Erstellt am 02. August 2016, 06:37

Duell um die ORF-Spitze. Der Kremser Richard Grasl ist der Herausforderer von Alexander Wrabetz.

Am 9. August entscheidet sich, wer die kommenden fünf Jahre den ORF am Küniglberg als Generaldirektor führen wird.  |  NOEN, ORF

Die Zeit der gemeinsamen Auftritte ist vorbei, seit der Kremser Richard Grasl bekannt gegeben hat, dass er am 9. August gegen Alexander Wrabetz um das Amt des ORF-Generaldirektors in den Ring steigen wird. Seither herrscht eisige Stimmung am Küniglberg. Seither ist auch klar, dass es dabei nicht nur um zwei unterschiedliche Personen, sondern auch um zwei unterschiedliche Konzepte gehen wird.

Der Wiener Alexander Wrabetz war erst nach mehreren Stationen im ORF gelandet, wo er 2006 zum Nachfolger von Monika Lindner als ORF-General gewählt wurde. Der Niederösterreicher Richard Grasl studierte zwar Ökonomie, schlug aber zuerst eine journalistische Laufbahn ein. Als Moderator im NÖ Landesstudio, dann als Redakteur der ZIB 2 und zuletzt als Chefredakteur in St. Pölten, ehe er 2009 kaufmännischer Direktor im ORF wurde, wobei er diesen wieder in schwarze Zahlen führte.

Wo die Konzepte der beiden vor allem divergieren, sind die Führungsstruktur und der Umgang mit dem Informationsbereich. Bezüglich der Führung will Wrabetz beim jetzigen System der Alleingeschäftsführung bleiben, während Richard Grasl einen Vorstand im ORF implementieren will, „der gemeinsam entscheidet, wo nicht einer alles allein unterschreiben kann.“

Knackpunkt Information und Weisungsrecht

Bezüglich des Bereichs Information wollen beide keinen zentralen Informationsdirektor. Während aber Alexander Wrabetz die Informationsfäden letztendlich bei sich selbst zusammenlaufen sieht, sind bei Grasl Informationsdirektoren für TV, Radio und Online verantwortlich – mit jeweiligen Chefredakteuren. Ein direktes Weisungsrecht vom Generaldirektor will er nicht: „Ich will haben, dass das völlig unabhängig ist, und kündige in meiner Bewerbung an, auf das Weisungsrecht in journalistischen Fragen zu verzichten.“ Wrabetz will eine Channel-Struktur, mit eigenen Verantwortlichen für die einzelnen Kanäle: „Dadurch wird ein Höchstmaß an pluralistischen Zugängen sichergestellt“, heißt es in seiner Bewerbung.

Während Alexander Wrabetz allerdings die ORF-Information „als kritisch und konstruktiv“ lobt, sieht Richard Grasl schon auch Verbesserungspotenzial. „Ich denke, man muss sich Kritik generell stellen und auch die Zahlen analysieren“, heißt es in seiner Bewerbung. Wobei für ihn auch klar ist, dass die Information wieder ein stärkeres Gewicht in der Geschäftsführung braucht. Das habe sich zuletzt bei Themen wie Brexit, Türkei, Anschlag in Nizza oder Amoklauf in München gezeigt.

Öffentlich werden die beiden ihre Ansätze am 8. August auf ORF III bekannt geben.

Zur ORF-Wahl

  • Acht Bewerbungen: Am 28. Juli war Schluss für die offizielle Bewerbung. Danach hat ORF-Stiftungsratsvorsitzender Dietmar Hoscher die Namen jener Personen bekannt gegeben, die ORF-General werden wollen. Neben Alexander Wrabetz und Richard Grasl sind es noch Georg Anton, David Küblböck, Karl Maihoroff und Günter Ofner. Dazu gab es noch zwei vertrauliche Bewerbungen. Theoretisch können Stiftungsräte Nachnominierungen einreichen.
  • Der Stiftungsrat: Am 9. August wählen die 35 Stiftungsräte den neuen Generaldirektor. In offener, nicht geheimer Abstimmung. Abgestimmt wird nur über Personen, die auch am offiziellen Hearing teilgenommen haben. 18 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig. Falls es durch Enthaltungen eine Pattstellung mit jeweils gleich vielen Stimmen gibt, hat Vorsitzender Hoscher das Dirimierungsrecht. Er entscheidet dann, wer neuer Genderaldirektor wird. Von SPÖ und ÖVP werden jeweils 13 Stiftungsräte gestellt. Dazu haben FPÖ, Grüne, Neos und Team Stronach je einen Stiftungsrat. Der von BZÖ/FPK bestellte Kärntner Stiftungsrate sowie vier Unabhängige komplementieren das Gremium.
  • Präsentation der Bewerber: Bereits am 8. August werden sich alle Bewerber präsentieren. Übertragen wird das von ORF III. Am 9. August ist dann das offizielle Hearing vor dem Stiftungsrat nicht öffentlich. Die fünfjährige Amtsperiode des neuen Generaldirektors beginnt am 1. Jänner 2017. Die Landesdirektoren wählt der Stiftungsrat am 15. September.