen ein solcher Eingriff möglich ist, erscheinen nicht hinreichend klar geregelt zu und gegen Missbrauch geschützt.“

In der Naturschutzabteilung des Landes sieht man aber den Eingriff sehrwohl als geregelt an. Seit heißt es in den Verordnungsentwurf, dass jeder Eingriff „nur nach fachlicher Beratung durch einen von der Landesregierung geschulten Biberberater“, nach Prüfung und Dokumentation der Maßnahmen und nur im Fall eines etablierten Biberreviers durchgeführt werden. Zugriffe auf lediglich durchziehende Tiere sind nicht zulässig.

„Biber-Verordnung“ tritt im September in Kraft

Die Stellungnahmen zu der Verordnung werden nun von der Naturschutzabteilung des Landes gesichtet. Neben der Kritik von Organisationen wie dem Ökobüro oder dem WWF soll es auch gegenteilige Einwendungen geben, die sich ein strikteres Vorgehen gegen diese geschützten Tiere gewünscht hätten. Vor allem aus der Land- und Forstwirtschaft. Geplant soll sein, dass die Verordnung mit 1. September, als nach Ende der Schonzeit für Biber von April bis Ende August, in Kraft tritt.

Mit der Verordnung ist es möglich, Biberdämme zu entfernen, die Tiere mittels Fallen zu fangen und zu töten oder unmittelbar zu töten. Wobei es nun über das Naturschutzgesetz neu geregelt wird. Auch bislang konnten bereits Maßnahmen gegen eine Überpopulation von Bibern gesetzt werden.

Schon jetzt gab es jährlich „Entnahmen“ von 100 bis 150 Bibern, und dennoch ist die Population in NÖ tendenziell weiter gestiegen. Daher geht man in der Naturschutzabteilung davon aus, dass eine jährliche Entnahme von bis zu fünf Prozent der Gesamtpopulation keinen negativen Einfluss auf den günstigen Erhaltungszustand der Art nach sich ziehen wird.