Erstellt am 05. April 2016, 07:24

von Martin Gebhart

"Mann aus dem Volk". Bundespräsidentschaftskandidat Richard Lugner über seinen politischen Standort und die Landeshauptleute.

 |  NOEN, APA/HERBERT NEUBAUER

NÖN: Herr Lugner, wer - glauben Sie - werden Ihre Wähler sein? Welchem Parteikandidaten nehmen Sie die Stimmen weg?
Lugner: Meine Wähler hinterfragen und kritisieren die derzeitige politische Situation in diesem Land. Sie sind Zeugen einer Politik des Stillstands und sehen meine Kandidatur als Möglichkeit, um endlich etwas zu verändern und zu verbessern.

Wie ordnen Sie sich selbst politisch ein?
Ich glaube nicht an politische Lager, sondern daran, dass die Politik die Aufgabe hat, Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu finden. Zuordnungen wie links, rechts, liberal oder konservativ sind temporär und äußerst flexibel. Zum Vergleich: Vor einem Jahr galten kritische Statements gegenüber der Grenzöffnung noch rechtspopulistisch. Dann führte man Obergrenzen ein und setzt vorübergehend Schengen außer Kraft. Heute ist das Sozialdemokratie.

Was ist für Sie ein guter Bundespräsident?
Der Bundespräsident beziehungsweise die Bundespräsidentin sollte ein Mann oder eine Frau aus dem Volk sein. Darüber hinaus ist echte Unabhängigkeit eine Grundvoraussetzung. Sämtliche meiner Mitstreiter haben ihre Karriere lang ihren üppigen Gehalt vom Steuerzahler finanziert bekommen. Ich habe 60 Millionen Euro Steuern bezahlt. Ein Bundespräsident sollte wissen, was es bedeutet, Steuern zu zahlen. Das schafft eine Sensibilität für die Anliegen der Bürger.

Es gibt immer wieder Konflikte zwischen Bund und Ländern. Welche Rolle sollen für Sie die Bundesländer und die Landeshauptleute spielen?
Ich bin ein Verfechter des Föderalismus und ich glaube nicht, dass wir etwas an der Teilung der Kompetenzen verändern sollten. Dennoch gehören die Landeskaiser etwas eingeschränkt, dass sie der Bundesregierung nicht weiter auf der Nase herumtanzen.

Als Bundespräsident wären Sie auch Oberbefehlshaber des Bundesheeres. Was müsste Ihrer Meinung nach beim Heer geändert werden?
Das Bundesheer benötigt ein größeres Budget, um gut ausgerüstet eine adäquate Grenzsicherung zu gewährleisten.

Womit wollen Sie beim Wahlkampf um den Sitz in der Hofburg überzeugen?
Der persönliche Kontakt ist meine größte Stärke. Dazu die Rolle als aktiver, unabhängiger Bundespräsident, der die Kontrolle der Regierung ernst nimmt.