Traiskirchen

Erstellt am 17. August 2016, 05:14

von Walter Fahrnberger und Stefan Jedlicka

Die Lehren aus der „Schande“ gezogen. Mit über 4.000 Asylwerbern platzte das Erstaufnahmezentrum vor einem Jahr aus allen Nähten. Aktuell sind es weniger als 700.

Franz Schabhüttl, Leiter der Betreuungsstelle Ost in Traiskirchen, vor dem Hauptgebäude des Komplexes. „Haus eins, oder wie es die Bewohner nennen: das Hotel Hilton“, schmunzelt Schabhüttl. „Ich vermute, eher ob seiner Größe, weniger ob seiner Schönheit.“  |  NOEN, Stefan Jedlicka

Ruhig, fast menschenleer wirkt die „Betreuungsstelle Ost“ in Traiskirchen an diesem Donnerstagvormittag. Mitarbeiter sind mit Rasenmähen beschäftigt, am Gehsteig vor dem Gelände sitzen ein paar Jugendliche und unterhalten sich. „Tagsüber sind bis zu 40 Prozent der Menschen nicht am Gelände“, erzählt Leiter Franz Schabhüttl beim Lokalaugenschein mit der NÖN. Insgesamt sind hier derzeit 696 Asylwerber untergebracht. Vor einem Jahr waren es mehr als 4.000.

„So etwas soll nicht mehr vorkommen“

„So etwas soll nicht mehr vorkommen“, betont er. Räumt aber auch ein: „Mit Sicherheit ausschließen kann man es nicht.“ Das hängt auch davon ab, ob der Türkei-Deal hält oder sich die Lage in Nordafrika verändert.

Die Voraussetzungen haben sich aber geändert. Man habe aus den Erfahrungen gelernt, sei besser vorbereitet, versichert Schabhüttl. 35 Asylquartiere stehen mittlerweile in den Bundesländern zur Verfügung. Vor einem Jahr waren es sieben.

„Damals ist in Traiskirchen sichtbar geworden, dass viele Bundesländer jahrelang nicht ihren Verpflichtungen nachgekommen sind und zu wenig Plätze für Flüchtlinge bereitgestellt haben. Davor hat Traiskirchen als Puffer alles abgefangen“, sieht Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums, die Verantwortung auch bei den Ländern.

Vor einem Jahr mussten Flüchtlinge in Zelten am Gelände der Erstaufnahmestelle Ost in Traiskirchen übernachten.  |  NOEN, APA

Mit dem Durchgriffsrecht hat der Bund seit Herbst dabei auch mehr Handlungsmöglichkeiten geschaffen. Die geplante Asylsonderverordnung soll zudem bald dafür sorgen, dass die vereinbarte Asylobergrenze von 37.500 österreichweit (für NÖ sind das 2016 7.200 Personen) nicht überschritten wird. Alles Voraussetzungen, damit sich die „Schande von Traiskirchen“ nicht wiederholt.

Denn die Umstände im Flüchtlingslager waren vor einem Jahr fatal: Demonstrationen, die vorübergehende Sperre von Teilen des Komplexes aus feuerpolizeilichen Gründen und ein verheerender Bericht der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“.

Die damals zu Notquartieren umfunktionierten Turnsäle und Kinderbetreuungseinrichtungen werden jetzt wieder ihrer eigentlichen Funktion entsprechend genützt. Ebenso der Sportplatz der benachbarten Sicherheitsakademie, auf dem im Vorjahr Zelte als zusätzliche Unterbringungsmöglichkeit aufgebaut worden waren. „Es ist im wahrsten Sinne des Wortes Gras über die Sache gewachsen“, sagt Schabhüttl mit Blick auf das Areal. In die Kinderspielplätze am Areal wurden gerade mehr als 160.000 Euro investiert.

Probleme gebe es derzeit selten. Wenn, dann gehe es dabei vor allem um Handy-Diebstähle. Auch religiöse Differenzen habe man minimiert, seit ein interkonfessioneller Gebetsraum eingerichtet wurde.