Erstellt am 13. Oktober 2015, 05:02

von Martin Gebhart

SP muss sich bei Häupl bedanken. Trotz eines Verlustes bleibt SPÖ klar die Nummer 1 vor der FPÖ. Die ÖVP rutscht unter die 10-Prozent-Marke.

Doppelter Jubel am Wahlabend: Michael Häupl (SPÖ) über den klaren Platz Eins und Heinz-Christian Strache (FPÖ) über die Zugewinne.  |  NOEN, APA

Michael Häupl bleibt Bürgermeister in Wien. Mit geballter Faust unterstrich der SPÖ-Politiker das am Sonntag bei der ORF-Runde der Wiener Spitzenkandidaten. Zuvor hatten ihm die Hochrechnungen einen deutlichen Vorsprung zur FPÖ bescheinigt, auch wenn seine Partei einen Verlust von fast fünf Prozent verkraften muss. Heinz-Christian Strache konnte zwar über einen deutlichen Zugewinn jubeln, musste seinen Bürgermeisteranspruch aber wieder einmal schubladisieren.

Das Duell hatte die politischen Mitbewerber in den Schatten gestellt. Die Grünen konnten ihr Ergebnis nicht ganz wiederholen, die ÖVP stürzte auf den vierten Platz ab. Die NEOS feierten, weil sie den Einzug ins Landesparlament deutlich geschafft haben.

Aufatmen konnte vor allem auch SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann, weil ihm dieses Ergebnis nicht in Bedrängnis bringt. Er bedankte sich auch sofort öffentlich bei Michael Häupl. Er habe in schwierigen Zeiten einer Wirtschafts- und Flüchtlingskrise ein beachtliches Ergebnis erzielt. Faymann: „Umarmt habe ich ihn schon.“ Und auf Bundesebene werde man in der Frage der Flüchtlinge weiter Haltung zeigen, so der Kanzler. Schwieriger hatte es sein ÖVP-Gegenüber. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner trat am Wahlsonntag erst relativ spät vor die Kamera und kündigte eine Neuaufstellung der ÖVP-Wien an, „sowohl personell als auch strukturell“. Zu diesem Zeitpunkt war Spitzenkandidat Manfred Juraczka bereits zurückgetreten. Mittlerlehner: „Die ÖVP Wien ist nicht erst seit heute das größte Sorgenkind der ÖVP.“

Gernot Blümel folgt in Wien auf Juraczka

Montagvormittag setzte Mitterlehner seine Ankündigung bereits in die Tat um: Er bestätigte, dass der Niederösterreicher Gernot Blümel der Nachfolger Juraczkas werden soll. Deswegen tagt der Vorstand der Landespartei bereits am Montag (nach Redaktionsschluss, Anm.) und nicht wie geplant am Dienstag. Der 33-jährige Moosbrunner Blümel war bisher Generalsekretär der Bundes-ÖVP, diese Funktion wird er abgeben.

Schon am Wahlabend forderten die Grünen, dass die rot-grüne Koalition in Wien fortgesetzt wird. Wobei Spitzenkandidatin Maria Vassilakou eigentlich angekündigt hatte, dass sie bei einem Verlust zurücktritt. Bei der Feier im Volksgarten war da in der Nacht dann wenig zu hören. Die FPÖ feierte in einem Partyzelt, wobei klar sofort war, dass Heinz-Christian Strache nun als Mandatar im Bund bleiben wird. Als zukünftigen Wiener FPÖ-Bürgermeister nannte er Johann Gudenus.

Übrigens: Michael Häupl war am Abend nach der Wahl nicht nur zum Feiern zumute. Er schlug bei seinen Dankesworten auch selbstkritische Töne an: „Dieses Wahlergebnis ist auch ein Auftrag an uns, ganz energisch darüber nachzudenken, ob das, wie wir die politische Arbeit der Sozialdemokratie machen, wirklich das Nonplusultra ist, oder ob wie doch da oder dort noch etwas besser machen können.“ Das wurde auch als Fingerzeit in Richtung Bund gedeutet.

Anmerkung: Die politische Analyse von Thomas Hofer zur Wien-Wahl finden Sie in der Mitte dieser NÖN-Ausgabe auf der Seite NÖ-4.
 


 

Reaktionen aus Niederösterreich

„Wenn einer ein Duell und der andere eine Oktober-Revolution ausrufen und beides nicht stattfindet, dann hat es der Dritte nicht ganz leicht. Und die Grünen sind in der Regierung offensichtlich nicht gewollt. Kein Wunder, wenn man am Wahlabend das Versprechen vergisst, nämlich bei einem Minus zurückzutreten, wie das die Spitzenkandidatin getan hat.“
Gerhard Karner, ÖVP-Landesgeschäftsführer

„Straches Lebenstraum vom Wiener Bürgermeister konnte auch nach dem dritten Anlauf nicht realisiert werden. Die Geradlinigkeit des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl hat Strache verhindert, es ist aber klar, dass die SPÖ bei dieser Wahl viele geliehene Stimmen bekommen hat, die den Stracheverhinderer Häupl gewählt haben! Deshalb kann für die SPÖ das Weiterwurschteln auf allen Ebenen keine Zukunftsstrategie darstellen.“
Robert Laimer, SPÖ-Landesgeschäftsführer

„Wir sind absolut erfreut. Es ist historisch unser bestes Ergebnis in Wien. Außerdem haben wir jetzt die Sperrminorität im Wiener Parlament, sodass Landesverfassungsgesetze wie das Ausländerwahlrecht nicht beschlossen werden können. Wir fühlen uns auch durch diesen Wahlerfolg in unserem Weg in Richtung Landtagswahl 2018 bestätigt.“
Christian Hafenecker, Sprecher der FPÖ-Landespartei

„Wegen des Duells Häupl gegen Strache konnten wir medial nicht so durchdringen. Wir freuen uns dennoch, dass wir uns in Wien sehr gut gehalten haben. Wir möchten natürlich, dass die rot-grüne Arbeit in Wien fortgesetzt wird.“
Hikmet Aslan, Landesgeschäftsführer der Grünen

„Es ist für uns ein großartiger Erfolg, auf den wir aufbauen können. Wir sind guten Mutes, dass wir das 2018 auch in Niederösterreich schaffen werden. Auch da haben wir unsere Hochburgen, vor allem rund um Wien, auf die wir setzen. Wien hat gezeigt, wie es geht.“
Nikolaus Scherak, Landessprecher der NEOS