Krems

Erstellt am 02. August 2016, 06:41

von Martin Gebhart und APA Red

„Wir müssen uns verändern …“. Der Kremser Richard Grasl über seine Motivation, gegen Alexander Wrabetz anzutreten.

Richard Grasl  |  NÖN, APA

NÖN: Sie sind als ORF-Finanzdirektor sehr erfolgreich. Warum jetzt diese Bewerbung?

Grasl: Weil ich glaube, dass in den nächsten fünf Jahren auf den ORF durch den Wandel in der Medienbranche enorme Herausforderungen zukommen, dass wir unsere jetzige Position nur halten können, wenn wir uns verändern. Und ich habe doch in einigen Gesprächen und Wahrnehmungen, die ich mit dem aktuellen Generaldirektor gehabt habe, nicht das Gefühl, dass es in die richtige Richtung geht. Daher bewerbe ich mich mit einem eigenen Konzept und eigenen Ideen.

Es ist für Sie das volle Risiko, weil der jetzige Generaldirektor bereits erklärt, dass Ihre Zeit im ORF vorbei ist, wenn er wiedergewählt wird.

Grasl: Ja, aber es ist jetzt der Zeitpunkt, aus der Komfortzone herauszutreten und es zu sagen, wenn man daran glaubt, dass man das Unternehmen in die richtige Richtung bewegen kann. Natürlich wäre es für mich leichter gewesen, zu sagen, ich mache noch einmal fünf Jahre als kaufmännischer Direktor weiter. Aber es gibt da inhaltlich einfach so unterschiedliche Ansichten, dass ich das Risiko auf mich nehme.

Wie sehen Sie die Rolle der Landesstudios des ORF?

Grasl: Ich glaube, dass die Landesstudios für den ORF wichtig sind, weil sie direkten Kontakt zum Kunden haben, sehr viel früher vielleicht merken, ob und wie die Zuseherinnen und Zuseher zu unseren Programmen stehen. Meiner Meinung nach gehören die Landesstudios insofern ausgebaut, dass sie noch mehr für das Gesamtprogramm des ORF beitragen. Ich möchte daher im Spätabend-Programm auch noch eine regionalisierte Kurznews-Sendung aus den Bundesländern machen, etwa vor oder nach der ZIB 2. Und ich will auch, dass die Landesdirektoren noch mehr Managementfunktion übernehmen. Es hat keinen Sinn, dass das Unternehmen so zentralistisch geführt wird, wie es jetzt der Fall ist.

Im Vorfeld der Stiftungsratssitzung geht es ganz schön hart zu. Generaldirektor Wrabetz hat bezogen auf Sie sogar den Königsmord in Shakespeares Hamlet ins Spiel gebracht. Ihre Reaktion?

Grasl: Ich versuche, in dieser gesamten Bewerbungsphase sachlich zu bleiben und möchte daher zu solchen Aussagen des amtierenden Generaldirektors nicht Stellung nehmen. Es geht um die Bewerbung und die Zukunftsfragen der Medien des 21. Jahrhunderts und nicht um irgendwelche Shakes-pearedramen von vor 200 Jahren.