Erstellt am 02. März 2015, 09:05

von Gerti Süss und Martin Gebhart

Wirtschaftsbund verliert 5,76 Prozent. Zugewinne für sozialdemokratische, grüne und freiheitliche Fraktion. VP-nahes Team rund um Sonja Zwazl konnte Platz eins trotzdem erfolgreich verteidigen.

Wirtschaftskammerpräsidentin und Landesobfrau des Wirtschaftsbundes Sonja Zwazl (M.) mit den übrigen Fraktionsleitern nach dem Verkünden des Wahlergebnisses: Christian Schrefel (Grüne), Elisabeth Ortner (RfW), Günter Ernst (SWV) und Michaela Prehofer (UNOS) sowie Landeshauptmann Erwin Pröll und Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav, die ebenfalls nach der Auszählung in die Wirtschaftskammer kamen.  |  NOEN, Erich Marschik
Wirtschaftskammerpräsidentin Sonja Zwazl ist immer für Überraschungen gut. So verblüffte sie am Freitag in der Wirtschaftskammer in St. Pölten alle Anwesenden, als sie strahlend mit dem Satz „So sehen Sieger aus“ auf Landeshauptmann Erwin Pröll zuging. Dabei war zu diesem Zeitpunkt klar, dass ihr Wirtschaftsbund diesmal rund 5,7 Prozent verloren hatte.

"Kein Grund für weinendes Auge“

Aber: Bei den diesmal viel schwierigeren Rahmenbedingungen habe sie mit ihrem Team erneut die 70-Prozent-Hürde klar übersprungen, der Wirtschaftsbund stellt weiterhin in alle Sparten mit absoluter Mehrheit die Obfrau oder den Obmann. Zwazl: „Deswegen gibt es für mich bei dem Ergebnis auch überhaupt keinen Grund für ein weinendes Auge.“

Schwierig war das Umfeld vor allem wegen der wirtschaftlichen Situation, der Debatte über die Raucher in der Gastronomie und einer neuen starken Wählergruppe, den 24-Stunden-Pflegern (selbstständige Personenbetreuer), die in der Kammer Unterschlupf gefunden haben.

Wahlbeteiligung 42,6 Prozent

Mit 72,87 Prozent zählt der Wirtschaftsbund NÖ auch weiterhin zu den drei stärksten Landesorganisationen. Mit einer Wahlbeteiligung von 42,6 Prozent – Wirtschaftsbunddirektor Harald Servus: „Damit bin nicht ganz zufrieden!“ – liegt man am dritten Platz im Österreich-Ranking. Wobei NÖ die meisten Pflegekräfte, die größtenteils ihren Wohnsitz im Ausland haben, aufweist.

Zufrieden zeigten sich beim Zusammentreffen in der Wirtschaftskammer auch die Vertreter der übrigen Listen. Speziell Günter Ernst von den Sozialdemokraten stieß schon nachmittags darauf an, dass man die 10-Prozent-Marke geschafft hatte.

Ein besonderer Gewinner war Mario Pulker von der Sparte Gastronomie. Er hatte mit viel Gegenwind zu kämpfen, weil gerade jetzt die Debatte um das Rauchen in der Gastronomie aufgeflammt war. Pulker trat entschieden dagegen auf und punktete damit. Pulker: „Es ist eine Ochsentour gewesen.“

Reaktionen der Listenführer:

„Wir sind weiter eine starke Stimme der Wirtschaft. Wir haben das geschafft, weil wir ein tolles Team sind. Es gibt aber auch ein Leben nach der Wahl, und das beginnt jetzt. Jetzt wird wieder fleißig gearbeitet.“
Sonja Zwazl (Wirtschaftsbund)

„Ich freue mich wahnsinnig, denn dieses Ergebnis bringt zum Ausdruck, wie wichtig die soziale Absicherung der Unternehmer ist. Wir hatten zwei Ziele: Den zweiten Platz zu halten und zweistellig zu werden. Beides haben wir geschafft, und das ist ein klares Zeichen dafür, dass wir mit unserer Wirtschaftspolitik richtig liegen.“
Günter Ernst (Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband)

„Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Der RfW hat Stimmen und Mandate gewonnen. Dass der Wirtschaftsbund die absolute Mehrheit des WB verteidigt, war – denke ich – allen Realisten klar. Dennoch sieht man an diesem Ergebnis, dass die Kammer bunter geworden ist und immer mehr Gegengewicht erzeugt wird, denn Wirtschaftskammer ist nicht gleich Wirtschaftsbund.“
Elisabeth Ortner (Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender)

„Wir sind hoch erfreut über dieses Ergebnis und den Zuwachs. Wir haben stimmenmäßig am meisten zugelegt. Dieses Ergebnis ist ein Zeichen für die Demokratisierung in der Kammer, und wir werden das nützen, um uns in den Fachgruppen noch mehr einzubringen.“
Christian Schrefel (Grüne Wirtschaft Niederösterreich)

„Wir sind in drei Fachgruppen angetreten und drin. Bei den Unternehmensberatern haben wir 13 Prozent bekommen. Für das erste Antreten ist das ein wirklich respektables Ergebnis.“
Michaela Prehofer (Unternehmerisches Österreich – UNOS)


Zur Wahl:

93.683 Wahlberechtigte hat es bei der Wirtschaftskammerwahl 2015 gegeben. 35.444 davon sind weiblich, 37.934 männlich. 21,7 Prozent der Wahlberechtigten, nämlich 20.305 Menschen sind juristische Personen.

m Die höchste Wahlbeteiligung hat es vergangene Woche im Bezirk Waidhofen/Thaya mit 77,67 Prozent sowie im Bezirk Hollabrunn mit 70,74 Prozent gegeben. Am niedrigsten war die Wahlbeteiligung in den Bezirken Baden (26,76 Prozent) und Wiener Neustadt (29,89 Prozent).