Update am 16. Mai 2017, 15:50

von Nikolaus Dopler

Ende der Gatterjagd angekündigt. Bis zum Jahr 2029 sollen Jagdgatter in Niederösterreich der Vergangenheit angehören.

VGT.at

„Wir wollen für eine zeitgemäße Jagd sorgen“, stellt ÖVP-Landeshauptmann-Stellvertreter Stephan Pernkopf im Vorfeld der Landtagssitzung am Donnerstag  fest. Noch vor dem Sommer soll der Punkt durch den Landtag gebracht werden. Das Ziel: Die Gatterjagd soll bis 2029 auslaufen.

Dass das Thema im Landtag behandelt werden soll, wurde allerdings erst relativ spontan entschieden. Dennoch unterstreicht Pernkopf nicht nur die besondere Relevanz der Thematik, sondern auch die umfassenden Vorbereitungen. Denn zur Entscheidungsfindung wurden „Profis mit ans Bord“ geholt, wie Stephan Pernkopf heute Vormittag erklärt. So wurde gemeinsam mit BOKU-Universitätsprofessor Klaus Hackländer ausgearbeitet, ob die Gatterjagd ausgedient habe.

„Wir wollen den Lebensraum größer gestalten“ Stephan Pernkopf

Seitens des Universitätsprofessors Klaus Hackländer gab es das klare Urteil, dass ein Ende Jagdgatter angestrebt werden sollte. Demnach trage diese Form der Jagd weder zum Tierwohl, noch der biologischen Vielfalt und dem natürlichen Lebensraum bei. Pernkopf führt aus: „Wir wollen den Lebensraum größer gestalten.“

Aktuell gibt es in Niederösterreich 71 Eigenjagdgebiete, die gesamt rund 23.500 Quadratmeter umfassen. Dass die Gatterjagd erst mit 2029 auslaufen wird, ist auch an rechtlichen Bedingungen zurückzuführen. So sei beispielsweise der Investitionsschutz bei Jagdgattern geltend zu machen. Daher wird das endgültige Aus ernst in einigen Jahren kommen.

VGT begrüßt angekündigtes Aus für Gatterjagd in NÖ

Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) freut sich über das von Pernkopf angekündigte Aus für die Gatterjagd in Niederösterreich im Jahr 2029. Damit sei de facto ein bundesweites Verbot erreicht worden, stellte Obmann Martin Balluch in einer Aussendung am Dienstag fest.

Mit ihrer 2015 gestarteten Kampagne habe die Tierschutzorganisation "gegen alle Unkenrufe aus der Jägerschaft" der Mehrheitsmeinung zum Durchbruch verholfen. "Dazu gelang uns ja ein Verbot des Aussetzens von gezüchteten Fasanen, Enten und Rebhühnern zur Jagd, sowohl in einzelnen Bundesländern als auch im Tierschutzgesetz bundesweit. Österreich ist damit in diesem Bereich jetzt doch zum Vorreiter geworden", sagte Balluch.

Der NÖ Landesjagdverband forderte im Zusammenhang mit der Novelle zum Landesjagdgesetz, die bis zum Sommer erarbeitet werden soll, ein Gesamtpaket zur Absicherung der nachhaltigen und waidgerechten Jagd. Dabei gehe es sowohl um eigentumsrechtliche als auch jagdethische bzw. jagdpolitische Fragen, zumal "sichergestellt werden muss, dass in Niederösterreich auch in Zukunft flächendeckend und traditionell gejagt werden kann", betonte Landesjägermeister Josef Pröll. Man werde sich intensiv in die Diskussion einbringen und diese sachlich führen.

Pernkopf hatte das mittelfristig beabsichtigte Verbot mit dem Ende der übernächsten Jagdperiode in NÖ avisiert. Die zwölfjährige Übergangsfrist werde zu Vorbereitung und Interessenausgleich aller Beteiligten genutzt. Er wolle keine Schadenersatzzahlungen riskieren, sagte er bei einer Pressekonferenz in St. Pölten.