Erstellt am 06. Oktober 2015, 06:27

von Heinz Bidner

„Es geht dabei ums Geld“. Konsumentenschützer wollen Vergleich mit VW. Schon 700 Betroffene aus NÖ registriert.

Falsche Abgaswerte bei den Marken des VW-Konzerns und unrealistische Spritverbrauchsangaben bei allen Fahrzeugen beschäftigen Autobranche und Konsumenten gleichermaßen.  |  NOEN, fabiodevilla/Shutterstock.com

Zuerst der Skandal um manipulierte Schadstoffausstoß-Messungen beim VW-Konzern. Dann die aktuelle Studie des Forschungsinstituts ICCT, wonach die Lücke zwischen dem realen Spritverbrauch und den Herstellerangaben in den letzten 13 Jahren EU-weit von acht Prozent auf 38 Prozent gewachsen ist.

Die Autobranche kommt damit seit zwei Wochen nicht zur Ruhe. Und die Konsumenten werden damit verunsichert, welchen Angaben der Autohersteller sie noch glauben dürfen.

Wolfgang Schirak, Obmann des Fahrzeughandels in der Wirtschaftskammer NÖ, relativiert: „Es war schon immer klar, dass der Spritverbrauch der Fahrzeuge unter genormten Bedingungen, die die EU vorgibt, getestet wird. Dass sich dieser im Echtbetrieb anders darstellt, ist ja nicht wirklich etwas Neues.“ Ein anderes Testverfahren unter neuen Parametern sei aber geplant.

Schirak warnt angesichts des Abgas-Skandals, gleich die ganze Branche an den Pranger zu stellen. Mit Verkaufsrückgängen rechnet er indes kaum, weil die Menschen Autos für ihre Mobilität brauchen würden.

Ob die Konsumenten bei Käufen seltener zu Marken von Branchenprimus VW greifen und andere Marken profitieren werden, könne er nicht voraussagen. Klar sei, dass die Fahrzeuge von VW sicherheitstechnisch nicht beeinträchtigt wären.

Während man bei der Arbeiterkammer NÖ bislang kaum Anfragen zum VW-Skandal verzeichnete, hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) eine Initiative gestartet. Er bietet Betroffenen an, sich an einer kostenlosen Sammelaktion zur Prüfung von Schadenersatzansprüchen gegen VW zu beteiligen ( www.ver braucherrecht.at).

„Wir sammeln jetzt einmal, vom Klagen ist noch keine Rede“, erklärt VKI-Rechtschef Peter Kolba. So können sich die Autofahrer beim Verein anmelden und werden mit Informationen über den weiteren Verlauf versorgt. Bis Freitag vergangener Woche hatten sich bereits rund 7.700 Personen registriert – über 700 davon aus NÖ.

Vor Sammelklage wird auf Vergleich gehofft

„Wir müssen erst einmal rechtlich klären, was man einklagen kann“, sagt Kolba. Und ob man sich als europäischer Konsument an einer amerikanischen Sammelklage beteiligen könne. Der VKI vernetzt sich dazu mit anderen Verbraucherschützern in Europa.

„Zuerst werden wir wohl einen Vergleich mit VW versuchen“, blickt Kolba voraus. Als Schadenersatz für die betroffenen Konsumenten würde man sich aber nicht mit einem Software-Update für die Fahrzeuge abspeisen lassen. „Es geht dabei ums Geld“, stellt er klar. Sollte solch eine rasche Lösung nicht gelingen, werde man eben auf eine Sammelklage setzen.

Käufer der betroffenen Fahrzeuge können laut VKI Schäden unterschiedlicher Art treffen. So könnten sie einen höheren Preis für ein „umweltfreundliches“ Fahrzeug gezahlt haben. Auch könnte die Finanz eine höhere Normverbrauchsabgabe nachfordern. Oder sie könnten etwa einen geringeren Weiterverkaufspreis erzielen, wenn der Wert auf dem Gebrauchtwagenmarkt sinkt.


Der VW-Skandal

Manipulationen. Am 18. September hat die US-Umweltbehörde EPA mitgeteilt, dass VW in Modellen der Baujahre 2009 bis 2015 eine Software eingebaut hat, um die Messung des Schadstoffausstoßes zu manipulieren. Das Programm erkennt, ob das Auto auf einem Prüfstand läuft, und reguliert den Motor so, dass die Stickoxide-Emissionsgrenzwerte eingehalten werden.

Betroffene Motoren. Laut VW können Fahrzeuge aller Konzernmarken (VW, Audi, Skoda, Seat) der Baujahre 2009 bis 2014 betroffen sein. Weltweit geht es um rund elf Millionen Fahrzeuge, davon 363.400 in Österreich. Es geht um 4-Zylinder-Dieselmotoren mit 1,2, 1,6 und 2,0 l Hubraum mit der Typbezeichnung EA 189, die die EURO 5-Abgasnorm erfüllen. Fahrzeuge der aktuellen Abgasvorschrift EURO 6 sind laut VW nicht betroffen.

VW-Reaktion. Der VW-Konzern bereitet eine Nachbesserungsaktion vor. Die betroffenen Kunden werden informiert, dass das Abgasverhalten ihres Fahrzeugs in Kürze nachgebessert wird. Diese kann eine kostenlose Rückruf- oder Serviceaktion sein. Quelle: ÖAMTC