Erstellt am 17. Mai 2017, 15:51

von NÖN Redaktion

Anstieg der Arbeitslosigkeit in NÖ weiter klar gebremst. Karl Fakler, Chef des AMS NÖ, kann mit einer guten Nachricht aufwarten: Der NÖ Arbeitsmarkt hat sich besser entwickelt als ursprünglich gedacht.

Karl Fakler, Chef des AMS NÖ: „Die Arbeitslosigkeit wird zwar nicht sinken, aber doch nur sehr langsam weiter steigen.“  |  Erich Marschik

NÖN: Was tut sich am niederösterreichischen Arbeitsmarkt?

Karl Fakler: Es gibt erfreuliche Nachrichten. Das heimische Wirtschaftswachstum wird kräftiger ausfallen als ursprünglich angenommen. Außerdem steigt das Arbeitskräftepotenzial nicht mehr so stark. Das wirkt entlastend auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Niederösterreich. Auf Basis neuer Prognosedaten hat das AMS nun seine Einschätzung zur Arbeitsmarktentwicklung in Niederösterreich für dieses Jahr angepasst: Die Arbeitslosigkeit wird zwar nicht sinken, aber doch nur sehr langsam weiter steigen.

Was heißt das in Zahlen?

Fakler: Die reale Veränderung für das BIP für das Jahr 2017 wird nicht bloß bei maximal 1,5 % liegen, sondern sogar 1,7 % (Synthesis) bis 2 % (WIFO) erreichen. Zugleich wurde das Plus beim Arbeitskräftepotenzial um knapp 2.000 Personen auf gut 9.000 nach unten revidiert. Es wird vor allem die Zahl der Arbeitskräfte aus dem EU-Raum sowie der asylberechtigten Personen, die auf den niederösterreichischen Arbeitsmarkt drängen, weniger hoch sein als angenommen.

Wir gehen davon aus, dass wir heuer im Frühjahr oder Sommer immer wieder ein Minus vor den monatlichen Arbeitslosenzahlen stehen haben werden. Über alle Monate des Jahres betrachtet, werden wir aber mit einem kleinen Plus von 2,8 % Bilanz ziehen müssen. Immerhin wird damit die Arbeitslosigkeit in NÖ im Vergleich zum Vorjahr aber weit weniger stark steigen als noch zu Jahresbeginn angenommen (+6,9 %). In Summe werden heuer 61.500 Personen arbeitslos sein, das sind um 1.600 Jobsuchende mehr als im Jahresschnitt 2016.

Was passiert 2017 noch in Richtung Aus- und Weiterbil-dung?

Fakler: Etwa 2.500 niederösterreichische Beschäftigte werden heuer von geförderter Aus- und Weiterbildung des Arbeitsmarktservice (AMS) profitieren. Mit der Qualifizierungsförderung für Beschäftigte unterstützen wir Unternehmen bei der Personalentwicklung und gleichzeitig Menschen, die in den Betrieben das größte Risiko tragen, arbeitslos zu werden. Das sind vor allem gering qualifizierte Frauen und Männer sowie MitarbeiterInnen der Generation 50+.

2,9 Millionen Euro stellt das AMS NÖ heuer für maßgeschneiderte Qualifizierungsprogramme für Beschäftigte zur Verfügung. Und bis 24. Mai informieren AMS-BeraterInnen im Rahmen der Serviceoffensive „AMS on Tour“ über diese und weitere Förderangebote für Unternehmen.

Was wird genau bei „AMS on Tour“ gemacht?

Fakler: Das Arbeitsmarktservice NÖ nutzt die optimistische Stimmung für eine Service offensive bei den niederösterreichischen Unternehmen. Bis 24. Mai sind 108 BeraterInnen aus dem Bereich Service für Unternehmen unterwegs, um neue AMS-Angebote zu präsentieren und freie Stellen zu akquirieren. 5.000 freie Stellen sollen während der Tour hereinkommen, so das Ziel. Im Köcher haben die AMS-BeraterInnen Förderungen für Unternehmen, die in die Aus- und Weiterbildung ihrer MitarbeiterInnen investieren wollen, und eine klare Ansage zur verstärkten Zusammenarbeit. Denn: Wir arbeiten an maßgeschneidertem Service in der Beratung und Vermittlung.

Sucht die niederösterreichische Wirtschaft noch immer Fachkräfte?

Fakler: Im Schnitt sind 70 % aller freien Stellen, die dem AMS NÖ gemeldet wurden, innerhalb eines Monats mit einer passenden Arbeitskraft besetzt. Das waren im letzten Jahr 39.400 Stellenbesetzungen. Etwa jede fünfte davon entfiel jeweils auf die Bereich Gastronomie und Hotellerie bzw. Metall- und Elektroberufe. Das sind Beispiele für Branchen, in denen Fachkräfte händeringend gesucht werden. Mehr als die Hälfte aller Stellenangebote haben als Anforderungsprofil mindestens den Lehrabschluss. Wir bieten hier unsere Premiumdienstleistungen wie Personalvorauswahl oder Jobbörsen, um Angebot und Nachfrage optimal zusammenzubringen. Zugleich erwarten wir aber auch unmittelbares Feedback durch die Personalsuchenden, wenn eine Vermittlung nicht klappen sollte.

Die AMS-BeraterInnen prüfen in Folge diese Fälle und haben zum Beispiel im letzten Jahr wegen der Verweigerung oder Vereitelung eines zumutbaren Angebotes in knapp 4.000 Fällen eine Sperre des Arbeitslosengeldes oder der Notstandshilfe verhängt. In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es bereits 1.555 Fälle, um 628 mehr als im ersten Quartal des Vorjahres.