Tulln , Wien

Erstellt am 25. Januar 2018, 11:25

Die NÖ-Wahl aus Sicht einer jungen Wiener Schülerin.

Das Landhaus in St. Pölten  |  NLK

Die Wiener Schülerin Melanie Biegler (16) hat sich in einem „Offenen Brief“ Gedanken zur NÖ-Landtagswahl gemacht – und den Stellenwert, den die Jugendpolitik dabei hat. Ihr Fazit: Die Parteien gehen immer noch zu wenig auf Jugendliche zu.

Sehr geehrte Mitglieder der österreichischen Parteien!

In drei Tagen finden in Niederösterreich die Landtagswahlen statt. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit für die Parteien, um ihre Wähler zu kämpfen. Als eine von zahlreichen jugendlichen Wahlberechtigten möchte ich Ihnen gerne meine Sichtweise zum Thema Jugendpolitik darlegen. Dabei nehme ich Bezug auf den Artikel von Klaus Hurrelmann „Warum Parteien die Generation Y brauchen“, der am 4. Jänner 2017 in der Online-Ausgabe des „Spiegels“ erschienen ist. 

Jugendpolitik sollte gerade in der heutigen Zeit mehr an Bedeutung gewinnen. Laut Definition des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft ist es nämlich Ihre Aufgabe, die Lebenssituation und Lebensperspektive junger Menschen zu gestalten. Am Weg zum Erwachsenwerden sind auch Sie dafür mitverantwortlich, dass sich aus Kindern eigenständige Persönlichkeiten entwickeln, die bereit sind, sich in der Gesellschaft zu engagieren. Daher wäre es für alle Parteien von Vorteil, stets daran zu denken, eine Politik MIT Jugendlichen, statt nur FÜR diese anzustreben, wie es auch die Meinung des Bundesministeriums ist. Wer die Chance hat, seine eigenen Ideen und Wünsche einzubringen und sich so aktiv am politischen Geschehen zu beteiligen, wird eher bereit sein, seine Zeit in politische und gemeingesellschaftliche Arbeit zu investieren.

Allein die Tatsache, dass Jugendliche in Österreich ab dem vollendeten         16. Lebensjahr wählen dürfen, führt nicht dazu, dass sie dieses Recht auch wahrnehmen. Durch die Vielzahl der Angebote, mit denen die Jugendlichen heute konfrontiert sind, zum Beispiel in Organisationen und Vereinen, ist es notwendig, dass sich Politiker aktiv um ihre jungen Wähler bemühen, um so mehr Aufmerksamkeit bei den Jugendlichen zu erlangen. Der Umstand, dass das Durchschnittsalter der Parteimitglieder laut Aussage von Klaus Hurrelmann derzeit bei 60 Jahren liegt, sollte Ihnen zu denken geben. Junge Menschen haben den nötigen Schwung und zeitgemäße Ideen, um die Zukunft längerfristig gestalten zu können.

Jugendliche sind zwar an Politik interessiert, sind aber nicht bereit, sich aktiv zu engagieren, steht in dem Artikel. Warum schaffen Sie es als Politiker nicht, auf dieses Interesse einzugehen und die Jugendlichen zu motivieren, politisch aktiv zu werden? Das Vertrauen der 12- bis 25-Jährigen in politische Parteien ist gering und sie fühlen sich von den Politikern vernachlässigt. Die Beispiele von Großbritannien und der USA – bei diesen Wahlen haben besonders die älteren Wählerinnen und Wähler den Ausgang bestimmt – zeigen, wie wichtig der Einfluss von jungen Menschen ist und dass sie in der Lage wären, Entscheidungen zu verändern. Im Vorfeld von Wahlen werden diese aber nicht gezielt angesprochen und auf die Bedeutung ihrer Stimmen hingewiesen.

Die Bereitschaft, sich für das Gemeinwesen einzusetzen, ist bei Jugendlichen vorhanden, sobald sie Zweck und Nutzen erkennen, sagt Klaus Hurrelmann. Im Beruf ist es ihnen wichtig, sich wohlzufühlen und sich entfalten zu können. Für eine neue Arbeitskultur mit gutem Arbeitsklima, gerechter Bezahlung und schneller Digitalisierung stellen sie gerne ihre Zeit zur Verfügung, wird im Spiegel berichtet. Sie, liebe Politiker, sollten genau bei diesen Punkten ansetzen und Jugendliche zu diesen Themen aktiv in die Politik einbeziehen. Anhand dieser Beispiele sehen Sie, dass das geringe Engagement der Jugendlichen im Bereich der Politik nicht an deren Desinteresse liegt, sondern am mangelnden Einsatz Ihrerseits! Wenn es andere Organisationen wie NGOs schaffen, junge Menschen zu motivieren, warum gelingt es Ihnen nicht? Es ist zu wenig, Jugendlichen Rechte zu geben, man muss ihnen auch lehren, wie sie ihre eigenen Interessen vertreten können. Dabei finde ich es besonders wichtig, moderne Kommunikationsmittel zu benutzen, um im Alltag der Jugendlichen präsent zu sein. Nur so können Sie Ihre Motivation im Bereich der Jugendpolitik an uns vermitteln.

Warten Sie nicht länger darauf, den Kontakt mit jungen Menschen zu suchen! Werden Sie aktiv und kommen Sie auf uns zu. Wir haben nicht das Gefühl, dass Sie für unsere Fragen und Probleme offen sind, und wissen nicht, wie wir Sie darauf ansprechen können. Sie können allerdings durch Ihre Öffentlichkeitsarbeit auf uns zugehen. Werben Sie uns aktiv zur Mitarbeit in der Politik an, denn wir Jugendlichen sind die Zukunft unserer Gesellschaft!

Mit freundlichen Grüßen