Erstellt am 24. November 2015, 04:53

von Mario Kern

"Wir schauen uns das an". Landeshauptmann Erwin Pröll kümmerte sich am Telefon um die Anliegen von Bürgern aus dem Zentralraum. In allen Fällen sagte er eine Prüfung zu.

Ein Ohr für die unterschiedlichen Sorgen und Nöte der Anrufer hatte Landeshauptmann Erwin Pröll bei der Telefonsprechstunde im Büro der NÖN-Zweigstelle in der Landeshauptstadt.  |  NOEN, Foto: Nadja Straubinger

Vielfältig waren die Bedürfnisse der Anrufer, die im Rahmen der Telefon-Sprechstunde in der St. Pöltner NÖN-Zweigstelle bei Landeshauptmann Erwin Pröll vorstellig wurden: Sorgen um die karge Landschaft, Bedenken wegen eines Windrads, Ohnmacht über eine zu geringe Pflege-Einstufung und Kummer wegen arbeitsloser Kinder oder Enkerl.

Ihren Unmut über Baumschnitte im Bereich der Pottenbrunner Bahntrasse und die Verkahlung der Landschaft entlang der Straße nach Böheimkirchen tat eine Pottenbrunnerin kund: „Und die kleinen Birnbaumerl, die nachgepflanzt wurden, sind doch wirklich kein Ersatz.“ Für den Straßendienst sei er selbst verantwortlich, antwortete der Landeshauptmann. „Ich lasse mir einen Bericht kommen, weil ich das schon ernst nehme.“

Der Erhalt der niederösterreichischen Landschaft sei ein wichtiger Punkt für die Zukunft. Zur Anruferin meinte Pröll anerkennend: „Bleiben Sie weiterhin so aufmerksam!“ Nach dem Gespräch wurde bereits eine rasche Prüfung in Aussicht gestellt – mit der Pottenbrunnerin, die ihre Ansichten einbringen darf.

„Windrad ist mir lieber als Atomkraftwerk“

Ebenfalls um die Landschaft besorgt ist ein Bürger aus Sitzenberg-Reidling. An der Grenze zu Traismauer soll ein Windrad errichtet werden – das ist dem Anrufer ein besonderer Dorn im Auge. Der Landeshauptmann solle verhindern, dass die gesamte Landschaft mit Windrädern zugepflastert wird. Im vorliegenden Fall handelt es sich um drei Hektar Wald, die gerodet und durch 50.000 Kubikmeter Beton ersetzt werden sollen. Prölls klare Worte: „Ein Windrad ist mir aber schon noch lieber als ein Atomkraftwerk. Und den Strom brauchen wir nun einmal.“

Nachdem der Sitzenberger entgegnete, es habe bereits eine Volksbefragung gegeben, die für die Windkraft ausfiel, entgegnete Pröll: „Verlangen Sie bitte nicht vom Landeshauptmann, sich über eine Volksabstimmung hinwegzusetzen.“ Mit dieser seien die Abstimmenden aber getäuscht worden, weil eine Umweltverträglichkeitsprüfung versprochen, aber nie durchgeführt wurde. „Wenn eine solche versprochen wurde, dann schaue ich mir das natürlich gerne an“, sagte der Landeshauptmann zu.

In Pyhra wiederum hat ein Grundstücksbesitzer insgesamt 1.000 Quadratmeter Aushubmaterial auf zwei Grundstücken verteilt, um Geländeunebenheiten zu beseitigen. Der Pyhringer sieht die beiden Areale als Einzelflächen, die Bezirkshauptmannschaft als eine einzige. Der Eigentümer wurde mit einer Strafe bedacht.

„Per Gaudi schreibt ein Beamter der BH so etwas nicht vor“, betonte Erwin Pröll. Aber auch hier sagte er zu, den Fall zu prüfen.

„Wir werden uns um den Fall kümmern“

Ernst wurde der Landeshauptmann bei einem Pflegefall in St. Veit an der Gölsen: Eine St. Veiterin hatte bereits im März ihren Job aufgegeben, um ganz für ihre pflegebedürftige, 76-jährige Mutter da zu sein. „Sie ist dement, zuckerkrank, kann nicht selbst aufstehen, nicht gehen“, berichtet die Anruferin. „Und dennoch bleibt sie in der Pflegestufe fünf. Unser Ansuchen nach Erhöhung wurde abgelehnt.“

Auch ein Einspruch habe nichts bewirkt. Das besonders Schwierige an der Situation: „Weil ich nicht arbeiten kann, um sie nicht alleine zu lassen, habe ich kein Einkommen. Vorher habe ich flexibel gearbeitet, um schnell wieder nach Hause zu meiner Mutter zu kommen.“ Der Fall ging dem Landeshauptmann sichtlich nahe: „Ich verspreche Ihnen, dass wir uns um diesen Fall kümmern werden.“

„Na, das ist aber eine besorgte Omi,
die da für ihre Enkeltochter
beim Landeshauptmann anruft.“
Erwin Pröll

Zuguterletzt sorgten sich noch zwei NÖN-Leser um Sohn und Enkeltochter: Ein St. Pöltner äußerte seinen Kummer über seinen 31-jährigen Sohn, der als studierter Raumplaner keinen Job findet. „Er ist flexibel, er macht Kurse, er hat zig Bewerbungen geschrieben. Alles erfolglos.“ Der Arbeitsmarkt sei leider ein knapper, sein Büro werde aber mit dem Raumplaner Kontakt aufnehmen und eine Möglichkeit prüfen.

Eine Gutenbrunnerin wiederum setzte sich für ihre 25-jährige Enkeltochter ein: Sie bat den Landeshauptmann um eine Stelle beim Land. „Sie hat Raumplanung gelernt und arbeitet jetzt in einem Modegeschäft. Glücklich macht sie das nicht, sie würde so gerne beim Land arbeiten.“ Als der Landeshauptmann wissen wollte, warum die Enkelin nicht gleich selbst anrufe, fragte die Gutenbrunnerin: „Geht denn das?“ Pröll darauf: „Es wäre so einfach gegangen, wie Sie das jetzt auch machen.“

Nachdem die Dame meinte, die 25-Jährige verfasse seit eineinhalb Jahren Bewerbungsschreiben, sagte Pröll eine Einladung in sein Büro zu. „Sie soll aber alle Bewerbungsschreiben mitnehmen!“ Nach dem Telefonat meinte Erwin Pröll anerkennend: „Na, das ist aber eine besorgte Omi.“