Erstellt am 28. April 2016, 15:01

AK Niederösterreich und ÖGB NÖ feiern Ankunft in St. Pölten. Markus Wieser eröffnet neues ArbeitnehmerInnenzentrum mit Spitzen der Republik, des Landes und der ArbeitnehmerInnenvertretung.

AK-Direktor Helmut Guth, LH-Stv Johanna Mikl-Leitner, ÖGB NÖ-Vorsitzender und AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser, Bundespräsident Heinz Fischer, St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler, ÖGB-Präsident Erich Foglar und Bundesarbeitskammer-Präsident Rudi Kaske bei der Eröffnung des neuen ANZ.  |  NOEN, AK Niederösterreich/Mannsberger

Die AK Niederösterreich und der ÖGB NÖ feiern ihre Ankunft in der Landeshauptstadt. ÖGB NÖ-Vorsitzender und AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser und AK-Direktor Helmut Guth eröffnen in diesen Minuten das neue ArbeitnehmerInnenzentrum (ANZ) im Beisein von Bundespräsident Heinz Fischer, Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser, Landeshauptmann-Stellvertreterin Johanna Mikl-Leitner, ÖGB-Präsident Erich Foglar, Bundesarbeitskammer-Präsident Rudi Kaske und des St. Pöltner Bürgermeisters Matthias Stadler.

AK Niederösterreich-Direktor Helmut Guth strich gleich zu Beginn der Feier mit 400 Gästen die Entwicklung hervor, die die AK Niederösterreich mit dem neuen Gebäude gemacht hat: „Wir haben von Anfang an nicht eine 1:1-Übersiedlung geplant, sondern wollten den Neubau für einen Quantensprung an neuen Möglichkeiten nutzen, und zwar für die Servicequalität für die Mitglieder aber auch an neuen Arbeitsmöglichkeiten für unsere MitarbeiterInnen.“

Für den St. Pöltner Bürgermeister Matthias Stadler ist das ANZ ein „entscheidender Mosaikstein in der Komplettierung der Landeshauptstadt“. Er strich besonders die Zusammenarbeit des ANZ mit dem Jugendzentrum Steppenwolf und der Kulturhalle frei:raum hervor. Beide haben am Gelände des ANZ eine Heimat gefunden: „Eine ArbeitnehmerInnen-Vertretung, die den Akzent setzt und Jugendeinrichtungen hereinholt, das ist was besonders, das findet man in ganz Österreich nicht.“

3,5 Millionen Mitglieder

Bundesarbeitskammerpräsident Rudi Kaske beglückwünschte die AK Niederösterreich zu ihrem neuen Zuhause: „Es ist richtig und gut, dass man nahe an den Menschen und nahe an den Mitgliedern ist. Deshalb ist es gut und wichtig, dass es in jeder Landeshauptstadt eine AK-Vertretung gibt. Wie nah wir an den Mitgliedern sind, zeigt die Tatsache, dass die AK in allen Bundesländern 3,5 Millionen Mitglieder hat und zwei Millionen Beratungen im Jahr durchführt.“

ÖGB-Präsident Erich Foglar bezeichnete die Digitalisierung als eine der größten Herausforderungen für die ArbeitnehmerInnen-Vertretung in den nächsten Jahren. Hier nehme das ANZ mit seinen vielfältigen technischen Möglichkeiten eine Vorreiterrolle ein: „Es gilt, als ArbeitnehmerInnen-Vertretung bereit zu sein, diese Veränderungen zu meistern. Dieses Haus trägt der Digitalisierung mit seiner Ausstattung Rechnung.“ Damit stünden der ArbeitnehmerInnen-Vertretung Gerüste bereit, um Antworten auf die Herausforderungen durch die Digitalisierung zu finden.

Das neue ANZ: moderne Technik, effiziente Serviceleistungen

Der Grundstein für die Verlegung der Zentrale der AK Niederösterreich von Wien nach St. Pölten wurde im Jahr 2011 von der AK Niederösterreich-Vollversammlung einstimmig gelegt. Der Spatenstich erfolgte 2012. Der Bau wurde mit dem Einzug der MitarbeiterInnen am 15. Februar 2016 vollendet, parallel wurden auch das Jugendzentrum Steppenwolf und die Kulturhalle frei:raum errichtet. Der Zeitplan und die budgetierten Baukosten wurden eingehalten. Im neuen Gebäude am AK-Platz 1 in St. Pölten sind auch die Landeszentrale des ÖGB-Niederösterreich, das Arbeitsmedizinische Zentrum St. Pölten und das bfi St. Pölten untergebracht.

