Erstellt am 26. April 2016, 06:44

von Thomas Jorda

„Eine klare Warnung an die Regierung“. Große Enttäuschung bei ÖVP und SPÖ, aber einstweilen gibt es keinerlei personellen Konsequenzen.

Große Freude: FPÖ-Chef Heinz Christian Strache und Kandidat Norbert Hofer.  |  NOEN, APA/Fohringer

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Entsprechend den Ergebnissen der Bundespräsidentschaftswahl fielen die Reaktionen auf Bundesebene aus. 

„Grundsätzlich treten wir bei jeder Wahl an, um zu gewinnen“, meinte FPÖ-Bundesparteiobmann H. C. Strache, „dieser Sieg aber gehört Norbert Hofer. Das Ergebnis ist auf die Persönlichkeit Hofers zurückzuführen. Er ist ein unglaublich herzlicher Mensch.“ Und er habe auch bei der Stichwahl beste Chancen, das Wähler-Potenzial sei trotz hohen Ergebnisses noch nicht ausgereizt. „Dieses Kaffeesudlesen gehört der Vergangenheit an. Wir zeigen seit Jahren, dass wir Wahlen gewinnen können.“

Sicherheitshalber fischte Strache schon am Wahlabend in Van der Bellens Lager und ließ dessen Sympathisanten wissen: „Wir sind nicht europafeindlich. Ganz im Gegenteil. Wir sind, wenn wir ein zentralistisches europäisches Unionsgebilde kritisieren, die wahren Europafreunde.“

Glawischnig: „Die Chance ist intakt“

Die Grünen hatten sich nach den Umfragewerten ein besseres Ergebnis für Alexander Van der Bellen erwartet, waren dann aber trotzdem glücklich. „Die Chance ist intakt, die Karten sind neu gemischt“, zeigte sich Grüne-Bundessprecherin Eva Glawischnig für die Stichwahl optimistisch. Und analysierte im selben Atemzug: „Äußerst negativ überrascht hat mich der Vorsprung Hofers auf die Kandidaten von SPÖ und ÖVP. Das ist das Ergebnis der Positionierung der Regierungsparteien in Richtung FPÖ-Kurs. Davon profitieren einzig die Freiheitlichen.“

ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner sprach von einem „enttäuschenden Ergebnis, das auf eine Grundstimmung gegen das gesamte politische Establishment und auch auf die überzogenen Erwartungen an die Politik zurückzuführen ist“.

Mitterlehner, der weder eine Obmann- noch andere personelle Diskussionen fürchtet und erwartet, will für die Stichwahl keine offizielle Wahlempfehlung seitens der ÖVP geben. Wie SPÖ-Obmann Werner Faymann. Der aber wenigstens zugestand, persönlich Alexander Van der Bellen wählen zu wollen. Aber auch in anderen Bereichen ähneln sich die Reaktionen. Faymann ist ebenfalls „natürlich enttäuscht. Ich habe mir mehr erwartet und bin traurig darüber, dass das Ergebnis so aussieht. Eine klare Warnung an die Regierung, dass wir stärker zusammenarbeiten müssen. Die Konsequenz ist: hart arbeiten!“.

NEOS-Chef Matthias Strolz gibt eine klare Empfehlung: „Ich ziehe meinen Hut vor Irmgard Griss, sie hat Unglaubliches geleistet. Aber wir haben immer gesagt, dass unsere zweitliebste Variante Alexander Van der Bellen heißt. Er steht für Europa und dafür, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen.“

Zitiert

„Das Abschneiden von Norbert Hofer ist ein historisches Ergebnis für die FPÖ.“
FPÖ-Generalsekretär und Wahlkampf-Leiter Herbert Kickl

„Die Chance ist intakt, die Karten sind neu gemischt. Alexander Van der Bellens Anspruch, verbindend zu wirken, setzt ihn klar von Norbert Hofer ab, der eine FPÖ-Marionette ist, der Neuwahlen und einen Wahlsieg Heinz-Christian Straches erzwingen will.“
Grüne-Bundessprecherin Eva Glawischnig

„Das Wahlergebnis ist für uns enttäuschend. Aber die Österreicher haben entschieden, das ist zu respektieren. Ein Erdrutsch, der die politische Landschaft Österreichs nachdenklich stimmen muss.“
ÖVP-Generalsekretär Peter McDonald

„Das Ergebnis ist schlimm für uns und wirklich schmerzlich. Ein klares Signal, dass Politik sich verändern muss. Für uns besteht dringender Handlungsbedarf.“ 
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid

„Österreich hat die Nase voll vom rot-schwarzen Machtkartell. Jetzt entscheidet die Stichwahl, ob der Mut oder die Wut stärker ist.“
NEOS-Obmann Matthias Strolz