Erstellt am 11. April 2017, 03:00

von Anita Kiefer

Der Job-Motor in NÖ nimmt Fahrt auf. Erstmals seit Dezember 2011 ist die Arbeitslosenzahl in NÖ rückläufig. Eine Reihe von Maßnahmen soll Jobmarkt weiter ankurbeln.

Symbolbild  |  Wodicka

Der Stellenmarkt zieht an. Da ist sich das AMS Niederösterreich sicher. Zum ersten Mal seit 62 Monaten – konkret seit Dezember 2011 – vermeldete das AMS NÖ für den März einen Rückgang der Arbeitslosigkeit im blau-gelben Bundesland, nämlich um 1,8 Prozent auf gut 61.000 Arbeitsuchende. Auch inklusive Schulungsteilnehmer sank die Zahl der Jobsuchenden um 0,2 Prozent auf 71.780. Nach Branchen sank die Arbeitslosigkeit am stärksten im Bauwesen, nämlich um 9,9 Prozent auf 6.420 Arbeitslose.

Gleichzeitig revidierte AMS NÖ-Chef Karl Fakler auch seine Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsprognose für das Jahr 2017 nach oben. „Das heimische Wirtschaftswachstum wird kräftiger ausfallen als ursprünglich angenommen. Außerdem steigt das Arbeitskräftepotenzial nicht mehr so stark“, erklärt Fakler.

 Das heimische Wirtschafts wachstum wird kräftiger ausfallen als ursprünglich angenommen.“
Karl Fakler, AMS NÖ-Chef 

Das heißt: Die Arbeitslosigkeit wird in Niederösterreich 2017 zwar nicht sinken, aber nur mehr sehr langsam weitersteigen. Konkret geht Fakler von einem leichten Plus von 2,8 Prozent aus, was die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen angeht. Zu Jahresbeginn rechnete er noch mit einem Plus von 6,9 Prozent.

„Wir gehen davon aus, dass wir heuer im Frühjahr oder Sommer immer wieder ein Minus vor den monatlichen Arbeitslosenzahlen stehen haben werden. Über alle Monate des Jahres betrachtet, werden wir aber mit einem kleinen Plus von 2,8 Prozent Bilanz ziehen müssen“, so Fakler.

Bei den unselbstständig Beschäftigten wird Niederösterreich heuer die 600.000er-Marke überschreiten. Im Jahresdurchschnitt 2017 werden, so das AMS NÖ, rund 604.500 Personen beschäftigt sein – ein Plus von 7.500 anstatt von 6.900 prognostizierten Personen. Die Arbeitslosenquote Niederösterreichs wird 2017 bei 9,2 Prozent liegen – ein leichtes Plus von 0,1 Prozent gegenüber 2016.

"Es liegt noch viel Arbeit vor uns"

Die Grundlage für diese neue Arbeitsmarktprognose des AMS NÖ sind neue – und optimistischere – Daten zur Entwicklung von Wirtschaftswachstum und Arbeitskräftepotenzial.

Das AMS NÖ will die aktuelle Entspannung am Arbeitsmarkt nützen und startet daher eine Serviceoffensive, die 5.000 freie Stellen aquirieren soll. Von 19. April bis 24. Mai werden mehr als 100 AMS NÖ-Berater Unternehmen im Land besuchen, um freie Stellen zu orten. Zusätzlich sollen Betriebe via Telefon auf Beschäftigungs-Fördermaßnahmen aufmerksam gemacht werden.

Auch Landeshauptmannstellvertreterin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) kündigte Beschäftigungsmaßnahmen für NÖ an. „An den vorgelegten Zahlen zeigt sich, dass unser beschlossenes Maßnahmenpaket greift. Jedoch ist für uns klar, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Aus diesem Grund werden wir weitere Maßnahmen zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit entwickeln.“

Wie jetzt bekannt wurde, wird der Bezirk Baden für NÖ die Pilotregion der „Aktion 20.000“. Mit dieser sollen bundesweit Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose über 50 gefördert werden. In NÖ sollen laut Sozialministerium durch den flächendeckenden Einsatz ab 2018 insgesamt 4.000 zusätzliche Arbeitsplätze für diese Personen geschaffen werden. SP-Minister Alois Stöger kündigte rasche Gespräche mit Stellen, die neue Jobs im Rahmen der Aktion bereitstellen können, an. Im Bezirk Baden leben mit einem Anteil von 12,5 Prozent (1.300 Betroffene) die meisten Langzeitarbeitslosen 50+ in NÖ.

Die Gesamtkoordination der „Aktion 20.000“ liegt beim AMS. Details zur NÖ- Pilotregion werden nach Ostern von Stöger, den Bürgermeistern Stefan Szirucsek (Baden) und Andreas Babler (Traiskirchen) sowie Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl bekannt gegeben.