Erstellt am 17. November 2015, 05:33

von Martin Gebhart

Dunkle Schatten von Paris. Gedenkminute bei Leopoldi-Festakt in Grafenegg. Innenministerin leitet Maßnahmen ein.

In der französischen Metropole Paris bestimmen seit Freitag Militär und Polizei das Straßenbild.  |  NOEN, AFP
Die Terrornacht von Paris, die bereits über 130 Todesopfer gefordert hat, bestimmte die Tage danach auch das öffentliche Leben in Niederösterreich. Am Landesfeiertag zu Ehren des hl. Leopold erhoben sich die Menschen beim Festakt in Grafenegg zu einer Gedenkminute. In seiner Festtagsrede ging dann Landeshauptmann Erwin Pröll auf die Ereignisse ein.

Er sprach von Angst, Schrecken und Tod in Paris. „Ein Kampf gegen Religions- und Meinungsfreiheit als Werte unserer Demokratie wirft dunkle Schatten auf unser Leben in Wohlstand und Sicherheit“, so Pröll. Bei der Beurteilung des Ganzen gelte es allerdings, den „verantwortungsvollen Mittelweg“ zu gehen. Pröll: „Unser Auftrag ist, zu unterscheiden. Zwischen jenen, die kommen, um zu töten, und jenen, die kommen, um Schutz zu suchen.“

Sicherheit, Kontrolle und Übersicht gefordert

Und in Richtung Flüchtlingspolitik: „Es ist klar, dass wir verzweifelten Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung helfen. Aber Sicherheit, Kontrolle und Übersicht dürfen dabei nicht verloren gehen“, so der Landeshauptmann.

Eine Gedenkminute für die Opfer der Anschläge in Paris wurde auch beim Landeskongress der NÖ Grünen in Traiskirchen abgehalten.

Niederösterreich in Paris

Die Anschläge von Paris hatten bei vielen Familien in Niederösterreich Sorgen ausgelöst, weil Kinder, Verwandte oder Bekannte zu diesem Zeitpunkt in Frankreich waren. So war die Mostviertlerin Carmen Steinkellner aus Aschbach gerade in der französischen Metropole unterwegs, als die Attentate verübt wurden.

Sie selbst hatte von ihrem Freund aus Amstetten per Handy davon erfahren. Steinkellner zur NÖN: „Viele Leute, die da unterwegs waren, haben sehr verzweifelt gewirkt. Ich habe mir natürlich auch Sorgen gemacht, weil man ja zu diesem Zeitpunkt nicht genau gewusst hat, was da vor sich geht und ob es noch zu weiteren Attentaten kommt.“ In Paris war auch der Wiener Neustädter Clemens Jungmair. Seine Erlebnisse: „Alle wollten nach Hause, keiner hielt sich mehr an die Verkehrsregeln, die Menschen fuhren von allen vier Seiten in die Kreuzungen ein.“

VP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner hat als Reaktion auf den Terror-Anschlag von Paris noch am Wochenende einige Sofortmaßnahmen in die Wege geleitet. Ab sofort soll es eine verstärkte Schleierfahndung, eine Stärkung der Analyseabteilungen des Staatsschutzes, erhöhte Observationsmaßnahmen und zusätzliche Investitionen in Strukturermittlungen geben, heißt es in einem Papier des Innenressorts.

Zum Thema

Am Freitagabend hatten drei Terrorkommandos an sechs Orten in der französischen Hauptstadt nahezu gleichzeitig zugeschlagen. Sie schossen wahllos auf Menschen in Restaurants, in der Konzerthalle „Bataclan“ und sprengten sich während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland beim des Stadions in die Luft. Über 130 Todesopfer mussten danach beklagt werden, über 300 Verletzte werden noch versorgt. Sieben Attentäter kamen ums Leben.