Erstellt am 28. September 2015, 09:12

von Thomas Jorda

Schatten über dem Kongress wurde endlich getilgt.

 |  NOEN

Böses Erbe.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Also war auch die Karriere von Hans Jörgel, wie der junge Grasel von seiner Familie genannte wurde, vorgegeben. Ein Großvater arbeitete als Dieb, der andere als Bettler. Grasels Mutter Regina wurde wegen Fischdiebstahls und Landstreicherei verhaftet, Vater Thomas Grasel wegen Einbruchs zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. 1799 gelang ihm die Flucht, und er beging zahlreiche weitere Untaten.

Vater als Vorbild.

Sein Sohn schließlich wurde bereits mit neun Jahren erstmals eingesperrt. Er hatte in Drosendorf und in Frain Mehl gestohlen. Grasels Vater war nach Einbrüchen und einem Mord 1806 wieder eingekerkert worden, Jung-Grasel fing an, bei anderen Gaunern zu lernen. Mit der Entlassung seines Vaters 1809 begann Grasels echte Lehrzeit.

Endlich verhaftet.

Er hatte viel gelernt, bis hin zu erfolgreichen Raubzügen und Raubmorden, ehe es der Bevölkerung ebenso zu viel wurde wie der Obrigkeit. Und tatsächlich gelang es am 18. November 1815, Grasel in einem Wirtshaus in Mörtersdorf bei Horn zu verhaften und dingfest zu machen. Damit war im Nachhinein ein peinlicher Schatten über dem Wiener Kongress getilgt; als der noch tagte und tanzte, hatten die prominenten Gäste laut über die Unfähigkeit der kaiserlichen Behörden gemurrt. Grasel wurde am 31. Jänner 1818 gemeinsam mit Jakob Fähding und Ignaz Stangl in Wien auf dem Rabenstein am Rossauer Glacis öffentlich gehängt. Angeblich soll Grasel in Anbetracht des großen Publikums noch gesagt haben: „Jessas, so vül Leit’!“