Erstellt am 07. Juni 2016, 05:20

von Stefan Jedlicka

Milchbauern zittern. Derzeitige Erlöse reichen oft nicht mehr, um Hof zu erhalten. Minister Andrä Rupprechter verspricht Unterstützung.

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (l.) beim Besuch am Hof von Johann Steiner in Alland (Bezirk Baden).  |  NOEN, Gabriele Moser

Um rund 30 Cent pro Kilo kann Johann Steiner seine Milch derzeit verkaufen. Leben könnte er davon nicht. „Eine Vollkostenrechnung hat ungefähr 60 Cent pro Liter ergeben. Das ist unrealistisch. Aber 35 bis 40 Cent wären nötig zum Überleben“, erzählte er Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) am vergangenen Mittwoch. Anlässlich des Weltmilchtages hatte der Minister dem Betrieb in Alland (Bezirk Baden) einen Besuch abgestattet. Und er versprach Unterstützung für die Landwirte.

Angesichts der gesunkenen Erzeugermilchpreise will er beim EU-Milchdialog am 14. Juni einen „umfassenden Maßnahmenkatalog“ erarbeiten, der Produktion, Verarbeitung und Handel umfasst. Das Problem: Durch Russland-Embargo und Aufhebung der Milchquote sind die Preise im Sinkflug. Das Angebot übersteigt die Nachfrage. Und vor allem in nordeuropäischen Ländern wird immer mehr Milch produziert. Zur freiwilligen Lieferrücknahme brauche es eine europäische Lösung, sagte Rupprechter zur NÖN.

Verkauf von Tieren und Zweitjob

Johann Steiner muss bis dahin auf andere Maßnahmen setzen: Durch Verkauf von Tieren und einen Zweitjob von Sohn Christian hält man den Betrieb aufrecht. „Sonst wären wir schon zahlungsunfähig“, machte er klar.

Solche Mehrfacheinkommen seien für Landwirte allerdings künftig wohl besonders wichtig, betonte Rupprechter: „Gemischte Betriebe werden Engpässe leichter durchtauchen können als spezialisierte.“ Als Unterstützung sei geplant, ein Quartal der Sozialversicherungsbeiträge zu stunden, kündigte der Minister an. Dies würde 170 Millionen Euro für Landwirte bringen. Wichtig für Johann Steiner. Denn: „Wir haben gerade einen neuen Stall um 260.000 Euro fremdfinanziert.“

„Wir hoffen auf zusätzliche Mittel von der EU im Juli“, sagte der Minister. Auch beim Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs werde die Krise am Milchmarkt Thema sein.