Erstellt am 19. Juli 2016, 06:38

von NÖN Redaktion

Anton Koczur erlag Krebsleiden. Der hemalige 2. Landtagspräsident war bekannt für seine Handschlagqualität.

Die prägende Persönlichkeit der Sozialdemokratie in den letzten Jahrzehnten, der langjährige Bürgermeister der Stadt Groß Siegharts und Landtagsabgeordnete Anton Koczur erlag am Donnerstag einem Krebsleiden.

Anton Koczur war trotz seiner schweren Krankheit bis vor wenigen Wochen in der Öffentlichkeit aufgetreten und hatte an Veranstaltungen wie der Eröffnung des neu gestalteten Eingangs zum Sieghartser Park oder an der Eröffnung einer Fotoausstellung im Textilmuseum teilgenommen.

Koczur wurde 1941 geboren, wuchs bei seiner Großmutter in Groß Siegharts auf und erlernte den Beruf des Schlossers. Über die Gewerkschaftsjugend wurde das politische Interesse geweckt. Er besuchte die Sozialakademie der Arbeiterkammer und war anschließend 15 Jahre lang Bezirksgeschäftsführer der SPÖ im Bezirk Waidhofen. 1980 folgte er dem langjährigen Abgeordneten Josef Leichtfried in den NÖ-Landtag, dem er mit einer kurzen Unterbrechung als Bundesrat (1993/94) bis 1999 angehörte. Im Landtag war Koczur als 2. Präsident sowie als Klubobmann der SPÖ tätig.

In die Kommunalpolitik stieg der Verstorbene 1968 als Gemeinderat ein, 1972 wurde er Stadtrat und 1975 Bürgermeister. Diese Funktion übte er 29 Jahre lang aus.

Anton Koczur war von 1995 bis 2006 auch Vizepräsident verschiedener Landesgesellschaften, zum Beispiel der Landes-Wirtschaftsagentur „eco-plus“, er war auch Vorsitzender des Sparkassenrates der Sparkasse der Stadt Groß Siegharts und nach deren Fusion mit der Sparkasse Zwettl Aufsichtsratsvorsitzender dieser Bank.
Von 1995 bis 2003 war Koczur Präsident des Gemeindevertreterverbandes der SPÖ und Vizepräsident des Österreichischen Gemeindebundes. In der Europäischen Union übte Anton Koczur verschiedene Funktionen im Rat der Regionen aus.

Hohe Auszeichnungen als Dank für Arbeit

Als Bürgermeister musste Anton Koczur den Niedergang der Textilindustrie in seiner Heimatstadt und den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze hinnehmen. Er versuchte immer wieder, mit den örtlichen Gewerbebetrieben Aktionen zu starten, um Arbeitsplätze abzusichern. Anton Koczur wurde über Parteigrenzen für seine Handschlagqualität geschätzt. Er war strikter Antialkoholiker und liebte Süßspeisen über alles.

Anlässlich seines 60. Geburtstages wurde der Platz vor dem in seiner Amtszeit erbauten Stadtsaal nach ihm benannt, Groß Siegharts ehrte ihn mit dem Ehrenring und der Ehrenbürgerschaft, außerdem war er Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, des Silbernen Komturkreuzes mit dem Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich, des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik und der großen Viktor-Adler-Plakette der SPÖ. Er war auch Ehrenvorsitzender der SPÖ-Bezirksorganisation Waidhofen.

Anton Koczur wird am Freitag, 22. Juli ab 13.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche Groß Siegharts aufgebahrt und nach einem um 14.30 Uhr stattfindenden Trauergottesdienst verabschiedet. Er hinterlässt seine Gattin und eine erwachsene Tochter.

 

REAKTIONEN ZUM TOD ANTON KOCZURS

„Mit Anton Koczur verliert das Land Niederösterreich einen jahrzehntelangen Wegbegleiter, der sich große Verdienste um unser Bundesland erworben hat. Er war mit Leib und Seele Politiker, der seine ganze Kraft für das Wohl seiner Gemeinde und seines Landes eingesetzt hat. Über parteipolitische Grenzen hinweg ist die Zusammenarbeit immer von gegenseitigem Respekt und dem Willen zum Miteinander getragen gewesen.“
Landeshauptmann Erwin Pröll

„Niederösterreich und die niederösterreichische Sozialdemokratie verlieren mit Anton Koczur einen ihrer ganz großen Kommunalpolitiker der alten Schule. Er war mit seiner wertvollen politischen Erfahrung ein überaus erfolgreicher Sozialdemokrat auf allen politischen Ebenen, er war auch ein sehr liebenswerter Mensch.“
Rupert Dworak, Landtagsabgeordneter und Präsident des SPÖ-Gemeindevertreterverbandes

„Mit Anton Koczur ist ein engagierter Kommunal- und Landespolitiker von uns gegangen, der sich Jahrzehnte mit Leib und Seele für sein Bundesland, seine Gemeinden und für sein geliebtes Waldviertel eingesetzt hat. Anton Koczur gilt als einer der versiertesten Kommunalpolitiker Niederösterreichs, der sich durch seinen Einsatz und sein Engagement für das Land, die Gemeinden und die Menschen große Verdienste erworben hat. Beschäftigung, Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie Europa- und Landespolitik waren vielfältige Politikfelder, derer er sich annahm. Politik darf nicht verwalten, sie muss gestalten. Politik darf keine Ängste schüren, sie muss Ängste abbauen. Diese Sicherheit zu geben war eine zentrale Säule seiner Politik“.
SPÖ Landesvorsitzender Matthias Stadler und Landeshauptmann-Stellvertreterin Karin Renner

„Unserem Bürgermeister außer Dienst, Anton Koczur, lag immer sehr daran, zum Wohle seiner Heimatgemeinde tätig zu sein. Er war ein Politiker mit Handschlagqualität und hat im Rahmen seiner vielfältigen Funktionen vieles Positives bewirkt. Er war ein Garant für den Einsatz am Menschen und half entsprechend seiner sozialpolitischen Einstellung, wo es nur ging.“
Bürgermeister Gerald Matzinger, Nach-Nachfolger von Anton Koczur

„Anton Kozcur war ein Mensch, der sein ganzes Leben in den Dienst der Gemeinschaft gestellt hat. Bereits in jungen Jahren hat er sich engagiert und auch verantwortungsvolle Funktionen übertragen bekommen. Es gibt sehr wenige aus unserem Bezirk, die auf so lange Tätigkeit als Bürgermeister und Abgeordneter zurückblicken können. Auch die Funktion eines Klubobmannes im Landtag und des 2. Präsidenten waren eine Auszeichnung für seine Tätigkeit. Über die Parteigrenzen hinweg ist ihm dafür noch einmal zu danken, auch für seine Bereitschaft zur guten und förderlichen Zusammenarbeit. Sehr vieles im Leben kann man abwenden oder verändern, bestimmte Krankheiten und den Tod aber nicht. Das müssen wir alle akzeptieren. Seinen Angehörigen möchte ich namens der ÖVP Waidhofen unsere tiefe Anteilnahme zum Ausdruck bringen.
Eduard Köck, Bezirksobmann der ÖVP