Erstellt am 26. Juli 2016, 05:00

von Martin Gebhart

Wie die Flüchtlings-Integration gelingen soll. Ab sofort werden die verschiedensten Integrationsbemühungen rund um Flüchtlinge besser koordiniert.

Der Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge ist für die Integration entscheidend. Auch dieser Bereich soll von nun an gezielter umgesetzt werden.  |  APA/Nlk

„De facto ist jeder gezwungen, sich dort einzubringen.“ ÖVP-Landesrat Karl Wilfing steht jener Gruppe von Politikern, Interessensvertretern und Institutionen voran, der es gelingen soll, dass die Integration der Asylberechtigten in Niederösterreich funktioniert. Im Juli hat man sich ein erstes Mal getroffen, um den Integrationsplan zu besprechen. In zwei Jahren soll die erste Bilanz gezogen werden.

Wilfing ist vorerst zufrieden: „Es ist hervorragend angelaufen. Es geht darum, dort, wo Schwierigkeiten auftreten, gemeinsame Lösungen zu finden.“ Sprich: Sieben Arbeitskreise sind eingerichtet worden. Die Themen reichen vom Wohnen über Sprache und Werte, Soziales, Gesundheit, Arbeit, Beruf und Bildung bis hin zu Gesellschaft und Freizeit beziehungsweise den Bereich Daten, Recht und Behörden.

In der Leitungsgruppe sind alle Regierungsmitglieder bis auf Klub-Frank-Landesrat Tillmann Fuchs sowie Gemeinde- und Städtebundvertreter, AMS-Landeschef Karl Fakler und die Präsidenten der NÖ Wirtschaftskammer und NÖ Arbeiterkammer vertreten. Jedes Mitglied der Landesregierung muss in seinem Ressort weiterhin die Flüchtlingsagenden wahrnehmen, soweit sie ihn betreffen. Neu ist, dass es darüber eben noch ein Abstimmungsgremium gibt.

Deutschkurse nun besser koordiniert

Am Beispiel der Deutschkurse für Asylwerber oder Asylberechtigte zeigt sich, wie es funktionieren soll. Bislang haben der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF), das Bildungs- und Heimatwerk (BHW) sowie viele ehrenamtliche Gruppen diesen Unterricht angeboten. Künftig wird sich das BHW nur noch um den ehrenamtlichen Bereich kümmern. Für die zertifizierten Deutschkurse sind der ÖIF und das Arbeitsmarktservice (AMS) zuständig.

Der Arbeitsmarkt ist überhaupt der zentrale Schlüssel zum Gelingen der Integration. Karl Fakler: „Unsere Aufgabe ist es, Personen mit Arbeitsmarktzugang so rasch es geht, ins Erwerbssystem zu integrieren, um sie von Beziehern von Sozialleistungen zu aktiven Einzahlern in das Arbeitslosenversicherungssystem zu machen.“

Angeboten wird vom AMS dazu ein Kompetenzcheck, mit dem bereits erworbene Qualifikationen festgestellt werden, um entweder die Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern oder den dafür notwendigen individuellen Schulungsbedarf abzuklären. Der Kompetenzcheck ist an den Standorten Amstetten, Gmünd, St. Pölten, Wiener Neustadt und Wien 21 für das Weinviertel für Asylberechtigte bzw. subsidiär Schutzberechtigte möglich.

VP-Landesrat Karl Wilfing koordiniert die Integrationsmaßnahmen in Niederösterreich.  |  APA/Nlk

Implementiert werden in alle AMS-Kurse die Werte- und Orientierungsschulungen des ÖIF. Dazu stellt der ÖIF Trainer und Dolmetscher für acht Unterrichtseinheiten pro Kurs zur Verfügung. Das Kursangebot ist in diesem Bereich mittlerweile sehr vielfältig. So werden in St. Pölten und Wiener Neustadt junge Frauen mit Migrationshintergrund so trainiert, dass sie am Ende österreichisches Pflichtschulniveau erreichen.

In St. Pölten können auch junge Männer den Pflichtschulabschluss nachholen. Weitere Angebote sind ein Freiwilliges Integrationsjahr für Asylberechtigte, ein Unterstützungsangebot oder verschiedene Vorbereitungskurse auf einen Berufseinstieg.