Erstellt am 04. April 2017, 01:40

von Thomas Hofer

Polit-Besachwaltung. Thomas Hofer, Politik-Berater, über VP-Klubobmann Lopatka als „Kernöl-Machiavelli“.

Die Regierung hat Glück. Denn gleich mehrere Ereignisse lenken dieser Tage von ihrer demonstrativ zur Schau gestellten gegenseitigen Verachtung ab: Die Grünen entledigten sich nach einem Familienzwist auf offener Bühne ihrer Nachwuchsabteilung; die Vertreter der verschiedenen Lager in der Wiener SPÖ rangen sich mühsam dazu durch, sich nicht (gleich) in den offenen Showdown zu begeben; und die Neos verloren gleich zwei Abgeordnete. Einer verändert sich beruflich, das soll vorkommen. Doch der zweite wechselte nach einem unsäglichen Sager zur Volkspartei.

Deren Klubobmann freute sich wie ein Schneekönig über den zweifelhaften Zugang. Und das nicht zum ersten Mal. Schon mehrfach hatte sich Reinhold Lopatka am Bedienen an den Ruinen des Teams Stronach ergötzt. Eigentlich hätte er am Beispiel des erst von ihm willkommen geheißenen und dann nach erwartbaren neuen Entgleisungen wieder entlassenen Mandatars Marcus Franz erkennen müssen, wie man es nicht macht. Aber Lopatka gefällt sich in der Rolle des Kernöl-Machiavelli. Er versteht Politik offenbar als Spiel, bei dem man sich vorzugsweise am grünen Tisch Mehrheiten zimmert.

Dass er seiner Partei mit diesem Zugang mehr schadet als nutzt, ficht ihn nicht an. Dabei leistet er sogar eher lächerlich anmutenden Verschwörungstheorien Vorschub – wie jener seines sozialdemokratischen Pendants Andreas Schieder, der gleich einen fliegenden Wechsel zu Schwarz-Blau im Nationalrat befürchtete.

Einmal abgesehen davon, dass eine solche Volte nicht gut ankäme und auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen den einen oder anderen Einspruch auf Lager hätte – die für einen solchen „Schachzug“ notwendigen Blauen wären ein Fall für politische Besachwaltung, würden sie über ein solches Angebot auch nur nachdenken. Nur Monate vor einer ohnehin anstehenden Nationalratswahl kann auch Lopatka nicht ernsthaft mit dieser Variante spekulieren.

Allgemein lässt die Beschreibung dieser Zustände nur einen Schluss zu: Unserer politischen Führungsriege mangelt es an Ernsthaftigkeit. Wer sich vordringlich mit den oben genannten „Themen“ auseinandersetzt, hat ganz offensichtlich seinen Auftrag als Politiker aus dem Blick verloren.