Erstellt am 15. Dezember 2015, 05:38

von Christine Haiderer

NÖ: Zu wenige Ärzte! Was tun?. Ärztekammer warnt weiterhin vor Ärztemangel. Sowohl in den Krankenhäusern als auch im niedergelassenen Bereich.

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„Derzeit verzeichnen die heimischen Spitalsträger österreichweit insgesamt rund 300 unbesetzte Arztstellen“, warnte die Bundeskurie „Angestellte Ärzte“ der Österreichischen Ärztekammer. Und in Niederösterreich? „In Niederösterreich sind von rund 3.214 ärztlichen Dienstposten rund 32 Dienstposten nicht besetzt, also rund ein Prozent“, so Bernhard Jany von der NÖ Landeskliniken-Holding. Nachsatz: „Weitere circa 37 Dienstposten sind mit nicht-ärztlichem Personal besetzt.“

Jany betont aber, dass von Seiten der NÖ Landeskliniken-Holding des Landes NÖ und der einzelnen Klinikstandorte alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden würden, um Fachärzte zu rekrutieren. Diese reichen von breiten Ausschreibungen über persönliche Kontakte bis hin zur Einschaltung professioneller Personalvermittlungen, den Besuch von Messen und vieles mehr. „Ebenso wird viel für den Nachwuchs getan. Denn hier gibt es durch zu wenige Ausbildungsstellen an den Universitäten tatsächlich Nachwuchsprobleme“, so Jany. Und: „Um für die Zukunft gerüstet zu sein, wird mit der Ausbildung von Studenten im Klinisch-Praktischen Jahr, zahlreichen Fortbildungen etc. schon heute viel getan.“

Für Maturanten gibt es Infoveranstaltungen rund um den Arztberuf. Die Studierenden der Karl-Landsteiner-Universität in Krems absolvieren ihre praktische Ausbildung an NÖ Kliniken. Bernhard Jany: „Ein wesentlicher Anreiz für Ärzte in Niederösterreichs Kliniken ist die strikte Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes und die Möglichkeit, innerhalb des gesetzlichen Rahmens die Überstundenobergrenze pro Woche und im Durchrechnungszeitraum selbst zu wählen.“

NÖ Ärztekammer-Präsident Christoph Reisner unterstreicht das: „Mit der Spitalsreform 2012 wurden positive Rahmenbedingungen geschaffen und die NÖ Landeskliniken haben sich als attraktiver Arbeitsplatz präsentiert.“ Allerdings: „Die rasante Entwicklung zeigt drei Jahre später ein völlig konträres Bild.“ Er appelliert daher an die NÖ Landesregierung, die Rahmenbedingungen für die angestellten Ärzte noch weiter zu verbessern.

Fehlende Bewerbungen bei Kassenplanstellen

Probleme in der Ausbildung ortet übrigens auch er. Immer weniger Medizin-Absolventen würden sich für eine ärztliche Tätigkeit in Österreich entscheiden. Manche arbeiten nach ihrem Studium in anderen Bereichen, andere gehen ins Ausland. Er fordert daher, „die Zugangsbeschränkungen für das Medizinstudium aufzuheben“. Weitere Probleme sieht Reisner unter anderem in der Limitierung von Leistungen, der drohenden Pensionierungswelle und dem steigenden Arbeitsdruck. Wie auch in dem Umstand, dass durch den Trend zu Gruppenpraxen, den steigenden Anteil von Frauen sowie durch den Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance immer mehr Ärzte benötigt werden.

Thema ist der Ärztemangel nicht nur in den Landeskliniken, sondern auch im niedergelassenen Bereich. So konnten etwa im September von 23 ausgeschriebenen Kassenplanstellen in NÖ elf nicht nachbesetzt werden, weil es dazu keine Bewerbungen gab. Dabei handelt es sich um vier Facharztstellen und sieben Planstellen für Allgemeinmedizin. Bei den übrigen Ausschreibungen gab es oft nur einen Bewerber.

Einen Grund für dieses Besetzungsloch ortet Johannes Angerer von der NÖ Gebietskrankenkasse darin, dass der Termin der Bewerbungsfrist für mögliche Nachfolger vielleicht zu kurzfristig war. Wird eine Kassenplanstelle nicht besetzt, wird sie nun beim nächsten Mal erneut ausgeschrieben.
 

ZUM THEMA

Debatte über die Kliniken-Holding

Allein blieb die FPÖ in der jüngsten Landtagssitzung mit der Forderung, die NÖ Landeskliniken-Holding aufzulösen und die Spitäler komplett der Hoheitsverwaltung des Landes zuzuführen. ÖVP, SPÖ, Grüne und die Liste Frank waren für eine Beibehaltung der Landeskliniken-Holding als zentrale Verwaltung der NÖ Spitäler.
Zum Zeitpunkt der Debatte lag auch bereits der Prüfungsbericht des Landesrechnungshofes über die Verwaltung der NÖ Landeskliniken vor. Insgesamt fällt der Bericht sehr moderat aus. Gefordert wird vom Landesrechnungshof, dass die NÖ Landeskliniken-Holding dem ansteigenden Zuwachs ihres Personals entgegenwirkt und ein Personalcontrolling für das Holdingpersonal einrichtet. Kritisiert wird auch die manchmal undurchsichtige Kompetenztrennung zwischen dem Amt der NÖ Landesregierung und der Kliniken-Holding. Die NÖ Landesregierung sagte die Umsetzung der Empfehlungen zu.
Übrigens: Mit der Verwaltung der Landeskliniken waren 2014 insgesamt 1.776 Vollzeitkräfte beschäftigt, 173 Vollzeitkräfte davon in der Holding selbst.