St. Pölten

Erstellt am 12. September 2017, 17:45

von NÖN Redaktion

Für Strache ist der Kanzlertraum nicht abgehakt. Für den FPÖ-Spitzenkandidaten ist bei der Nationalratswahl noch „alles offen“. Er greift Kurz als „reine Kopiermaschine“ der FPÖ an.

HC Strache im NÖN-Gespräch  |  Hofbauer

FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache hat die Hoffnung, Bundeskanzler zu werden, trotz der Führung von ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz in den Umfragen nicht aufgegeben. „Ich glaube, dass da vieles bis zum Wahltag möglich ist“, betonte der FPÖ-Spitzenkandidat am Dienstag bei einem Besuch im NÖ-Pressehaus in St. Pölten im Gespräch mit den „Niederösterreichischen Nachrichten“ (NÖN). Wer am Ende bei der Wahl am 15. Oktober welchen Platz in der Reihung belege, würden die Österreicher entscheiden. „Da ist alles offen“, erklärte Strache.

Der FPÖ-Spitzenkandidat begründete dies mit der Bewertung von Kurz, dieser sei immerhin fast sieben Jahre in der Bundesregierung und das längst dienende ÖVP-Regierungsmitglied. Strache griff in diesem Zusammenhang den ÖVP-Obmann und Außenminister scharf an. Dieser habe 2015 beim Flüchtlingsansturm die „rechtswidrige Situation“ mitgetragen, dass man nicht bereit gewesen sei, die Grenzen zu schützen. Außerdem trage Kurz im Integrationsbereich die Verantwortung für „diese gefährlichen Parallel- und Gegengesellschaften“.

Strache meinte daher weiter, viele, die jetzt ihre Entscheidung noch nicht getroffen haben, würden letztlich zu ihm als „Original“ gehen und „nicht zu dem, der Fehlentwicklungen zu verantworten hat und kurz vor der Wahl glaubt, durch eine reine Kopiermaschine gewinnen zu können“.

„Lack bei Kern ist ab“

Auch Bundeskanzler SPÖ-Chef Christian Kern sei vor einem Jahr als „Wunderwuzzi“ gefeiert worden, erinnerte Strache: „Jetzt ist der Lack ab.“ Ob die stärkste Partei den Auftrag zur Regierungsbildung vom Bundespräsidenten erhalten solle? „Das steht für mich völlig außer Frage“, versicherte der FPÖ-Obmann, das sei demokratische Usance der Zweiten Republik.

Zur Debatte um die weitere Behandlung des Freihandelsabkommens Ceta  forderte der FPÖ-Spitzenkandidat: „Wir wollen eine verpflichtende Volksabstimmung zu Ceta sicherstellen.“ Die FPÖ lehne Ceta in der jetzigen Form ab, weil etwa mit den vorgesehenen privaten Schiedsgerichten die nationalstaatliche Gerichtsbarkeit aufgegeben werden solle.

Dass SPÖ, ÖVP und Neos Ceta nach der Wahl mit einfacher Mehrheit im Parlament beschließen wollten, sei „ein unehrlicher Weg“. Alle Parteien müssten vielmehr jetzt eine verbindliche Volksabstimmung festlegen.

Das ausführliche Interview mit FPÖ-Obmann und Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache erscheint demnächst in der NÖN-Landeszeitung. Und die Highlights der "Mit der NÖN am Tisch"-Leserdiskussion findet ihr schon bald auf NÖN.at/amtisch.