Erstellt am 11. September 2015, 10:36

Attensam poliert seine Angebotspalette auf. Der Hausbetreuer Attensam - bekannt durch Schneeräumung, Grünflächenpflege und Büroreinigung -, der mit über 1.000 Mitarbeitern zuletzt 51,8 Mio. Euro Jahresumsatz erzielt hat, verstärkt seine Expansion außerhalb Wiens und weitet seine Angebotspalette aus.

Beschäftigt fast 1.000 Mitarbeiter: Oliver Attensam aus Klosterneuburg. Foto: Inge Prader  |  NOEN, Inge Prader
Im Winterdienst hätte man gern Saisonniers, was derzeit untersagt ist. Von der Gewerkschaftsidee höherer KV-Mindestlöhne hält man nichts.

Zwei Drittel der Umsätze erzielt Attensam in Wien, wo man allein 12.000 Gebäude betreut. Doch wächst man außerhalb der Bundeshauptstadt kräftiger, nämlich zweistellig. Die Gesamterlöse stiegen 2014/15 (per 30.6.) um 6 Prozent, dabei in den Regionen um 13 Prozent auf 15,5 Mio. Euro. Mit den Ergebnissen habe man die Marktführung in der Reinigungsbranche behauptet, bundesweit betreut man 17.000 Liegenschaften, erklärte die Geschäftsführung des Familienbetriebs.

Ganz neu bietet Attensam ab 15. September auch online seine Dienste an und startet den ersten Webshop der Reinigungsbranche. Rund um die Uhr können dann Dienstleistungen wie Grünflächenbetreuung oder Winterservice gebucht werden. Der Shop zielt primär auf Privatkunden ab, mit Firmen ist man ohnedies in Kontakt. 63 Prozent des Auftragsvolumens kamen zuletzt über Hausverwaltungen, 20 Prozent von Firmenkunden, aber nur jeweils rund 6 Prozent von privaten, öffentlichen sowie gemeinnützigen Auftraggebern.

Rundum-Service "Handy-Man"

Ende September startet Attensam in Wien-Aspern unter dem Titel "Handy-Man" ein neues Service. Für neu ankommende Bewohner oder schon Zugezogene bietet man im Stadtentwicklungsgebiet ein Rundum-Service - von Hilfe beim Einzug über Tischlerarbeiten und Instandhaltung bis zu Technik und Wartung. Entsprechende Handwerker hat man, etliche davon auch mit Meisterprüfung, ein "Handy-Man" soll vor Ort verfügbar sein. "Wir glauben, dass da wirklich Nachfrage herrscht. Das geht dann auch schon hinter die Wohnungstüre. Zum Beispiel wenn jemand nur einmal ein Bild aufgehängt braucht - wir wollen das einmal ausprobieren", so Firmenchef Oliver Attensam aus Klosterneuburg. Immer mehr wolle man ein Multi-Dienstleister rund ums Wohnhaus werden.

"Saisonniers würden wir wie einen Bissen Brot brauchen", sagt Attensam. Das wäre auch im Sinne der öffentlichen Sicherheit, dass es im Winter keine Probleme mit einer unverzüglichen Schneeräumung gibt: "Wenn es einmal ordentlich schneit, dann steht die Stadt." Derzeit müsste man Leute von Oktober bis April fix vorhalten.

Trotz der Fotos mit zur Untätigkeit verdammten Menschen, die man "jeden Tag vom Flüchtlingslager Traiskirchen" sehen könne, gebe es keine Flexibilität: "Ich war schon oft bei Sozialminister Rudolf Hundstorfer, wir kommen aber nicht durch mit unserem Wunsch." Auch die Innung sei zu schwach, aber aus Attensam-Sicht vor allem deshalb, weil die Schneeräumer zur Abfallwirtschaft ressortieren statt zu den Gebäudereinigern. "Dort wäre die Lobby nämlich stärker."

Erfreut über Trend zum Bestbieterprinzip

Den Trend bei öffentlichen Aufträgen vom Billigst- zum Bestbieterprinzip begrüßt der Attensam-Chef. Mittlerweile sei etwa die Zusammenarbeit mit der Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG) sehr gut, auch die aktuelle Initiative der Asfinag dazu bewertet er positiv. Denn vor dem Umdenken im öffentlichen Sektor, "haben wir zehn Jahre lang im öffentlichen Bereich gar nicht mehr angeboten". Oft sei Dumping nur möglich, wenn die Leistungskataloge nicht komplett erfüllt worden seien. Unter neuen Spielregeln würden daher natürlich "einige Player vom Markt verschwinden", so Co-Geschäftsführer Peter Schrattenholzer. In der Gebäudereinigung gebe es keine Eintrittsbarrieren und daher mit rund 7.000 gewerblich Aktiven eine hohe Konkurrenz, meist seien das aber nur Zwei- bis Drei-Personen-Betriebe. Rezept dagegen sei, echte Qualität anzubieten.

Mit den Ideen der Gewerkschaft, die kollektivvertraglichen Mindestlöhne möglichst rasch weiter anzuheben - nach 1.500 auf 1.700 Euro monatlich -, kann Firmenchef Attensam nichts anfangen. Man könne so etwas natürlich "marktschreierisch verlangen, aber bezahlen müsste das der Kunde". Dazu gehörten freilich die Rahmenbedingungen in Österreich verbessert, "damit man mehr erwirtschaften kann". Letztlich sei das auch "ein europäisches Problem: Wir müssen die Produktivität heben, dann können auch die Löhne steigen. Wenn wir mehr Geld erwirtschaften können, können wir auch mehr weitergeben." Aktuell liegt die Branche bei circa 1.360 Euro Mindestlohn.

Attensam ist stolz auf die geringe Fluktuation seiner Belegschaft - in der Branche ist sie mehr als doppelt so hoch - und die relativ lange Verbleibedauer der Leute, sagt Schrattenholzer. Jeder fünfte Mitarbeiter sei schon länger als zehn Jahre im Unternehmen, zwei Drittel über drei Jahre. Die hohe Zufriedenheit der Belegschaft sei branchenbekannt, daher würden Menschen "sehr gerne zu uns kommen, wenn andere abbauen". Trotz Expansionskurs habe man deshalb keine Probleme, neue Leute zu finden, so der Firmenchef.

Ohne Personal für das Winterservice beschäftigte man im abgelaufenen Geschäftsjahr 1.034 Mitarbeiter. Der 1990 gegründete Hausbetreuer verfügt über eine Einsatzflotte von 810 Fahrzeugen, einen der größten Fuhrparks bundesweit. Vom Auftragsvolumen entfielen 2014/15 unter anderem 37 Prozent auf Hausbetreuung, 30 Prozent auf Winterservice. Die Kundenzufriedenheit sei hoch - in Wien etwa habe es zuletzt bei 150.000 Hausreinigungsdurchgängen pro Jahr lediglich 397 Beschwerden gegeben, halb so viele wie fünf Jahre davor.