Erstellt am 04. Juli 2017, 02:00

von Martin Gebhart

„Strebe kein Ministeramt an“. Sebastian Kurz mit 98,7 Prozent zum Bundesparteiobmann gewählt. Bettina Glatz-Kremsner mit 98,1 Prozent zur Stellvertreterin. Plant keine Polit-Karriere.

Bettina Glatz-Kremsner und Sebastian Kurz beim Verkünden des Wahlergebnisses im Design-Center in Linz.  |  APA

Mit Klaudia Tanner verkündete am Samstag die NÖ Bauernbunddirektorin das Ergebnis beim Bundesparteitag der ÖVP im Design-Center in Linz. Nicht nur die 98,7 Prozent Zustimmung für Bundesparteiobmann Sebastian Kurz. Auch die 98,1 Prozent für ihre Freundin Bettina Glatz-Kremsner, die eine der Stellvertreterinnen von Kurz ist. Und auch zu diesem Zeitpunkt fragten sich noch viele Bekannte der 54-jährigen Vorstandsdirektorin der Lotterien und Vorstandsmitglied von Casinos Austria, warum sie diesen Schritt getan hat. „Weil mich Sebastian Kurz gefragt hat“, so Glatz-Kremsner zur NÖN. Und: „Ich will nicht immer nur zuschauen, sondern selber auch einen Beitrag leisten.“

Bettina Glatz-Kremsner ist schon lange politisch engagiert. Sie unterstützte vor allem Erwin Pröll bei seinen Wahlkämpfen in Niederösterreich. Dieser hätte sie auch gerne in sein Regierungsteam in NÖ geholt. Da sagte sie ab, weil sie weiter in ihrem Beruf bleiben wollte. Bei Sebastian Kurz arbeitet sie nur im Parteiteam mit. Dass das keine Kollision mit ihrem Beruf bedeutet, hatte sie im Vorfeld mit dem Aufsichtsrat abgeklärt. Sie wird auch Aufsichtsrat beim Flughafen und der EVN bleiben. Weitere politische Ämter und Funktionen strebe sie nicht an. Auch nicht ein Ministeramt.

Was aber hat sie an Sebastian Kurz so fasziniert, dass sie ziemlich rasch zugesagt hatte: „Er ist nicht ein Politiker, der nur herumredet. Er steht für klare Entscheidungen, für die Umsetzung dieser und hat den Mut, die Wahrheit zu sagen.“ Und er könne zuhören.

Politisch will Glatz-Kremsner vor allem bei Wirtschafts- und Frauenfragen ihren Beitrag leisten. Und da hat sie am Sonntag gleich mit einer Kritik an den Sozialpartnern aufhorchen lassen. Sie finde es sehr bedauerlich, dass man sich auf die Flexibilisierung der Arbeitszeiten nicht einigen konnte.

Beim Parteitag in Linz selbst konnte Glatz-Kremsner auf die Unterstützung der Niederösterreicher zählen. Genauso wie Sebastian Kurz. Aus NÖ kamen fast 100 der 472 Delegierten, die ihre Stimme abgegeben hatten. Bei seiner Rede hatte Sebastian Kurz gefordert, dass Österreich verändert werden müsse: „Wer dieses Land wirklich liebt, sollte nicht zufrieden sein, wie wir heute dastehen.“ Und: „Wir brauchen eine neue Kultur der Eigenverantwortung, ein neues Verständnis von Leistung, ein neues Verständnis vom Scheitern.“ Quittiert wurde die Rede mit lang anhaltendem Applaus.

Ein besonders berührender Augenblick beim Parteitag: Die Partei-Ehrung von Edith Mock für ihre aufopfernde Pflege des verstorbenen Vizekanzlers Alois Mock.