Erstellt am 24. Juni 2016, 09:49

PH in Ostösterreich ringen um Lehramt für Kunstfächer. Wiener Kunstunis wehren sich gegen Kooperation, ohne die Pädagogische Hochschulen aber keine Musik-, Zeichen- und Werklehrer ausbilden dürfen. PH-Rektor Rauscher: "Es gibt einen Plan B1, B2 und B3."

 |  NOEN, dpa

Die Pädagogischen Hochschulen (PH) in Wien und Niederösterreich wollen auch künftig Musik-, Zeichen- und Werklehrer ausbilden.

Sollten die drei Wiener Kunstunis tatsächlich nicht dazu bereit sein, gemeinsame Studien anzubieten, werde man andere Lösungen finden, sagt der Rektor der PH Niederösterreich, Erwin Rauscher, zur APA. "Es gibt nicht nur einen Plan B, sondern einen Plan B1, B2 und B3."

Raucher: "Das macht uns wirklich große Sorge"

Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste, hatte zuletzt eine gemeinsame Lehrerausbildung der drei Wiener Kunsthochschulen (Bildende, Universität für Angewandte Kunst, Universität für Musik und darstellende Kunst) mit den PH ausgeschlossen - eine Entscheidung mit weitreichenden Auswirkungen auf Wien und Niederösterreich:

Ab Herbst dürfen an PH nämlich nur noch dann Lehrer der Sekundarstufe (v.a. Neue Mittelschule, AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS) ausgebildet werden, wenn es eine Uni als Kooperationspartner gibt.

Gelingt das nicht, dürfen in Wien zumindest vorerst nur mehr die drei Kunstunis Lehrer für künstlerische Fächer ausbilden. Doch die Zahl an Absolventen aus diesen Häusern ist gering und schon jetzt gibt es zu wenige ausgebildete Lehrer für Bildnerische Erziehung, technisches und textiles Werken sowie Musik.

"Rektorin Blimlinger ist sich entweder dieser wirklich schwierigen Situation an den Schulen zulasten genau ihrer Fächer nicht bewusst, oder sie nimmt sie in dieser Form in Kauf. Das macht uns wirklich große Sorge", sagt Rauscher.

Die Pflicht zur Kooperation ist Teil der neuen Lehrerausbildung, dafür haben sich in Österreich vier sogenannte Verbünde aus PH und Unis gebildet. Bis auf den Verbund Nordost (Uni Wien, PH Wien, Kirchliche PH Wien, PH für Agrar- und Umweltpädagogik, PH Niederösterreich) sind überall auch Kunstunis dabei und dadurch die Kunstlehrerausbildung sichergestellt.

Lösung soll mit Ministerium gefunden werden

Im Verbund Nordost sei man bemüht, "so rasch, aber auch so sorgfältig wie möglich" eine Lösung zu finden. Auch wenn bei der Bildenden der Zug abgefahren ist, hofft Rauscher noch auf eine Einigung mit der Angewandten oder der mdw, mit der bereits ein befristetes Projekt für Quereinsteiger zum Musiklehrer vereinbart wurde.

Sollte tatsächlich keine Einigung mit den Wiener Kunstunis gelingen, zieht der Verbund Alternativen in Erwägung: Laut Gesetz dürfen die PH mit Universitäten im In- sowie Ausland kooperieren. Eine Lösung werde daher sicher gefunden, und zwar gemeinsam mit dem Bildungs- und Wissenschaftsministerium, betont Rauscher.

Blimlingers Kritik, dass gemeinsam mit den PH erarbeitete Studienpläne zu einem "massiven Qualitätsverlust" in der Kunstlehrerausbildung der Unis führen würde, kann Rauscher übrigens nicht nachvollziehen. Zweifellos gebe es an den PH in bestimmten künstlerisch-fachlichen Bereichen weniger Ressourcen, gerade in den künstlerischen Fächern müssten die Lehrer aber pädagogisch und didaktisch auf Zack sein, wenn sie die Schüler auch bei der Stange halten sollen.

"Das ist hochkomplex und schwierig, dafür brauchen wir wirklich gut ausgebildete Lehrer und nicht unbedingt die besten Künstler und die besten Musiker. Fachliche Qualifikation allein genügt heute nicht mehr", verweist Rauscher auf die gestiegenen Anforderungen an Lehrer.