Erstellt am 19. April 2017, 02:24

von Martin Gebhart

Stadler: "Erobern die Stadt zurück“. Kanzler Christian Kern vor vollem Stadttheater. Stadler wahlkämpferisch.

Applaus für die Standing Ovations des SPÖ-Publikums: Bundeskanzler Christian Kern und Landesparteivorsitzender Matthias Stadler im Wiener Neustädter Stadttheater.  |  Franz Baldauf

Es war der zweite große Auftritt in Niederösterreich von SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern, bei dem er seinen „Plan A“ für Österreich präsentierte. Nach Krems war diesmal das Stadttheater Wiener Neustadt an der Reihe. Das war bis zum letzten Platz gefüllt. Genauso wie in Krems wurde Kern von den Zuhörern mit Standing Ovations empfangen.

Der Unterschied: In Krems regiert ein SPÖ-Bürgermeister, in Wiener Neustadt seit 2015 ein ÖVP-Stadtchef. Was SPÖ-Landesparteivorsitzender Matthias Stadler bei seinen einleitenden Worten so kommentierte: „Die haben jetzt etwas anderes ausprobiert. Wir werden schauen, dass wir diese Stadt wieder zurückerobern.“

"Wir müssen versuchen, die Dinge zu gestalten"

Kanzler Kern begann seine Rede mit dem Hinweis, dass er zuletzt eine wunderbare Woche hatte. Der Arbeitsmarkt sei angesprungen, das Wirtschaftswachstum besser als erwartet, internationale Konzerne würden sich in Österreich ansiedeln. Was Kern der Regierungsarbeit seines Teams zugutehielt: „Wir müssen versuchen, die Dinge zu gestalten und nicht bloß zu warten, bis sie sich von selbst einrenken.“ Kern sprach von sozialer Gerechtigkeit, dem Bildungssystem, den Lehrlingen – „Wir werden für sie genauso viel Geld ausgeben wie für die Gymnasiasten“ –, dem Beschäftigungsbonus, Jobs für Über-50-Jährige etc.

Bei den Seitenhieben auf den Regierungspartner nannte er nicht die ÖVP, sondern die „üblichen Verdächtigen“. Und bezüglich des Stils in der Bundesregierung: „Da herrscht ein Umgangston, den ihr von eurem Nachbarn oder euren Arbeitskollegen nie akzeptieren würdet.“ Die SPÖ-Zuhörer quittierten seine Rede mit lang anhaltendem Applaus und versuchten danach, ein Foto mit ihm zu ergattern.

Wahlkampfrede von Matthias Stadler

Während sich Kanzler Kern diesmal mit Angriffen auf die übrigen Parteien sehr zurückhielt, hatte Landesparteivorsitzender Matthias Stadler, SPÖ-Bürgermeister von St. Pölten, schon ein wenig auf Wahlkampfmodus geschaltet. Etwa im Hinblick auf den Wechsel an der Spitze des Landes mit der neuen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner: „Die Karten in Niederösterreich sind jetzt neu gemischt.

Es gibt einen Aufbruch von einem Fürstentum zu einem demokratischen Land.“ Oder: „Niederösterreich ist leider kein Land, wo innovative Bildungspolitik auf fruchtbarem Boden fällt.“ Deswegen forderte er einen Plan A auch für NÖ: „Es möge der Plan A für Österreich gelingen, und auch für Niederösterreich“, so Stadler zum Abschluss. Kanzler Kern ging auf die Politik in NÖ im Hinblick auf die Landtagswahl 2018 nur kurz ein: „Ich bin überzeugt, dass es für uns auch in diesem Fall kein Limit nach oben gibt.“