Erstellt am 03. November 2015, 05:22

von Anton Johann Fuchs

450 Projekte für Hochwasserschutz. 1,12 Milliarden Euro haben Hochwässer seit 2002 an Schäden verursacht. Seither wird an Schutzmaßnahmen gearbeitet.

Aufatmen im Kamptal: (v. l.) Vizebürgermeister Reinhard Polsterer (Grafenwörth), Bürgermeister Franz Brandl (Gedersdorf), Landesrat Stefan Pernkopf, Heinz Stummer (Obmann Kamptalverband), Bürgermeister Anton Pfeifer (Grafenegg) und Bürgermeister Gerhard Tastl (Rohrendorf).  |  NOEN, zvg
Rund 700 Objekte im Einzugsgebiet des Kamp-Unterlaufes sind nun vor einem hundertjährlichen Hochwasser geschützt. Der Monsterbau wurde nach langwierigen Planungen 2008 gestartet und am Freitag seiner Bestimmung übergeben.

Der Kamp ist nur ein Teil in der langen Kette: Seit dem Katastrophenhochwasser 2002 wurden 450 Hochwasserschutz-Projekte realisiert, bis 2023 sollen noch weitere 185 Projekte umgesetzt werden, 122 sind bereits in der Bauphase. Die Kosten teilen sich Bund, Land und Gemeinden.

Heikel: Schutzbauten im Weltkulturerbe

„Eine besondere Herausforderung stellt der Hochwasserschutz in der Wachau dar“, sagt Umweltlandesrat Stephan Pernkopf: Im Weltkulturerbe gelten besondere Ansprüche an das Orts- und Landschaftsbild. Bei der Planung der Sockelmauern für die mobilen Schutzwände sei es optimal gelungen, Hochwasserschutz und Weltkulturerbe zu verbinden: „NÖ hat hier im internationalen Vergleich eine Vorreiterrolle übernommen“, ist Pernkopf stolz.

Beim Donauhochwasser 2013 haben sich die bisherigen Maßnahmen bewährt und größere Schäden verhindert. Marbach wurde damals geflutet: Die Bundes- und Landesgenehmigungen sowie die Finanzierungszusagen liegen bereits vor, die Gemeinde führt als Projektträger derzeit Detail- und Ausführungsplanungen als Grundlage für das Vergabeverfahren durch. „Klar ist jedenfalls: Vorsorge ist besser als die Sorge vor dem nächsten Hochwasser“, betont Landesrat Pernkopf: „Niederösterreich investiert daher sowohl in den technischen Hochwasserschutz mit Dämmen und Schutzwällen wie am Unterlauf des Kamps als auch in die Renaturierung, mit der wir den Flüssen wieder mehr Raum geben. Das hilft nicht nur Flora und Fauna, sondern hält im Hochwasserfall auch Wassermassen zurück.“

Maßnahmen sind kein garantierter Schutz

Trotzdem: Dämme können brechen, Überströmungen sind bei Extremereignissen nicht ausgeschlossen: Das Land hat daher seit 2002 das Hochwasser-Prognosesystem massiv ausgebaut. Auf den Internetseiten des Landes werden bei 84 Pegelmessstellen Wasserstände und Durchflüsse rund um die Uhr angezeigt, bei 19 Messstellen sind auch Prognosen für die nächsten 24 Stunden, an der Donau sogar bis 48 Stunden im Voraus möglich.

In vielen Gemeinden wurden auch bereits Katastrophenschutzpläne ausgearbeitet, die genaue Anweisungen enthalten, wer im Hochwasserfall was zu tun hat, wie Aufbau von Sandsäcken, Evakuierungen oder die Sicherung von Öllagern. Diese Pläne werden vom Land mit zwei Dritteln der Kosten gefördert. www.noe.gv.at/Umwelt/Wasser/Hochwasserschutz

Große Hochwasserereignisse seit 2002:

  • 2002: 680 Millionen Euro Schaden (Donau, Krems, Kamp, Thaya, Lainsitz, Url ...)

  • 2006: 100 Millionen Euro Schaden (Thaya und March)

  • 2009: 105 Millionen Euro Schaden (Ybbs, Kleine Erlauf, Melk/Mank, Perschling, Leitha ...)

  • 2013: 100 Millionen Euro Schaden (Donau)