Die modernen Büroräume bieten Platz für mehr als 300 Arbeitsplätze. Die Arbeitsabläufe finden auf Grund der neuen technischen Möglichkeiten schneller und effizienter statt. Dadurch wurden auch die Serviceleistungen für die Mitglieder verbessert. Das neue Gebäude ist komplett barrierefrei und wurde unter Einhaltung des Niedrigstenergiestandards errichtet. So wird das ANZ durch Grundwasserwärmepumpen, Fotovoltaik und Solaranlagen am Dach geheizt.

Präsident Wieser: Großer Meilenstein in der Geschichte der Sozialpartnerschaft

„Die Eröffnung des  ArbeitnehmerInnenzentrum in St. Pölten setzt einen großen Meilenstein der bewegten Geschichte der Sozialpartnerschaft in Niederösterreich“, sagte Markus Wieser, Präsident der Niederösterreichischen Arbeiterkammer und Vorsitzender des ÖGB NÖ heute, Donnerstag, bei der feierlichen Eröffnung. „Wenn das Herz der AK Niederösterreich ab jetzt in St. Pölten schlägt, so ist das ein klares Bekenntnis zu unserem Bundesland und zu den niederösterreichischen ArbeitnehmerInnen“, so Wieser. Der Neubau leistete auch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Wirtschaft: „Der größte Teil der Wertschöpfung ist in Niederösterreich geblieben.“

Die wichtigsten Aufgaben der Interessenvertretung, nämlich „Weiterbildung für die Mitglieder und Beschäftigung für die Menschen, sind aktueller denn je“, blickte Präsident Wieser auf den historischen Auftrag der Arbeiterkammern zurück.

Mikl-Leitner: Intensive Sozialpartnerschaft

Landeshauptmann Stellvertreterin Johanna Mikl-Leitner sprach von einem besonderen Anlass für das Land Niederösterreich und St. Pölten: „Die Arbeiterkammer Niederösterreich ist heute endgültig hier angekommen, und damit ist ein weiterer Markstein in der Entwicklung der Landeshauptstadt gesetzt.“ Sie hob die in Niederösterreich gut funktionierende Sozialpartnerschaft hervor und charakterisierte diese als freundschaftlich: „Kürzere Wege bedeuten auch schnellere Lösungen. Der neue Standort wird die Zusammenarbeit zwischen Land, Arbeiterkammer und ÖGB noch mehr intensivieren.“

Herausforderungen gäbe es genug: „Wir haben mit über 600.000 Beschäftigten in Niederösterreich Rekordwerte aufzuweisen, man muss aber auch ehrlich sein und den Anstieg der Arbeitslosigkeit sehen.“ Deshalb gelte es, gemeinsam auf sozialpartnerschaftlicher Ebene Perspektiven zu schaffen und aufzuzeigen, „um nicht zuletzt über Bildung und Qualifikation Verbesserungen für die Menschen in Niederösterreich zu erzielen“, so Mikl-Leitner.

Fischer: Der schwierige Weg Europas

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer erinnerte in seiner Festansprache an den schwierigen Weg zu einem gemeinsamen Europa. Fischer zeichnete insbesondere die Geschichte Österreichs von der Gründung der 2. Republik bis zum Beitritt zur Europäischen Union nach. Nach anfänglicher Konzentration auf die Innenpolitik und den Kampf für einen Staatsvertrag habe sich Österreich immer stärker Europa zugewandt. Der Höhepunkt dieser Entwicklung sei die Abstimmung über den Beitritt zur Europäischen Union gewesen, bei der „die Menschen mit großer Überzeugung mit Ja gestimmt haben“. Trotz aller wirtschaftlicher Vorteile für Österreich seien seitdem die Besorgnisse größer geworden.

Wirtschafts- und Finanzkrise, Kriege und starke Flüchtlingsströme haben zum Anstieg der EU-Skepsis geführt. „Wir haben alle die große Chance, dass der europäische Weg wieder in ruhigere, stabilere Fahrwasser kommt“, zeigte sich Fischer dennoch optimistisch für die Zukunft. Zur Artikel 1 der Menschenrechtskonvention (Alle Menschen gleich an Rechten) sagte er: "Wenn wir uns das vor Augen halten, haben wir einen sehr guten Kompass für den europäischen Weg".

Das Durchschneiden des Bandes, die Eintragungen in das Ehrenbuch der AK Niederösterreich sowie ein gemeinsamer Rundgang durch die Räumlichkeiten des ArbeitnehmerInnenzentrum schlossen die offizielle Eröffungsfeier ab.