Erstellt am 01. März 2016, 05:44

von Gila Wohlmann

Kinder im Asylverfahren. Immer mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden aufgegriffen. Hier ist besondere Sensibilität gefragt. Fachzirkel soll Verfahrensabwicklung erleichtern.

Regionaldirektorin Michaela Frank hat ihr Büro in Traiskirchen. Dort sind im Flüchtlingslager auch die meisten jugendlichen Flüchtlinge untergebracht.  |  NOEN, Gila Wohlmann
Erstaufnahmezentrum Traiskirchen vergangene Woche. Ein achtjähriger Bub steht allein vor den Toren des Erstaufnahmezentrums Traiskirchen. Er weiß nicht, in welchem Land er sich befindet. Auf der Flucht aus Afghanistan hat er seinen Vater verloren. Mittlerweile konnte dieser aber gefunden werden. Nicht alle haben dieses Glück.

2.180 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) befinden sich derzeit in Niederösterreich in Grundversorgung, etwa die Hälfte davon in Sonderbetreuungseinrichtungen des Bundes. 65 der unbegleiteten Minderjährigen sind sogar unter 14 Jahre alt. Tendenz steigend.

„Hauptaugenmerk liegt im ersten Schritt
auf der Suche nach den Eltern.“
Regionaldirektorin Michaela Frank

Deren Asylverfahren werden in der Regionaldirektion NÖ (Sitz in Traiskirchen) des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl (BFA) behandelt. Stets miteinbezogen werden die Jugendwohlfahrt und NGOs wie Diakonie, Caritas und der Verein Menschen Österreich (VMÖ). Um die Verfahrensabläufe zu optimieren, wurde nun ein Fachzirkel ins Leben gerufen. „Ziele sind Koordination, bessere Vernetzung und Schaffung einer Kommunikationsplattform“, so NÖ Regionaldirektorin Michaela Frank.

Wie läuft so ein Asylverfahren für UMFs ab? „Hauptaugenmerk liegt im ersten Schritt auf der Suche nach den Eltern“, schildert sie. Verläuft diese negativ, wird die Vertretung im Asylverfahren vom Jugendwohlfahrtsträger und in weiterer Folge von einer NGO wahrgenommen. Sensibilität ist bei den Gesprächen mit den Minderjährigen gefragt. „Unsere geschulten Referenten gehen genau auf Entwicklungsgrad und die psychische Situation des Minderjährigen ein. Motto: Vertrauen schaffen!“

Hauptproblem: Nur wenige unbegleitete Minderjährige haben Dokumente. Und nicht jeder ist wirklich minderjährig. „Hat das Bundesamt Zweifel am angegebenen Alter, veranlassen wir eine multifaktorielle Altersdiagnose“, erklärt sie.

Vom BFA wurden im Vorjahr 2.826 Altersdiagnosen in Auftrag gegeben, bei 48 Prozent dieser Fälle stellte sich letztlich die Volljährigkeit des Asylwerbers heraus.

Minderjährige werden nie allein abgeschoben

Dabei wird die Zahnentwicklung, das Knochenalter mittels Handröntgen und die körperliche Entwicklung durch drei individuelle Untersuchungen begutachtet. „Dass eine Korrektur des Alters allein aufgrund eines Handröntgens durchgeführt wurde, schließe ich aus“, so Frank zu einem Fall in Korneuburg, wo ein Jugendlicher die Schule, die er besuchte, deswegen verlassen musste.

Bekommen Minderjährige leichter Asyl? Nur bedingt. „Es müssen die Gründe der Genfer Flüchtlingskonvention vorliegen, also eine Verfolgung aus Gründen der Rasse, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oder wegen der politischen Gesinnung“, erläutert sie. Minderjährige erhalten aber subsidiären Schutz, wenn sie mitunter von Zwangsverheiratung bedroht sind oder es in der Heimat keinen Familienanschluss gibt. So viel steht fest: „Ein Minderjähriger, dessen Eltern nicht auffindbar sind, wird niemals allein ins Heimatland abgeschoben.“