Erstellt am 17. April 2018, 02:53

von Carina Rambauske

Wenn Schule Privatsache ist. Direktoren melden eine verstärkte Nachfrage. Eltern setzen sich intensiver mit Schulwahl auseinander.

Ob öffentlich oder privat: In allen über 1.200 Schulen in Niederösterreich soll mit Freude gelernt werden.  |  ESB Professionell/Shutterstock.com

Kinder in einer Schuluniform und Eltern mit dicken Geldbörsen auf der einen Seite, überlastete Lehrer und geringe individuelle Förderung von Kindern auf der anderen Seite: Private und staatliche Schulen sind mit Vorurteilen beladen. Das Resultat: Die Schulwahl wird schwieriger, die Auseinandersetzung der Eltern mit den vorhandenen Möglichkeiten intensiver.

In NÖ gehen rund 9.700 Schüler der insgesamt 150.000 im Pflichtschul- und AHS-Sektor in Privatschulen, die „im Sinne der Vielfalt eine zusätzliche Bereicherung für die Bildungslandschaft sind“, so Bildungsdirektor Johann Heuras. Bundesweit gibt es 998 Privatschulen – die meisten mit 216 in Wien. In NÖ sind 142 der über 1.200 Schulen in freier Trägerschaft und reiht sich damit hinter Oberösterreich, mit 178, auf Platz drei des Rankings ein.

Privatschulen sind immer nachgefragter, berichten Direktoren. Die Kapazitäten seien ausgeschöpft, oftmals gebe es Wartelisten: „Privatschulen können sich ihre Schüler aussuchen“, benennt der Bildungsdirektor dies als größten Unterschied zu öffentlichen Schulen und wünscht sich deshalb, „einen größeren Beitrag der Privatschulen in Sachen der Integration und Inklusion“.

Problem: Zeit für Bildung nimmt ab

Ob privat oder öffentlich: Die eigentliche Tätigkeit der Pädagogen gerate, so Heuras, zunehmend in Bedrängnis, da „Probleme, die gesellschaftlicher Natur sind, in das Tätigkeitsfeld der Pädagogen fließen, wodurch immer weniger Zeit für Bildung bleibt.“ Bedeutet: Zu viel Zeit für Aufgaben, die Administratoren, Sozialarbeiter und Psychologen betreffen, gingen zulasten des Unterrichts.

Die Gründe der Eltern, einen privatrechtlichen Vertrag mit einer Schule abzuschließen, sind unterschiedlich und nicht auf einen elitären Kreis einzugrenzen: Die einen sind selbst auf diese Schule gegangen, dann ist es wieder die Wertevermittlung des jeweiligen Trägervereins oder pädagogische Ansätze, die die Eltern überzeugen. „Für manche mag auch ein Grund sein, aus Verunsicherung heraus, gewissen gesellschaftlichen Veränderungen auszuweichen“, fügt Heuras hinzu.

Obgleich des Beweggrundes haben alle eines gemeinsam: Eltern entscheiden sich bewusst für diese Schule und erwarten ein dementsprechendes Engagement des Lehrerkollegiums. Zusätzlich punkten Privatschulen mit der hohen Flexibilität bei der Unterrichtsgestaltung, der Förderung von Potenzialen sowie dem vielfältigen Angebot an Interessens- und Begabungskursen.

„Fördern und fordern“, nennt Sabine Triml, Leiterin der Privatvolksschule Mary Ward in St. Pölten, das Bestreben ihrer Schule. „Gemeinschaft, soziales Engagement, innere Werte, persönliches Wachstum und der Glaube“, zählt Direktorin Gerda Stingeder die prägenden Leitziele der Privaten Neuen Mittelschule Sacré Cœur Pressbaum auf, die, wie auch die Mary-Ward-Schulen und knapp 50 weitere der rund 80 Privatschulen (von knapp 1.000 der Pflicht- und AHS-Schulen) konfessionelle Träger haben.

„Wir wollen, können es uns aber nicht leisten, jedes Kind aufzunehmen“

Oft in der Kritik stehen Privatschulen mit alternativen Pädagogikkonzepten: In Waldorf-Schulen werden kreative Fächer mit der gleichen Intensität unterrichtet wie herkömmliche und in Montessori-Klassen können Kinder selbst entscheiden, wann sie was lernen möchten.

Abseits jeglicher Missbilligung steht fest: Schulen mit Öffentlichkeitsrecht stehen unter staatlicher Aufsicht, wodurch vor der Bildungsbehörde nachgewiesen werden muss, dass sie in der Lage sind, ihre Schüler auf gängige Abschlüsse vorzubereiten.

Von rund 100 bis rund 800 Euro im Monat reicht die Spanne des Schulgeldes. Bei nicht-konfessionellen Privatschulen ist es tendenziell höher, „weil die Eltern rund 90 Prozent der Kosten tragen müssen“, erklärt Katharina Jurkowitsch, Leiterin der Montessori-Schule Galemo in Klosterneuburg.

„Wir wollen, können es uns aber nicht leisten, jedes Kind aufzunehmen“, nennt Nina Stranz von der Waldorf-Schule in Schönau (Bezirk Baden) eine langjährige Forderung von nicht-konfessionellen Privatschulen: die gleiche Unterstützung zu erhalten wie konfessionelle. Ein Punkt, der auch
Teil des Arbeitspaktes der aktuellen Bundesregierung ist, mit dem Ziel, die Subventionsvergabe für Privatschulen mit
nachvollziehbaren Kriterien neu zu regeln.