Erstellt am 09. Dezember 2012, 18:50

NÖ vertraut dem Gesundheitssystem. Umfrage | Ministerium hat Gesundheitsbarometer erstellt. Hohes Vertrauen in Versorgung, Kritik an Wartezeiten. Reform befürwortet.

Peter Filzmaier vom Institut für Strategieanalysen: »Die Richtung, in die es geht, das wird von der Bevölkerung auch gewollt.« Foto: BMWFJ  |  NOEN, HOPI-Media
Von Martin Gebhart
und Christine Haiderer

Die Untergangsstimmung, die beim großen Ärzteprotest in Wien wegen der geplanten Gesundheitsreform artikuliert wurde, ist in der Bevölkerung nicht zu finden. Im September und Oktober wurde vom Institut für Strategieanalysen (ISA) das heurige Gesundheitsbarometer erhoben. Mit Niederösterreich als einem der Schwerpunkte, wo von OGM 407 Personen telefonisch befragt wurden. Das Ergebnis: Insgesamt herrscht eine große Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem. Gegenüber 2011 ist sie sogar wieder leicht gestiegen. Einziger wirklicher Minuspunkt: die Wartezeiten in den Spitälern und Ordinationen.

ISA-Geschäftsführer Peter Filzmaier: „Die subjektive Zufriedenheit ist enorm wichtig. Naturgemäß muss man Arzt und Krankenhaus vertrauen. Es ist ein Auftrag, sensibel damit umzugehen.“ Und in Richtung Ärztekammer: „Schreckensszenarien sind gerade in der Gesundheitspolitik besonders problematisch.“ Gerade im EU-Vergleich würde das österreichische Gesundheitssystem beim Vertrauen extrem gut liegen.

Was stört also die Patienten? Filzmaier: „Über die medizinische Qualität macht sich keiner Sorgen. Die wird als top angesehen.“ Der Hauptkritikpunkt sind die Wartezeiten, was sich durch alle bisherigen Gesundheitsbarometer zieht.

Dabei gehe es weniger um tatsächliche Zeiten, da keiner mit der Stoppuhr im Wartezimmer sitze und mit seinen vorangegangenen Arztbesuchen Vergleiche anstelle. Filzmaier: „Zeit wird subjektiv empfunden. Es hat viel mit dem Gefühl zu tun, wie ich dort betreut werde.“ Das gilt für Ordinationen im niedergelassenen Bereich als auch für Krankenhaus-Ambulanzen. Durch gute Betreuung während der Wartezeit könne somit einiges gutgemacht werden.
Bei den Wartezeiten liegt Niederösterreich laut Studie im Durchschnitt, wobei eine Verbesserung festzustellen wäre, so Filzmaier.

Kritisiert wird auch, wenn Patienten mit Befunden eine Rundreise zu verschiedensten Ärzten antreten müssen.

Zwei-Klassen-Medizin in NÖ kein Thema

Was Peter Filzmaier für NÖ aus dem Gesundheitsbarometer noch herausliest: Die Zwei-Klassen-Medizin ist hier kein Thema. Genauso wenig wie die Frage, ob es genügend Kassenärzte gibt.

Was in NÖ und auch in den anderen Bundesländern ein Thema ist: Die Patienten wollen im Gesundheitsbereich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Sozialversicherungen. Filzmaier: „Die Politik kann den Gesamtauftrag annehmen, die partnerschaftliche Zusammenarbeit jenseits der Parteigrenzen.“ Hickhack sei nicht erwünscht. Wobei der Auftrag an die Zusammenarbeit auch an die Ärzte und ihre Vertretungen gehe. Grundsätzlich wolle die Bevölkerung eine Gesundheitsreform.

Dass die Reformbemühungen von der überwiegenden Mehrheit der Befragten unterstützt werden, findet auch SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger erfreulich. Sein Ministerium lässt ja das Gesundheitsbarometer erstellen.

Minister Alois Stöger: „Es freut mich, dass das Vertrauen in unser Gesundheitssystem konstant auf hohem Niveau ist.“ Er sieht das auch als Auftrag für die anstehende Gesundheitsreform, wo es ja derzeit in erster Linie um die Finanzierung geht. „Gemeinsam mit meinen Partnern in den Ländern und in der Sozialversicherung werden wir durch die Gesundheitsreform die Versorgung noch weiter verbessern können und bestehende Probleme beseitigen.“ Nachsatz: „Die Bevölkerung steht ganz klar hinter dem gemeinsamen Vorhaben von Bund, Ländern und Sozialversicherung“, so der Minister.

ZUR SITUATION: ÄRZTEKAMMER-KAMPAGNE OHNE NÖ
Dramatische Folgen für Patienten befürchten Ärztekammervertreter, sollte die geplante Gesundheitsreform in ihrer jetzigen Form samt Einsparungsmaßnahmen Wirklichkeit werden. Daher startete die bundesweite Ärztekammer eine Plakatkampagne. Es gab einen Konvent und vergangenen Mittwoch einen bundesweiten Aktionstag. Ärzte und Funktionäre informierten in Praxen und an öffentlichen Plätzen über ihre Meinung und verteilten Flugzettel und Broschüren. Nur in NÖ nicht. Denn dort entschieden sich der Präsident sowie die Vizepräsidenten der NÖ Ärztekammer dafür, nicht mitzumachen. Warum? „Wir halten die Vorgangsweise der ÖAK für nicht geeignet, die Interessen der Ärzteschaft in dieser Angelegenheit zu vertreten“, so Präsident Christoph Reisner. Zwar gibt es auch in NÖ Bedenken gegen die Reform, aber die Strategie der bundesweiten Kammer, sich in der Argumentation auf angebliche „Patienteninteressen“ zu beziehen, sei in der Öffentlichkeit nicht glaubhaft. Man sollte statt dessen zeigen, dass Ärzte- und Patienteninteressen identisch sind.