Erstellt am 12. April 2016, 06:34

von Heinz Bidner

Bald ist jeder Zehnte ohne Arbeit. Im kommenden Jahr soll sich die Situation am Jobmarkt weiter verschärfen.

 |  NOEN

Die gute Nachricht zuerst: Heuer soll die Arbeitslosenzahl schwächer steigen als bislang angenommen. Das meint Karl Fakler, Chef des Arbeitsmarktservice (AMS) NÖ, angesichts seiner eben aktualisierten Prognosedaten gegenüber der NÖN.

Er rechnet nun mit 60.300 Jobsuchenden für 2016. Das würde eine Arbeitslosenquote von 9,2 Prozent bedeuten. Zum Jahreswechsel wurden noch 9,7 Prozent angenommen. 2017 soll das Heer der Arbeitslosen dann kräftig zulegen: Es wird eine Rekordquote von 9,9 Prozent in NÖ erwartet (bundesweit gar 10,5 Prozent).

„Das liegt nicht an einer etwaigen Veränderung der Wirtschaftslage“, erklärt Karl Fakler. Das schwache Wachstum dürfte in NÖ heuer bei 1,5 Prozent und im nächsten Jahr bei 1,2 Prozent liegen. „Wir gehen aber davon aus, dass asylberechtigte Personen erst gegen Jahreswechsel am Arbeitsmarkt auftreten und sich der Zustrom somit etwas verzögern wird“, erklärt der Experte. Viele Menschen würde es dabei nach Wien ziehen.

Ende März waren 1.838 Asylberechtigte beim AMS in NÖ vorgemerkt – etwa die Hälfte davon stammt aus Syrien. Bis Jahresende dürften es insgesamt rund 4.000 sein, schätzt Fakler. Zur Relation: Im Vorjahr waren knapp 1.000 Asylberechtigte beim AMS NÖ gemeldet. Etwa einem Viertel davon konnten Jobs vermittelt werden.

Faklers Budget wurde für entsprechende Schulungsmaßnahmen heuer um 4,7 auf 185 Millionen Euro aufgestockt. „Das ist aber bei Weitem nicht ausreichend“, befürchtet er. Es wären bereits 4.200 Deutschkursplätze für heuer eingerichtet – jeder kostet 800 Euro. Allerdings wären mehrere Kurse pro Person nötig, um ein gutes Sprachniveau zu schaffen.

Die Zahl der Beschäftigten soll in NÖ übrigens weiterwachsen. Heuer um 1,3 Prozent auf 595.600 und 2017 um 1,1 Prozent. Vor allem dank Teilzeitjobs. Dass das in Summe nicht unbedingt mehr Arbeitsleistung bedeutet, zeigt eine aktuelle Analyse der Statistik Austria. So ist die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich im Vorjahr bundesweit um 1,3 Prozent gestiegen, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden dagegen um 2,3 Prozent gesunken.


AMS sucht 4.000 Jobs in 4 Wochen

Betriebsbesuche. Wie jedes Frühjahr startet das Arbeitsmarktservice auch heuer seine Aktion „AMS on Tour“. In NÖ sollen zwischen 18. April und 20. Mai rund 1.000 Betriebe besucht werden. Das gab AMS-NÖ-Chef Karl Fakler vergangene Woche offiziell bekannt. „Wir rechnen damit, etwa 4.000 freie Stellen zu lukrieren, die wir dann den Jobsuchenden anbieten können.“ Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer NÖ, betonte bei der Präsentation, dass diese Initiative ein wesentlicher Puzzlestein für Betriebe sei, um erfolgreich zu sein.

Job-Datings. Im Rahmen der Jobsuchaktion sind auch zwei Job-Datings in Wr. Neustadt (21. April) und St. Pölten (27. April) geplant. Dabei treffen jeweils 30 Jobsuchende auf zehn Unternehmen.