Erstellt am 17. August 2016, 08:41

von Michaela Fleck-Regenfelder

Der lange Weg zum neuen alten General. Drei Stimmen fehlten Richard Grasl bei der Wahl zum nächsten Generaldirektor. Für Stiftungsrat aus NÖ ein „ehrenvolles Ergebnis“.

Zweieinhalb Stunden Hearing – und doch kein neuer Generaldirektor: Der Kremser Richard Grasl am Weg in den ORF-Stiftungsrat. Finanzdirektor bleibt er noch bis 31. Dezember – so lange läuft der Vertrag.  |  NOEN, APA / Georg Hochmuth

So lange war’s noch nie. So knapp auch nicht. 18 zu 15 Stimmen – und der ORF hatte am 9. August dann doch keinen neuen General.

Auch wenn der alte, nämlich Alexander Wrabetz, gleich um elf Stimmen weniger bekam als bei seiner letzten Wahl (da wählten ihn noch 29 von 35 Stiftungsräten). Und der mögliche neue, nämlich ORF-Finanzdirektor Richard Grasl aus Krems, bis zum Schluss vielen als heimlicher Favorit galt. Auch, weil er einiges verändern wollte in Österreichs öffentlich-rechtlichem Rundfunk.

Zum Beispiel die Strukturen der Geschäftsführung. „Das haben sich viele gewünscht“, erzählt auch Niederösterreichs Stiftungsrat Alberich Klinger, der seit 2001 schon zum vierten Mal einen neuen Generaldirektor gewählt hat (allerdings nicht den, der es dann wurde). „So lange wie ich ist nur noch Margit Hauft dabei“, so der frühere Geschäftsführer von Niederösterreichs Landesakademie. Und: „So lange wie diesmal hat’s noch nie gedauert!“

So lange wie nie und so knapp wie nie

Fünfdreiviertel Stunden, davon zweimal fast zweieinhalb Stunden Hearing. Auch zu zwei „umfangreichen Konzepten“ – das von Richard Grasl umfasste 180 Seiten, das von Alexander Wrabetz 150. Entschieden habe die Wahl aber letztlich weder Konzept noch Politik. Sondern: „Der Betriebsrat“, meint Alberich Klinger.

Denn sowohl Wrabetz als auch Grasl konnten jeweils alle Stimmen der SPÖ- bzw. der ÖVP-nahen-Stiftungsräte auf sich vereinen. Dass bei zwei Stimmenthaltungen ausgerechnet der ORF-Betriebsrat ausschlaggebend gewesen sei, „ist eigentlich doch komisch“, so Klinger. Der Betriebsrat sei schließlich der Einzige, der im Stiftungsrat nicht über Gebührenerhöhungen – eines der dringendsten Themen für den neuen alten General, schon aber über den Generaldirektor abstimmen darf.

Dass dessen Herausforderer Richard Grasl länger als bis Ende des Jahres im ORF bleiben könnte, hält Alberich Klinger für unrealistisch. Ebenso wie Gerüchte, wonach es für Grasl einen neuen Job in der Raiffeisen-Holding oder bei einem von Österreichs großen (Print-)Medien-Verlagen geben könnte. Für deutsche TV-Konzerne gäbe es dagegen „ja einige Vorbeispiele“ (wie Ex-ORF-General Gerhard Zeiler).

Für Alexander Wrabetz steht am 15. September jedenfalls schon die nächste Wahl an: die von vier neuen Direktoren am Küniglberg und neun Direktoren in den Landesstudios.