Erstellt am 28. Juni 2016, 06:15

von Anita Kiefer

Die Briten sind raus. 52 Prozent der Briten stimmten für einen Austritt aus der EU. Eine Einschätzung der niederösterreichischen Wirtschaft dazu.

Die Briten haben sich am 23. Juni gegen einen Verbleib in der Europäischen Union entschieden.  |  APA/AFP/Justin Tallis

Es war ein Tag, der in die Geschichtsbücher eingehen wird. Der 23. Juni 2016, der Tag, an dem die Mehrheit der Briten – rund 52 Prozent – für einen Austritt aus der EU stimmten.

Wie NÖ Wirtschaftsverantwortliche den Brexit einschätzen? Tourismus- und Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav (VP) ortet viele offene Fragen, etwa hinsichtlich Zölle und anderer möglicher Handelshemmnisse. Der Markt bleibe trotzdem interessant für NÖ- Unternehmen. Sie sehe sogar eine Chance für NÖ: „Es besteht die Möglichkeit, dass englische und amerikanische Unternehmen, die jetzt ihren Standort zur Bearbeitung europäischer Märkte in Großbritannien haben, nun auf der Suche nach neuen Standorten in der EU sind.“ Hier könne NÖ aufgrund seiner Lage im Zentrum Europas punkten.

NÖs Wirtschaft bei Nischenprodukten stark

Niederösterreichs Unternehmen haben 2015 Waren im Wert von 533 Millionen Euro nach Großbritannien exportiert. „Unter anderem ist Niederösterreichs Wirtschaft stark im Bereich von Nischenprodukten aktiv, die sehr spezialisiert sind und nicht einfach ersetzt werden können. Hier ist zu erwarten, dass sich die Folgen des Brexit in Grenzen halten werden“, vermutet Wirtschaftskammer NÖ-Präsidentin Sonja Zwazl. Je nach Unternehmen gebe es für sie aber unterschiedliche Auswirkungen. Der Präsident der Industriellenvereinigung NÖ, Thomas Salzer, betont: „Fest steht, dass jeder nationale Alleingang Europa schwächt – wir müssen daher weiterhin auf Zusammenhalt setzen, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können.“

Ein NÖ-Unternehmen, das erst 2015 seinen Export nach Großbritannien aufgenommen hat, ist die Schmid Industrieholding GmbH aus Waldegg bei Wiener Neustadt. Geschäftsführer Robert Schmid: „Der Finanzplatz London wird wahrscheinlich an Bedeutung verlieren. Damit werden viele Jobs verloren gehen, die Menschen werden weniger Geld zur Verfügung haben und es wird weniger in den Hausbau und Immobilienbereich investiert, das trifft uns natürlich im Exportgeschäft.“

Die NÖ EU-Parlamentsabgeordneten Ulrike Lunacek (Grüne), Othmar Karas (ÖVP) und Karin Kadenbach (SPÖ) bedauern den Ausstieg der Briten und sind sich einig, dass die EU den Brexit als Signal verstehen sollte, wichtige politische und wirtschaftliche Themen anzugehen.

 

ZITIERT

„Jetzt sind die echten Europäer gefragt. Die EU schlägt sich unter ihrem Wert. Die Entscheidung in Großbritannien sollte die Chance sein, dass auch die letzten in Europa begreifen: Es braucht Tempo und Entschlossenheit bei den entscheidenden Zukunftsfragen.“
Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptmannstellvertreterin (ÖVP)

„Der Weg zu einem sozialen und gerechten Europa, wo die Menschen im Mittelpunkt stehen, ist noch längst nicht bewältigt, noch immer dominieren die Interessen von Großkonzernen, des Kapitals und von Tausenden Lobbyisten. Die EU hat keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.“
Karin Renner, Landeshauptmannstellvertreterin (SPÖ)

„Für Parteien, die beharrlich einen Ausstieg aus der EU fordern, wurde mit dem Abstimmungsausgang Großbritanniens Öl ins Feuer gegossen. Damit sind sie jedoch auf dem Holzweg, denn mit dem Ausstiegsszenario steht das Land nun vor noch größeren Hürden.“
Barbara Schwarz, EU-Landesrätin (ÖVP)

„Der Brexit ist längst nicht das Ende der Fahnenstange, sondern erst der Beginn! Den Eurokraten muss endlich aufgezeigt werden, dass es in dieser Form nicht weitergehen kann und darf. Auch Österreich muss in diesem Falle ein deutliches Zeichen setzen!“
Udo Landbauer, FPÖ-Europasprecher