Erstellt am 30. März 2016, 05:14

von Martin Gebhart

Mehrstunden für Lehrer?. Ungewohnt heftige Reaktion des NÖAAB auf Aussagen von Kanzler Werner Faymann.

SP-Bundeskanzler Werner Faymann und VP-Landeshauptmannstellvertreter Wolfgang Sobotka: Konflikt um Bildungspolitik und Lehrer.  |  NOEN, Baldauf

Im Bildungsbereich werden die Töne rauer. Dass das koalitionäre Bildungsreformpapier, das SP-Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek mit VP-Staatssekretär Harald Mahrer im November vorgelegt hatte, in dieser Form Realität wird, scheint unwahrscheinlich. Und je länger alles in Schwebe ist, desto schärfer werden die Auseinandersetzungen. Wie am Osterwochenende, als Andeutungen von SP-Kanzler Werner Faymann zur Stundenanzahl der Lehrer den NÖAAB zum Kochen brachte. Und Landesobmann Wolfgang Sobotka sogar von Lehrerbashing des Kanzlers sprach.

Das Interview in der Tageszeitung „Die Presse“ ging eigentlich über Angela Merkel und die Flüchtlingspolitik. Erst die letzten beiden Fragen drehten sich um die Bildungspolitik und die Geldnöte der zuständigen Ministerin.

Neues Dienstrecht, Schulbudget entlasten

Kanzler Faymann sprach dabei von einem neuen Dienstrecht und massiven Veränderungen der Stundenzahl als Chance, das Schulbudget zu entlasten. Und einer Erhöhung der Stundenanzahl für Lehrer als Möglichkeit, „am besten in einer ganztägigen gemeinsamen Schule“. Wobei Lehrer von Verwaltungsaufgaben entlastet werden müssten.

Wolfgang Sobotka spricht von Lehrerbashing

Einen Tag nach Erscheinen des Interviews, am Ostermontag, ließ VP-Landesvize Wolfgang Sobotka als NÖAAB-Landesobmann seinem Ärger darüber freien Lauf: „Das ist typisch für Herrn Faymann. Angesichts der wirtschaftlichen Unzulänglichkeiten seiner Bildungsministerin fordert der SPÖ-Chef die Lehrerinnen und Lehrer auf, die leeren Kassen durch Mehrstunden wieder aufzufüllen. Mit diesem Lehrerbashing fährt Faymann erneut einen populistischen Wechselkurs und löst kein einziges Problem.“

Integration von Flüchtlingskindern als Mehrlast

Sobotka verwies darauf, dass die Lehrer angesichts der Flüchtlingssituation ohnehin besonders gefordert sind: „Gerade sie haben dabei viel zu schultern und müssen sich bei der Integration schon seit Jahren abmühen.“

Gerade wegen der Flüchtlingsbetreuung liegen Land und Bildungsministerium ebenfalls im Clinch. Es geht darum, wer die notwendigen zusätzlichen Lehrer bezahlt. 2.400 Flüchtlingskinder werden in NÖ bezahlt. NÖ finanziert dafür 80 Vollzeit-Lehrerdienstposten. Die 31 zusätzlichen Planstellen für Sprachkurse aus dem Integrationstopf würden nicht ausreichen. VP-Bildungslandesrätin Barbara Schwarz: „Ich hoffe, dass die Zusage zur vollständigen Finanzierung der zusätzlich benötigten Posten durch Frau Bildungsministerin auch bei der Abrechnung noch gültig ist.“